Dr. Ulrich Stephan

Anleger fragen, Experten antworten

20.03.2018

Kann sich ein Investment in Öl auszahlen? Sollten Anleger den Rentenmärkten besser fern bleiben? Ulrich Stephan, Kapitalmarktexperte der Deutschen Bank, beantwortet Fragen zur Geldanlage.

Die Ölpreise haben zuletzt etwas nachgegeben. Ergeben sich daraus für Anleger interessante Einstiegsmöglichkeiten?

Grundsätzlich halte ich Rohstoffe aus Anlegersicht weiterhin für wenig interessant – das gilt auch für Öl. Zwar führt die anhaltend starke Weltkonjunktur zu einer insgesamt hohen Nachfrage. Jedoch scheint das Preispotenzial insbesondere angesichts steigender Fördermengen in den USA vor allem für Öl begrenzt: Aktuellen Daten der US-Energiestatistikbehörde zufolge haben die US-Förderer im November 2017 erstmals mehr als zehn Millionen Barrel Öl täglich gefördert. Dies sollte die Förderbegrenzung der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) auf absehbare Zeit zumindest kompensieren. Zum Jahresende 2018 reche ich für die europäische Ölsorte Brent mit einem Preis im Bereich von 60 US-Dollar pro Barrel – wobei stärkere Schwankungen etwa aufgrund von politischen Entwicklungen und damit verbundenen Auswirkungen auf die Fördermengen im Nahen Osten bis dahin nicht auszuschließen sind.

Die Zeichen stehen auf steigende Zinsen. Machen Anleihen und Rentenfonds in diesem Umfeld zurzeit noch Sinn?

Die Herausforderungen am Rentenmarkt dürften für Anleger zunehmen – denn ein anhaltender Zinsanstieg würde zu weiteren Kursverlusten bei Anleihen führen. Dennoch sollte die Anlageklasse meiner Meinung nach nicht außer Acht gelassen werden: In einem breit aufgestellten Depot können vergleichsweise sichere Staatsanleihen nach wie vor eine wichtige Ausgleichsfunktion erfüllen. Denn Aktien verfügen zwar grundsätzlich über ein höheres Renditepotenzial als Anleihen, aber auch über eine größere Schwankungsanfälligkeit. Um die Volatilität innerhalb des Gesamtportfolios zu verringern, kann sich daher je nach persönlicher Risikobereitschaft die Beimischung von stabileren Unternehmensanleihen guter Bonität oder als sicher geltenden Staatsanleihen im Rahmen eines flexiblen Managements sowie einer aktiven Laufzeitengestaltung anbieten.

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