Dr. Oliver Plein

Anleger fragen, Experten antworten

20.03.2018

Sind dividendenstarke Titel jetzt interessant? Gehen Anleger mit Nebenwerten höhere Risiken ein? Oliver Plein, Börsenexperte bei der Deutschen Asset Management beantwortet Fragen zur Anlage.

Investoren befürchten wieder stärkere Schwankungen an den Börsen. Sind Anleger mit dividendenstarken Aktien dann besser aufgestellt?

Davon gehen wir aus, schon aus grundsätzlichen Erwägungen. Es ist statistisch belegt, dass dividendenstarke Aktien deutlich schwankungsresistenter sind als weniger dividendenstarke Titel. Dividendenaktien haben in der Vergangenheit aufgrund ihres asymmetrischen Chance-Risiko- Verhältnisses häufig als Risikopuffer und damit stabilisierend gewirkt. Insofern gehören Dividendenaktien unserer Einschätzung nach in ein gut strukturiertes Aktiendepot. Davon abgesehen: Nachdem die vermeintlichen „Langweiler-Titel“ gut anderthalb Jahre lang deutlich hinter der Entwicklung auf dem breiten Aktienmarkt zurückgeblieben sind, könnten sie nunmehr wieder an Attraktivität gewinnen. Dafür spricht schon die Rückkehr zum langfristigen Mittel. Wir erwarten, dass sich die Börsen unter Schwankungen beruhigen; insofern könnte es ratsam sein, wieder stärker auf ausschüttungsstarke, also eher defensive Aktien zu setzen.

Die relative Bewertung dividendenstarker Aktien gegenüber dem Gesamtmarkt und vor allem Wachstumstiteln ist unserer Einschätzung nach attraktiv. So dürften die Dividendenerträge angesichts begrenzten Kurspotenzials wieder einen größeren Anteil am Gesamtertrag einer Aktienanlage erreichen.

Sind Nebenwerte riskanter als Standardtitel?

Nach unseren Analysen nicht. Diese zeigen, dass europäische Nebenwerte in Zeiten kurzfristiger Kurskorrekturen eine bessere Wertentwicklung als hochkapitalisierte Werte genommen haben. Das kann mit der Tatsache erklärt werden, dass Anleger bei kurzfristigen Marktkorrekturen dazu neigen, zuerst die liquidesten Positionen zu verkaufen, um den negativen Einfluss von Transaktionskosten so gering wie möglich zu halten. Dagegen können Nebenwerte im Falle lang anhaltender Kurskorrekturen, etwa in einer Rezession, höhere Abschläge aufweisen. Aber: Nebenwerte brauchten deutlich weniger Zeit als Standardwerte, um die erlittenen Kursverluste wieder aufzuholen.

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