Dr. Ulrich Stephan

Anleger fragen, Experten antworten

02.06.2017

Die Börsen rund um den Globus verzeichneten zuletzt hohe Kurszuwächse. Vielen Anlegern erscheinen die Märkte nun weit vorgelaufen. Sie prüfen Alternativen oder denken über eine Absicherung nach. Eignen sich Rohstoffe als Investment, dient Gold als Sicherheitsnetz? Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Firmen- und Privatkunden bei der Deutschen Bank, beantwortet Fragen zur Vermögensbildung.

Zuletzt gerieten die Rohstoffpreise wieder unter Druck. War die Erholung zuvor nur ein Strohfeuer?

Die gesunkenen Preise für Erdöl und zahlreiche Industriemetalle mögen auf den ersten Blick überraschen, schließlich läuft die Weltkonjunktur aktuell gut und die Rohstoffnachfrage ist intakt. Gründe für die fallenden Notierungen finden sich jedoch auf der Angebotsseite. So konnte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) durch ihre Ende 2016 beschlossene Förderkürzung den Ölpreis zwar kurzzeitig stützen. Jedoch weiteten insbesondere US-Förderer ihre Produktion im Zuge steigender Preise wieder aus, was sich negativ auf die Notierungen auswirkt. Ähnlich verhält es sich beim Eisenerz: Nach einem signifikanten Preisanstieg kam es zu Förderausweitungen von Produzenten. Ich gehe davon aus, dass es an den Rohstoffmärkten in absehbarer Zeit keine nachhaltige Erholung geben wird, was ein Investment aus meiner Sicht uninteressant erscheinen lässt.

Taugt Gold als Absicherung eines Aktiendepots?

Gold als „Krisenwährung“ rückt immer dann in den Fokus, wenn die Skepsis der Anleger zunimmt. Aktuell spricht jedoch wenig für ein Gold-Engagement. Zum einen besteht trotz der jüngsten Höchststände an den Börsen in den USA und Europa, und trotz möglicher temporärer Rücksetzer, weiteres Kurspotenzial: Dafür spricht, dass die Erwartungen an das Gewinnwachstum der Unternehmen für 2017 in allen wichtigen Anlageregionen im zweistelligen Prozentbereich liegen. Zum anderen könnte sowohl in der Eurozone als auch in den USA das Zinsniveau weiter steigen – was Gold im Vergleich zu verzinsten Anlagen wie Staatsanleihen uninteressanter machen würde. Entsprechend könnte Gold zwar als Beimischung zur Diversifizierung des Depots beitragen – als Absicherung taugt es aber nicht.

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