Dr. Ulrich Stephan

Anleger fragen, Experten antworten

22.05.2017

Schwellenländer-Börsen bieten Anlegern teils gute Chancen. Doch welche Märkte erscheinen derzeit vielversprechend? Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privatund Firmenkunden der Deutschen Bank, beantwortet Fragen zur Vermögensanlage.

Neben China und Indien scheinen auch Brasilien und Russland wieder in den Tritt zu kommen. Gibt es ein Comeback der BRIC-Staaten?

Das BRIC-Konzept hat seit jeher die Schwäche, dass hier vier sehr unterschiedliche Volkswirtschaften in einen Topf geworfen werden. Während China seinen Wachstumspfad eigentlich nie verlassen hat und sich die langfristigen Aussichten für die indische Wirtschaft durch die Reformpolitik von Premierminister Narendra Modi seit 2014 verbessert haben, leidet Brasilien seit Jahren unter politischer Misswirtschaft. So groß das Potenzial des Landes sein mag: Vor den Wahlen 2018 sehe ich kaum Chancen auf Reformen und eine nachhaltige Erholung. Russland zeigt dank eines wachsenden Binnenmarkts neue wirtschaftliche Stärke. Allerdings ist die Abhängigkeit vom Öl nach wie vor ein Hemmschuh. Auf absehbare Zeit dürften zwar alle vier Schwellenländer von der globalen Konjunkturdynamik profitieren. Von einem BRIC-Comeback zu sprechen, halte ich jedoch für übertrieben.

Viele Analysten sprechen Südafrika wirtschaftliches Potenzial zu. Welche Zukunft hat das Land am Kap aus Investorensicht?

Ohne Zweifel hat die größte Volkswirtschaft Afrikas enormes Entwicklungspotenzial. Angesichts gestiegener Rohstoffpreise schien es noch Anfang 2017 sogar so, als ob Südafrika eine Konjunkturwende zum Guten schaffen könnte. Doch seit der Entlassung des renommierten Finanzministers Pravin Gordhan und großer Teile des Kabinetts durch Präsident Jacob Zuma Ende März hat sich die Stimmung gedreht. Erneut haben politische Wirren eine mögliche wirtschaftliche Erholung zunichte gemacht. Eine nachhaltige Verbesserung der Lage halte ich derzeit für wenig wahrscheinlich. Anleger sollten Südafrika aber im Blick behalten: Mit politischer Stabilität könnte das Land wieder ein interessantes Investmentziel werden.

 

Jetzt für das FinanzmarktForum registrieren