Liquiditätsmanagement (ohne Postbank)

Das Liquiditätsrisikomanagement stellt sicher, dass wir stets in der Lage sind, unsere Zahlungsverpflichtungen zeitgerecht zu erfüllen. Im Jahr 2010 hat unser Liquiditätsrisikomanagement einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Liquidität und zum Management einer soliden Finanzierungsstruktur geleistet.

Konzept des Liquiditätsrisikomanagements

Der Vorstand legt die Liquiditätsrisikostrategie fest, die im Besonderen die Risikotoleranz für Liquiditätsrisiken enthält, die von der Treasury und dem Capital and Risk Committee vorgeschlagen wird. Mindestens einmal im Jahr überprüft und genehmigt der Vorstand die gruppenweiten Limite zur Messung und Kontrolle von Liquiditätsrisiken sowie den langfristigen Refinanzierungs- und Emissionsplan.

Wie in der Liquiditätsrisikostrategie dargelegt, ist unsere Treasury-Funktion für die Steuerung des Liquiditäts und Refinanzierungsrisikos der Deutschen Bank weltweit verantwortlich. Aufgabe des Liquiditätsrisikomanagements ist es, die Liquiditätsrisikoposition der Gruppe zu identifizieren, zu messen und zu steuern. Treasury berichtet die Liquiditäts- und Refinanzierungslage der Bank mindestens wöchentlich im Rahmen der Liquidity Scorecard an den Vorstand. Unser Liquiditätsrisikomanagement beginnt regelmäßig mit der Steuerung der täglichen Zahlungen, der Planung erwarteter Cashflows und der Sicherstellung unseres Zugangs zu Zentralbanken (operative Liquidität). Anschließend folgt das taktische Liquiditätsrisikomanagement, das sich mit dem Zugang zu besicherten und unbesicherten Marktfinanzierungquellen beschäftigt. Schließlich findet im Rahmen der strategischen Komponente das Aufstellen eines Fälligkeitenprofils sämtlicher Aktiva und Passiva in unserer Bilanz (Liquiditätsablaufbilanz) sowie die Festlegung unserer Emissionsstrategie statt.

Unser cashflowbezogenes Reportingsystem liefert tägliche Liquiditätsrisikoinformationen für das globale und regionale Management.

Stresstests und Szenarioanalysen spielen in unserem Konzept des Liquiditätsrisikomanagements eine zentrale Rolle. Hierzu gehört auch eine Bewertung der Liquidität der Aktiva, das heißt der Liquiditätseigenschaften unseres Bestands an Vermögenswerten, unter verschiedenen Stressszenarien, sowie die Analyse von bedingten Zahlungsverpflichtungen aus außerbilanziellen Verpflichtungen. Die monatlichen Stresstestergebnisse dienen dazu, unsere kurzfristigen Wholesale-Refinanzierungslimite (sowohl für unbesicherte als auch für besicherte Refinanzierung) festzulegen, und somit sicherzustellen, dass die Bank innerhalb der generellen Liquiditätsrisikotoleranz des Vorstands bleibt.


Kurzfristige Liquidität

Unser gruppenweites Reportingsystem verfolgt alle vertraglichen Cashflows aus der Refinanzierung über den Wholesalemarkt auf täglicher Basis über eine Zeitspanne von 12 Monaten. Das System erfasst sämtliche Cashflows sowohl aus unseren unbesicherten als auch aus unseren besicherten Finanzierungstransaktionen. Die Limite für eine Refinanzierung über den Wholesalemarkt, die von den Ergebnissen unserer Stresstests abgeleitet und vom Vorstand genehmigt werden, stellen unsere Maximaltoleranz für Liquiditätsrisiken dar. Diese Limite werden auf die globalen Nettoabflüsse angewandt und täglich überwacht. Unsere Liquiditätsreserven stellen die primären Gegensteuerungsmaßnahmen für Stress in den kurzfristigen Wholesale Refinanzierungsmärkten dar. Auf Ebene der rechtlichen Einheiten können wo es zweckmäßig und angemessen erscheint einzelne Liquiditätsabflusslimits gesetzt werden, die ein breiteres Spektrum an Cashflows begrenzen.


Unbesicherte Finanzierungsmittel

Die Aufnahme unbesicherter Finanzierungsmittel ist nur in begrenztem Umfang möglich. Unbesicherte Finanzierungsmittel setzen sich zusammen aus allen externen am Markt aufgenommenen Verbindlichkeiten, unabhängig von Instrument, Währung oder Laufzeit. Die unbesicherten Finanzierungsmittel werden auf regionaler Basis erfasst und in einem globalen Bericht zusammengeführt. Im Rahmen der Liquiditätsrisikostrategie genehmigt der Vorstand Limite, um unseren Zugang zu unbesicherten Finanzierungsmitteln zu attraktiven Konditionen zu sichern.


Stresstests und Szenarioanalysen

Wir verwenden Stresstests und Szenarioanalysen zur Untersuchung des Einflusses von plötzlich auftretenden Stressereignissen auf unsere Liquiditätsposition. Diese Szenarien beruhen entweder auf historischen Ereignissen (wie dem Börsencrash des Jahres 1987, dem US-amerikanischen Liquiditätsengpass von 1990 und den Terrorangriffen des 11. September 2001), auf Fallstudien von Liquiditätskrisen oder auf hypothetischen Modellen. Diese Szenarien berücksichtigen auch neue Treiber des Liquiditätsrisikos, die sich aus der letzten Finanzmarktkrise ergeben haben: länger anhaltende Disfunktionalität des Geldmarkts, Ablehnung von Sicherheiten, eingeschränkte Fungibilität von Währungen, nicht absetzbare Syndizierungen, und sonstige systemische Nebenwirkungseffekte.

Die Szenario-Typen umfassen institutsspezifische Ereignisse (zum Beispiel Bonitätsherabsetzung), marktbedingte Ereignisse (zum Beispiel systemisches Marktschockszenario) sowie die Kombination beider Ereignisse. Dieses Szenario analysiert ein systemisches Marktschockszenario in Kombination mit einer mehrstufigen Bonitätsherabsetzung.

Bei jedem dieser Szenarien wird angenommen, dass alle fällig werdenden Forderungen an Kunden vollständig prolongiert und refinanziert werden müssen, wobei die Prolongation der Verbindlichkeiten teilweise eingeschränkt ist und somit eine Finanzierungslücke entsteht. Darüber hinaus analysieren wir den potenziellen Refinanzierungsbedarf aus außerbilanziellen Verbindlichkeiten (zum Beispiel Ziehungen unter Kreditfazilitäten und gestiegene Besicherungsanforderungen), die unter Stress entstehen können. Danach werden die notwendigen Schritte bestimmt, um den Nettobedarf an Finanzierungsmitteln auszugleichen. Die Gegenmaßnahmen beinhalten den Bestand an unbesicherten Vermögenswerten in den Geschäftsbereichen, die verfügbaren liquiden Zahlungsmittel (die zusätzlich zu den liquiden Zahlungsmitteln vorhanden sind, die integraler Bestandteil der Clearing und Settlement-Aktivitäten sind), sowie die strategische Liquiditätsreserve.

Die Analyse der Liquidität der Aktiva ist daher ein integraler Bestandteil von Stresstests, mithilfe derer wir die Volumina und Verbuchungsorte unseres konsolidierten Bestands an ohne Sicherheiten refinanzierten liquiden Aktiva bestimmen, die wir zur Generierung von Liquidität über besicherte Finanzierungstransaktionen einsetzen können. Die Wertpapierbestände setzen sich aus einer breiten Palette unterschiedlicher Wertpapierklassen zusammen. Zunächst trennen wir in jedem Bestand die illiquiden von den liquiden Wertpapieren. Anschließend werden den liquiden Wertpapierklassen Liquiditätswerte zugeordnet. Die Liquidität dieser Aktiva ist ein entscheidender Schutz vor kurzfristigen Liquiditätsengpässen.

Darüber hinaus hält die Bank vorwiegend mit Zentralbanken umfangreiche liquide Mittel, die zusätzlich zu den erforderlichen Reserven zur Unterstützung ihrer Clearingaktivitäten in Euro, US-Dollar und anderen Währungen weltweit vorgehalten werden.

Als separate Gegensteuerungsmaßnahme unterhalten wir eine spezielle strategische Liquiditätsreserve in Form hochliquider und zentralbankfähiger Wertpapiere in den führenden Weltwährungen zur Unterstützung unseres Liquiditätsprofils für den Fall potenziell sich verschlechternder Marktbedingungen. Das Volumen dieser strategischen Liquiditätsreserve ist eine Funktion der erwarteten Stresstestergebnisse. Die Größe und Komposition unterliegen der regelmäßigen Überprüfung durch den Konzernvorstand.

Die kurzfristig liquidesten Bestandteile mit der höchsten Qualität innerhalb der oben beschriebenen drei Kategorien werden aggregiert und separat als Liquiditätsreserven identifiziert. Diese Liquiditätsreserven beinhalten freie liquide Zahlungsmittel, hochliquide Staatsanleihen und andere zentralbankfähige Aktiva. Zum 31. Dezember 2010 überstiegen unsere Liquiditätsreserven ein Volumen von 145 Mrd €.

Stresstests sind vollständig in unser Liquiditätsrisikomanagement-Konzept integriert. Wir verfolgen unsere vertraglich vereinbarten Zahlungsströme pro Währung und Produkt über einen achtwöchigen Zeitraum (welchen wir als die kritischste Zeitspanne in einer Liquiditätskrise einschätzen) und wenden den jeweiligen Stressfall auf alle potenziellen Treiber der Risiken aus bilanziellen und außerbilanziellen Produkten an. Über den achtwöchigen Zeitraum hinaus bis zu zwölf Monate analysieren wir quartalsweise die Auswirkungen einer erweiterten Stressperiode, zusammen mit Gegensteuerungsmaßnahmen, die eine Veränderung des Geschäftsmodells beinhalten können. Die Stresstests des Liquiditätsrisikos liefern die Basis für unsere vom Vorstand genehmigten Notfallrefinanzierungspläne.

Unsere Stresstestanalysen geben Aufschluss darüber, ob wir unter kritischen Umständen genügend Liquidität aufbringen könnten, und liefern wichtige Informationen für die Festlegung unserer angestrebten Liquiditätsrisikoposition. Wir führen die Analyse monatlich durch.


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