Wochenausblick
Konjunktur Europa – Vorlaufindikatoren geben Orientierung
Während Marktteilnehmer und Ökonomen kontrovers über einen möglichen erneuten Rückfall der Eurozone in die Rezession („double dip“) diskutieren, deuten die aktuellen Daten auf eine anhaltende Expansion hin. Die eine gewisse Vorlauffunktion für die Entwicklung der Realwirtschaft aufweisenden Einkaufsmanagerindizes in Deutschland, Frankreich und der Eurozone insgesamt konnten sich im August per Saldo auf den expansiven Niveaus des Vormonats stabilisieren. Der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland erreichte im August den höchsten Stand seit Juni 2007 und unterstrich damit eindrucksvoll den Status der deutschen Wirtschaft als Zugpferd der gesamten Eurozone.
Konjunktur USA – Häuser- und Arbeitsmarkt bleiben Sorgenkinder
Der US-Wohnimmobilienmarkt steht weiterhin unter erheblichem Druck. Nachdem ein Steueranreizprogramm der Regierung kurzfristig zu einer Entspannung geführt hat, wurde nun deutlich, dass noch Anpassungsbedarf besteht. Die Neubauverkäufe fielen im Juli mit 276.000 Einheiten auf den tiefsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1965. Auch die Verkäufe bestehender Häuser gingen im Juli deutlich zurück. Neben dem Auslaufen der staatlichen Stützungsmaßnahmen belastet auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt, der die zweite Achillesferse der US-Wirtschaft bleibt.
Rentenmarkt – Flucht in sichere Häfen hält an
Unsicherheiten über die Entwicklung der Konjunktur, damit verbundene Deflationssorgen und die Korrektur am Aktienmarkt haben zu einem weiteren Kursanstieg bei deutschen Bundesanleihen geführt. Die Rendite 10-jähriger Papiere fiel bis auf 2,09% zurück. Neben dem derzeit hohen absoluten Kursniveau (niedrigen Renditeniveau) deuten auch technische Indikatoren auf eine „überkaufte“ Situation am deutschen Rentenmarkt hin. Bei einer Rückkehr der Risikofreude an den Kapitalmärkten besteht daher Rückschlagspotenzial.
Währungen – Schwacher Euro oder schwacher USD?
An den Währungsmärkten wurde die Schwäche des Euro gegenüber dem US-Dollar im Jahresverlauf vielfach mit den Unsicherheiten im Zuge der europäischen Schuldenkrise begründet, die zu einer Flucht in den vermeintlich sicheren Hafen „Dollar“ führte. Allerdings zeigt sich mit Blick auf den US-Dollar im Vergleich zum japanischen Yen oder anderen Währungen ein völlig anderes Bild. Gegenüber dem Yen verlor die US-Währung seit April deutlich an Terrain. Neben der sich abschwächenden Wachstumsdynamik in den USA – die aber mindestens in gleichem Maße für die japanische Wirtschaft gilt – dürfte der Hauptgrund in der Rückführung von kreditfinanzierten Risikopositionen („carry trades“) liegen.
Aktienmarkt – Emerging Markets auf dem Vormarsch
Abseits der aktuellen Wachstumsdiskussionen – insbesondere in den klassischen Industrienationen USA, Europa und Japan – lohnt sich ein Blick auf den längerfristigen Trend von entwickelten und sich entwickelnden Märkten. Die Wachstumszentren der Welt liegen weiterhin in Asien und Lateinamerika. Länder wie China, Brasilien und Mexiko profitieren mehr denn je von ihrer niedrigen Verschuldung und dem anhaltend dynamischen Wirtschaftswachstum. Dementsprechend bieten auch die Aktienmärkte dieser Staaten die besten Voraussetzungen, die Outperformance gegenüber den etablierten Märkten in den USA und Europa weiter fortzusetzen.
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