Kurse & Märkte Suche Online-Banking
  • Interview

    „Ich möchte frei und unabhängig ent­schei­den können.“

    Michaela Matthiesen-Lieber, Fachärztin für Allgemeinmedizin
mehr Informationen zuZur Startseite Heilberufe
Dr. Matthiesen - 1
Dr. Matthiesen - 2
Michaela Matthiesen-Lieber, Fachärztin für Allgemeinmedizin, übernahm vor zwei Jahren eine hausärztliche Einzelpraxis

Michaela zögert lange mit der Antwort auf die Frage, was die größte Hürde vor der Niederlassung gewesen sei. Es waren nicht Bürokratie oder Finanzierungsfragen. Zugesetzt hat ihr eigentlich nur die Enttäuschung ihres letzten Chefs, als sie kündigte. Bei ihm war sie lange Zeit tätig. Erst als Assistenzärztin in der Weiterbildung und dann als angestellte Ärztin.

Aber sie wollte ihr eigenes Reich, ihre eigene Chefin sein und Medizin und Arbeit so einteilen, wie sie es sich wünscht. Das hat sie heute – zwei Jahre nach der Niederlassung - erreicht.

Es ist vieles so geworden, wie sie es haben wollte. „Ich arbeite gern hier und verdiene gut. Mehr als vorher als angestellte Ärztin. Meine Patienten kommen gern und kennen diese Praxis schon seit vielen Jahren.“ Michaela hat eine Praxis gekauft, die sie gemeinsam mit einer erfahrenen medizinischen Fachangestellten und zwei Minijobberinnen betreibt. Groß in Schulden stürzen musste sie sich nicht. „Ich habe eine funktionierende Praxis übernommen, die trotz ihrer guten Lage nicht teuer war.

Die Abwicklung mit Kassenärztlicher Vereinigung und Zulassungsausschuss war reibungslos, und der abgebende Arzt und ich haben uns vertraut.“ Sie hat sich auch ganz bewusst für eine Einzelpraxis entschieden. „Vorher war ich in einer Dreier-Gemeinschaftspraxis. Da muss viel abgestimmt und abgesprochen werden – mit Kollegen und Mitarbeiterinnen. Ich möchte aber frei und unabhängig entscheiden können.“

Das tut sie jetzt und achtet dabei auf Lebensqualität.

Ihre Sprechstunde beginnt um 8.00 Uhr. Vorher macht sie ab und zu noch einmal einen Hausbesuch mit Blutentnahme. Aber das ist nicht die Regel, denn die Hausbesuche plant sie, wenn irgend möglich, auf den Dienstagnachmittag. Der Vormittag endet zwischen 12.30 Uhr und 13.00 Uhr, wenn nicht noch wieder ein Hausbesuch gemacht werden muss. „Ich mache gern Hausbesuche, da kommt man den Menschen näher. Aber ungeplante Hausbesuche sind eher die Ausnahme als die Regel.“

Nachmittagssprechstunde bietet Michaela von 16.00 Uhr bis 18.00 Uhr an. Danach setzt sie sich immer noch an ihren PC und erledigt das „Tagesprotokoll“. „Da hat man noch alles frisch im Kopf und macht keine Fehler. Dann ist es auch schnell erledigt.“

Mittwochs ist sie um 15.00 Uhr zu Hause und freitags gegen 14.00 Uhr. Da fällt dann schon noch Zeit für Praxisverwaltung an – „aber das kann ich von zu Hause aus regeln, und das ist jetzt auch nicht übermäßig viel. Circa zwei Stunden pro Woche fallen für die Praxisverwaltung an.“

Die Urlaubsregelung hat sie von ihrem Vorgänger übernommen. Sechs Wochen im Jahr nimmt sie sich frei. In dieser Zeit vertritt sie eine weitere Praxis ganz in ihrer Nähe. Dort arbeiten zwei Allgemeinärztinnen, mit denen sie sich gut versteht und immer mal wieder trifft und austauscht.

„Mir macht mein Urlaub mehr Spaß, wenn ich weiß, dass die Patienten gut versorgt sind.“ Freizeit und Urlaub haben heute überhaupt eine andere Qualität als noch zu Krankenhauszeiten. Da war man „ständig überlastet und ist völlig ausgepowert ins Wochenende oder in den Urlaub gegangen.“

Fast bereut Michaela es deshalb, dass sie erst mit Anfang 40 ihre eigene Praxis eröffnet hat. „Meine Kinder sind jetzt groß, 15 und 19 Jahre alt. Die Krankenhauszeit war für die gesamte Familie schwer gewesen. Die Arbeitszeiten in der Praxis sind dagegen ja der Himmel auf Erden für meine Familie und mich.“

Michaelas Tipp für Kollegen: Nach der Übernahme erst einmal keine großen Veränderungen vornehmen. „Bei mir lief alles reibungslos: Patienten, Mitarbeiterinnen – alles war gut. Aber der Umstieg beim Telefon von ISDN auf IP löste eine Katastrophe aus. Wir waren zwei Tage lang telefonisch nicht erreichbar, Faxgerät und Internet funktionierten ebenfalls nicht. So etwas sollte man sich nicht zu Anfang antun.“

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Weitere Infos zu Cookies und deren Deaktivierung finden Sie hier.