Cash Management

Die Plattformökonomie verändert die Geschäftsmodelle der Unternehmen und ihre Anforderungen an Banken. Noch nie waren Kooperationen so wichtig wie heute.

Von Bas Marteijn

 

Der Begriff des Plattform-Bankings ist derzeit in aller Munde. Das hat zwei Gründe: Erstens müssen sich die Banken schon aus regulatorischen Gründen öffnen. Im Zuge der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 sind sie auf Anweisung ihrer Kunden dazu gezwungen, den Zugriff auf Konten und Kundendaten über offene Schnittstellen (APIs) mit Drittdienstleistern zu teilen. Generell gilt: Wer in dieser neuen Welt einen Platz haben will, sollte proaktiv neue Services auf API-Basis entwickeln.

Zweitens verändern die Digitalisierung und die zunehmende Vernetzung („Internet of Things“) auch die Anforderungen der Unternehmen an ihre Banken. Geschäftsmodelle, Zahlungsströme und Finanzierungserfordernisse stehen vor einem tiefgreifenden Wandel. Denn Abonnement- oder Pay-per-Use-Modelle, wie man sie heute von Streaming-Diensten wie Spotify oder Netflix kennt, erobern gerade auch die Industrie: Autobauer legen Car-Sharing-Angebote auf, Maschinenbauer stellen ihren Kunden Abrechnungen in Abhängigkeit von der Nutzungsdauer, und Versicherer bieten Versicherungsschutz nur für eine bestimmte Zeitspanne.

Vernetzung als Schlüssel

Die Folge: Industrieunternehmen müssen sich künftig nicht nur viel stärker mit ihren Kunden und Lieferanten vernetzen, sondern auch mit ihren Banken. Denn Finanzdienstleistungen wie die Ausführung von Zahlungen oder die Finanzierung von Handelsgeschäften werden noch tiefer in die Wertschöpfungskette integriert. Umso wichtiger wird es für Banken, eine gute Kundenerfahrung zu ermöglichen: Angebote müssen schnell und kostengünstig verfügbar sein, sie müssen nutzerfreundlich sein und Transparenz bieten.

Dafür wird es auch auf Fintechs ankommen: Sie konzentrieren sich auf ein bestimmtes Problem und lösen dies bestmöglich. Ein Beispiel: Mit Modo Payments können Firmenkunden innovative Zahlungslösungen anbieten. Die Technologie ermöglicht es global agierenden Unternehmen, auf zusätzliche Zahlungskanäle wie zum Beispiel Zahlungen in E-Wallets oder Karten zuzugreifen. Insbesondere in Asien boomen solche Wallet-Zahlungen, aber auch in Europa bieten immer mehr Unternehmen ihren Kunden die Bezahlung mit digitaler Geldbörse an.

Auch deshalb ist der Plattformansatz so wichtig: Nicht alle Services wird eine Bank selbst entwickeln können. Ihr Mehrwert wird darin bestehen, Kunden Zugang zu den Dienstleistern zu geben, die Lösungen für das jeweilige Problem haben. Viele Treasurer scheuen sich aus Sicherheitsund Compliance-Gründen, Angebote direkt von Fintechs zu kaufen, aber sie vertrauen ihren Banken. Entsprechend kann die Bank die Rolle des Vermittlers zwischen Fintech und Unternehmen einnehmen und für die Einhaltung der Compliance sorgen.

Kleine Schritte machen

Aber nicht nur Banken müssen sich für Kooperationen öffnen, auch die Treasurer sollten neuen Entwicklungen aufgeschlossen gegenüberstehen. Im Bereich der API-Projekte gibt es einige Vorreiter – vor allem Großkonzerne –, die die Chancen der Öffnung aktiv für sich nutzen. Das gilt etwa bei der Nutzung von Instant Payments oder im Liquiditätsmanagement.

Das Gros der Unternehmen reagiert jedoch abwartend. Das dürfte an den knappen Kapazitäten in den Treasury-Abteilungen liegen. Zudem stehen viele Finanzverantwortliche vor der Herausforderung, die Technologietrends in konkrete, mehrwertstiftende Projekte für ihr Unternehmen zu überführen. Blockchain, künstliche Intelligenz, Big Data – die Vielfalt der Möglichkeiten ist groß. Hier hilft es, erst mal kleine Schritte zu machen. Gerade bei API-Entwicklungen können sich Erfolge schnell einstellen.

Erschienen in DerTreasurer, Q1 2019

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