Investieren im Mittelstand: Vertrauen Sie Ihrer Erfahrung

Investieren im Mittelstand: So geht’s

Die niedrigen Zinsen zum Wachsen nutzen, auch wenn Fachkräfte knapp sind? Mit Volldampf digitalisieren, obwohl Kunden und Mitarbeiter immer älter werden? Ob, wann und wie viel Sie in Ihr Unternehmen investieren, ist eine wichtige Frage. Als Mittelständler brauchen Sie Antworten. Lassen Sie sich von Trends und Prognosen nicht verrückt machen, rät Analyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. Denn der Experte für Ihr Unternehmen sind Sie.


Die Gewinne sprudeln, doch statt zu investieren, sitzen die großen Unternehmen auf gewaltigen Geldreserven und entwickeln sich zunehmend zum Sparbuch ihrer Anteilseigner – ein Trend, der derzeit in vielen Industrieländern zu beobachten ist. Und der Politiker und Ökonomen rätseln lässt. Denn nach der klassischen Lehrbuchmeinung müssten niedrige Zinsen und eine positive wirtschaftliche Entwicklung die Unternehmen doch eigentlich zu regen Investitionen motivieren.


Beim Blick auf die prall gefüllten Kassen der großen Konzerne stellt sich mittelständischen Unternehmern unweigerlich die Frage nach der richtigen Investitionsstrategie. Lohnt es, Chancen mutig zu nutzen und in den Ausbau, die Modernisierung und den Werterhalt des eigenen Unternehmens zu investieren? Schließlich sind die Zinsen und damit die Finanzierungskosten historisch niedrig. Und auf dem Konto bringt das Geld kaum Erträge. Oder haben die Großen Recht, wenn sie konjunkturelle Risiken wie den Brexit abwarten und ihr Pulver trocken halten?


Für den deutschen Mittelstand hat Eric Heymann eine klare Antwort: „Die Frage, ob in Deutschland gerade zu viel oder zu wenig investiert wird, ist eher akademischer Natur“, sagt der Analyst für die Themen Industrie, Klimapolitik und Verkehr bei Deutsche Bank Research in Frankfurt. Weitgehende Einigkeit gebe es allenfalls hinsichtlich der staatlichen Investitionen. Hier stelle sich zu Recht die Frage, ob beispielsweise mehr Steuergelder in öffentliche Infrastruktur wie Verkehr, digitale Netze oder Forschung und Bildung investiert werden sollten, um langfristige Herausforderungen wie den digitalen Wandel oder den Fachkräftemangel meistern zu können.


Für mittelständische Unternehmen gelte dagegen: Patentrezepte oder pauschalgültige Investitionsquoten gibt es nicht. Unternehmen in reifen Branchen investieren zum Beispiel weniger als in boomenden Wachstumsbranchen. Und ein kapitalintensiver Produktionsbetrieb wird mehr investieren als beispielsweise eine Digitalagentur. „Sie selbst sind der Experte für Ihr Unternehmen und können besser als jeder Außenstehende beurteilen, wann, wo und in welchem Umfang Sie investieren sollten, sodass es für Ihren wirtschaftlichen Erfolg optimal ist“, so Heymann.

Gerade im verarbeitenden Gewerbe scheint das auch nach wie vor gut zu gelingen: „Die Zahlen signalisieren hier keineswegs eine absolute Zurückhaltung bei Investitionen“, erklärt der Branchenexperte. Seit 2010 seien die realen Bruttoanlageinvestitionen vielmehr um gut drei Prozent pro Jahr gestiegen. Insbesondere werde in geistiges Eigentum, also Forschung und Entwicklung, investiert. Das verarbeitende Gewerbe sei der wichtigste Motor für Forschung und Entwicklung und damit für technischen Fortschritt, so Heymann.


Zusammengefasst: Mittelständische Unternehmer sollten sich von der öffentlichen Diskussion um eine vermeintlich zu geringe Investitionstätigkeit nicht verunsichern lassen, sondern bei Investitionsentscheidungen auf ihre Erfahrung und ihr unternehmerisches Gespür vertrauen. Dabei ist es vor allem für exportorientierte Sektoren ratsam, auf handelspolitische Entwicklungen wie den Ausgang des Brexits oder die Handelsstreitigkeiten mit den USA zu achten. Unternehmen aus energieintensiven Branchen sollten insbesondere die Energie- und Klimaschutzpolitik aufmerksam im Blick behalten.


Zwei Faktoren, mit denen sich ausnahmslos jeder Unternehmenschef auseinandersetzen sollte, um den eigenen Investitionskurs optimal abzustecken, seien die Digitalisierung und der demografische Wandel, der zu einem sinkenden Arbeitskräfteangebot führen wird. „Deutschland ist ein Hochlohnland, Überkapazitäten kommen Unternehmen teuer zu stehen“, erklärt Heymann. In zusätzliche Produktionskapazitäten zu investieren, ergebe nur Sinn, wenn diese auch langfristig ausgelastet werden können. „Investitionen in die Weiterbildung der Belegschaft könnten die demografischen Lasten abmildern“, so Heymann.


In puncto Digitalisierung sei vornehme Zurückhaltung weniger angebracht. Gerade in mittelständisch geprägten Branchen wie dem Maschinenbau passiere hier zum Teil noch zu wenig, warnt Heymann: „Der digitale Strukturwandel ist ein guter Grund zu investieren, wenn man dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben will.“

Sie wollen investieren? Dann machen Sie jetzt den nächsten Schritt.

Wir unterstützen Sie: mit einer Finanzierungsberatung, die mehr möglich macht.

Das könnte Sie auch interessieren

Pro und Contra: Jetzt freie Mittel investieren

Niedrige Zinsen, hohe Geldreserven: Sollten mittelständische Unternehmer jetzt investieren oder lieber abwarten? Die wichtigsten Argumente im Überblick. [mehr...]

Investitionscheck: Darauf sollten Sie achten

Egal, ob Eigenkapital oder Bankdarlehen: Wer in seinen Betrieb investiert, sollte viele Punkte beachten. Diese Checkliste hilft Ihnen bei der Investitionsentscheidung. [mehr...]

Wie Sie Digitalisierung finanzieren

Quer durch alle Branchen verspricht die Digitalisierung steigende Umsätze, sinkende Kosten und mehr Effizienz. Entsprechend hoch ist die Investitionsbereitschaft in der deutschen Wirtschaft. [mehr...]