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  • Interview

    „Ich bin ja erst ganz kurz Freiberufler.“

    Dr. Thiemo Kurzweg, Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Medizin

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Dr. Thiemo Kurzweg übernahm im Sommer 2015 einen Vertragsarztsitz in einer mittelgroßen Berufsausübungsgemeinschaft

„Wenn man eine gut laufende Praxis übernimmt oder als Teilhaber einsteigt, kann man nicht viel falsch machen!“ Thiemo ist überzeugt, dass er erfolgreich sein wird. Er hat 2014 seinen Facharzt gemacht und auf eine gute Qualifizierung geachtet. „Da muss man selber hinterher sein, denn das Krankenhaus, wo du weitergebildet wirst, hat ja andere Ziele.“

Richtig Probleme gab es bei der Niederlassung nicht – auch wenn es viel Bürokratie ist. Er hatte einen erfahrenen Praxisberater an seiner Seite, der alles mit ihm durchgerechnet hat.

Der hat ihn auch bei den Verträgen und Versicherungen beraten. „Ohne Berufsunfähigkeitsversicherung kann man sich nicht niederlassen. Ich habe dann sogar noch einen Ehevertrag gemacht. Das musste ich meinem Lebenspartner zwar erst vermitteln, aber mir war wichtig, dass die Praxis nicht unter den Zugewinn fällt, wenn es zu einer Trennung käme. Die ist schließlich die Existenzgrundlage.“

Sein Partner ist froh, dass Thiemo nicht mehr im Krankenhaus arbeitet. Die Arbeitszeit ist kürzer, die Wochenenden sind frei. Das gemeinsame Leben hat sich dadurch verändert. An die andere Art des Einkommens muss sich Thiemo allerdings noch gewöhnen. „Ich bin ja erst ganz kurz Freiberufler. Es ist schon komisch, wenn kein Angestelltengehalt mehr aufs Konto kommt. Aber in ein paar Monaten habe ich mich daran auch gewöhnt.“

Zusätzliche finanzielle Sicherheit gibt ihm, dass er nebenbei noch KV-Notdienst macht. Damit hat er schon während seiner Krankenhauszeit angefangen. „Das gab mir immer ein Stück Unabhängigkeit. Ich war nicht nur auf ein Einkommen angewiesen. KV-Notdienst wird gut bezahlt und ist cool, da werde ich ja wieder mit der ganzen Palette der Medizin konfrontiert.“

Einen HNO-Sitz mitten in Hamburg zu finden, war keine Kleinigkeit. Thiemo hat lange gesucht und jetzt einen halben Sitz erworben. In ein paar Jahren wird er die andere Hälfte auch noch übernehmen können.

„Wir sind mehrere HNO-Kollegen in der Praxis und jeder hat so seinen Schwerpunkt“, sagt er. „Meiner sind Operationen – ambulante und stationäre. Da habe ich große Erfahrung und eine Spezialität mit der funktionell endoskopischen Nasen-nebenhöhlenchirurgie, die es bisher in Hamburg nicht so oft gibt.“ Ob er mit den Kollegen harmoniert, hat er erst einmal ein paar Monate als angestellter Arzt getestet. „Man muss wissen, auf was und wen man sich einlässt. Das haben die Kollegen ja genauso gesehen.“

Davor war Thiemo einige Jahre an einem großen Krankenhaus der Maximalversorgung und wollte eigentlich dort Karriere machen. Der Arbeitsdruck und die Profitorientierung waren enorm. „Viele von uns hatten ein paar Hundert Überstunden. Das war normal und wurde von uns auch akzeptiert, aber es wurde immer schlimmer. Ich bin dann ziemlich krank geworden. Danach habe ich mir überlegt, dass ich so eigentlich nicht leben will. Mir war auch klar, wenn ich etwas ändern will, muss ich es jetzt tun. Mit 34 Jahren geht das noch.“

Sein Tipp an die Kollegen, die sich niederlassen wollen: „Du musst wissen, dass du gerne mit Patienten und Mitarbeitern redest. Wer seine Patienten lieber nur in Narkose sieht und operiert, sollte nicht in eine Praxis gehen.“


Hamburg, 18. August 2015

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