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Corona-Krise macht Schutzschirm für Arzt- und Zahnarztpraxen erforderlich

30.06.2020

Corona-Krise macht Schutzschirm für Arzt- und Zahnarztpraxen erforderlich

Nach der ersten Corona-Welle im Frühjahr kehren Kliniken und Praxen nach und nach in den Routinebetrieb zurück. Was bleibt, sind Umsatzeinbußen. Nicht jeder Einnahmeverlust kann durch den Rettungsschirm ausgeglichen werden.

Das Corona-Virus hat insbesondere im März und April für einen massiven Rückgang der Patientenzahlen in Arzt- und Zahnarztpraxen gesorgt. Viele Patienten haben aus Angst vor einer Ansteckung Praxisbesuche aufgeschoben. Insbesondere Routineuntersuchungen, Vorsorgeleistungen und DMP-Termine wurden abgesagt. Ab Mai zeichnete sich eine Entspannung ab, auch weil ärztliche und zahnärztliche Institutionen über die in Praxen herrschenden Hygienestandards und Vorsichtsmaßnahmen sowie über die Folgen aufgeschobener Arztbesuche aufgeklärt haben. Der Freie Verband Deutscher Zahnärzte startete eine Kampagne mit „Fünf guten Gründen“, warum Patienten jetzt zum Zahnarzt gehen sollten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung appellierte an Patienten, „in die Praxen zurückzukommen“.

Schub für digitale Anwendungen

Als hilfreich für ein Nebeneinander von Routineversorgung und Behandlung von Pandemiepatienten hat sich die Nutzung von Videosprechstunden erwiesen. Die gestiegenen Zahlen in diesem Bereich lassen erwarten, dass künftig stärker mit digitalen Angeboten gearbeitet wird. Zugleich machten ärztliche Vertreter der Politik deutlich, dass das Gesundheitssystem trotz der Einnahmeausfälle der gesetzlichen Krankenkassen keine finanziellen Einschnitte verkraften kann. Dass Deutschland bislang so gut durch die Krise gekommen ist, verdankt es zu einem guten Teil dem ambulanten Gesundheitssystem – sechs von sieben Corona-Patienten wurden ambulant behandelt.

Der Gesetzgeber hat auf die Umsatzverluste im ambulanten Bereich reagiert: Die morbiditätsorientierte Gesamtvergütung soll auch bei einer reduzierten Leistungsmenge voll ausgezahlt werden. Voraussetzung für eine Ausgleichszahlung an eine Praxis ist eine Fallzahlminderung in einem Umfang, der die Fortführung einer Praxis gefährden würde. Ab welcher Grenze eine solche Fallzahlminderung vorliegt, müssen die Länder-KVen entscheiden. Die KVen haben im Mai begonnen, ihre Honorarverteilungsmaßstäbe entsprechend anzupassen. Der Gesetzgeber hat auch geregelt, dass die KVen bei Rückgängen um mehr als zehn Prozent beim extrabudgetären Honorar Ausgleichszahlungen an die Praxen leisten können. Diese Aufwendungen haben die Krankenkassen den KVen zu erstatten.

Verkürzte Präsenzzeiten sind fatal

Wie die KVen damit umgehen, ist unterschiedlich.Wichtig ist: Der Rückgang der Patientenzahlen darf nicht auf verkürzte Präsenzzeiten unabhängig von der Pandemie zurückgehen. Grundsätzlich müssen Mindestsprechstunden erfüllt sein, damit die Härtefallregelung greift. Verluste bei Privat- oder Selektivvertragspatienten gleicht die KV nicht aus. Für Zahnärzte gibt es keine analoge Regelung, sie müssen eine Stützung der KZV später zurückzahlen. Klarheit herrscht seit Mai in Bezug auf Kurzarbeit, die viele Praxen anmeldeten. Eine fachliche Weisung der Bundesagentur für Arbeit regelt jetzt, dass Beschäftigte grundsätzlich Kurzarbeitergeld erhalten können – also auch Beschäftigte in Arzt und Zahnarztpraxen. Vor der Auszahlung wird eine Einzelfallprüfung vorgenommen.


30.06.2020

E-Arztbriefe werden attraktiver

Ab 01. Juli werden E-Arztbriefe besser bezahlt. Neben den weiterhin gezahlten 28 Cent für den Versand (GOP 86900) und 27 Cent für den Empfang (GOP 86901) soll es dann eine neue Strukturförderpauschale (GOP 01660) für den Versand in Höhe von einem EBM-Punkt (10,99 Cent) je E-Arztbrief geben. Für die Pauschalen 86900 und 86901 gilt ein gemeinsamer Höchstwert von 23,40 Euro im Quartal je Arzt. Die Strukturförderpauschale dagegen wird unbegrenzt extrabudgetär gezahlt. Mit dieser zunächst auf drei Jahre befristeten Maßnahme wollen KBV und GKV-Spitzenverband den Anreiz für die elektronische Kommunikation erhöhen. Ebenfalls neu ist ab Juli eine Fax-Kostenpauschale GOP 40111. Sie wird nur im ersten Jahr mit zehn Cent bewertet, ab 01. Juli 2021 dann nur noch mit fünf Cent je Arztbrief.

Für per Post verschickte Arztbriefe und andere Unterlagen können Ärzte ab Juli nur noch die neue, mit 81 Cent bewertete Porto-Kostenpauschale 40110 abrechnen. Die alten Versandkostenpauschalen 40120–40126 werden zum 01. Juli gestrichen. Nur bei der GOP 40122 stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ob sie als Corona-Besonderheit nochmals verlängert wird.


Redaktion:
Springer Medizin, Postfach 2131, 63243 Neu-Isenburg, Hauke Gerlof (V. i. S. d. P.)