Dr. Ulrich Stephan

Anleger fragen, Experten antworten

21.04.2017

Die Zeiten, in denen Anleger mit vergleichsweise geringem Risiko gute Renditen erwirtschaften konnten, scheinen vorbei. Was bedeutet das für Anleger? Fragen zur Vermögensanlage beantwortet Ulrich Stephan von der Deutschen Bank.

Die Zinsen sind nach wie vor niedrig, die Unsicherheiten hoch. Wie sollten Anleger in diesem Umfeld agieren?

Sie könnten einen Blick auf die Aktienmärkte werfen. Denn meiner Meinung nach dürfte die gute Stimmung an den Börsen noch eine Weile anhalten – trotz der zum Teil gestiegenen Aktienbewertungen. So liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beispielsweise im US-amerikanischen Leitindex S&P 500 nach den jüngsten Kursanstiegen aktuell bereits über einem 10-Jahresdurchschnitt – und auch deutsche Aktien haben sich verteuert. Blickt man jedoch auf die Gewinnerwartungen der Unternehmen, scheinen diese Bewertungen gerechtfertigt: In den USA rechnen die Analysten für 2017 mit einem Gewinnwachstum von 10,1 Prozent, in Deutschland mit 9,2 Prozent. Das könnte für weiteres Kurspotenzial bis Jahresende sprechen. Entsprechend risikobereite Anleger sollten jedoch insbesondere die Wahlen in Europa sowie die US-Politik im Auge behalten.

Einige Experten sprechen von einer Blase am deutschen Immobilienmarkt. Haben sie Recht?

Richtig ist, dass die Kaufpreise für deutsche Immobilien seit der Finanzkrise 2008 doppelt so schnell gestiegen sind wie die Mieten. Das könnte als Anzeichen einer Blasenbildung interpretiert werden. Meiner Meinung nach handelt es sich jedoch um Nachholeffekte: Vor der Finanzkrise hinkten die Preis- den Mietsteigerungen lange hinterher. Ich gehe davon aus, dass der Trend steigender Kaufpreise – insbesondere in den Metropolen – anhält. Bereits jetzt liegt der Nachfrageüberhang bundesweit bei rund einer Million Wohnungen. Dies liegt nicht zuletzt darin begründet, dass seit Mitte der 1990er-Jahre lange Zeit zu wenig gebaut wurde – was sich kurzfristig kaum aufholen lässt. Der deutsche Markt stellt daher meines Erachtens auch im Jahr 2017 einen wichtigen Pfeiler in einem breit diversifizierten Immobilieninvestment dar. Anleger sollten die Risiken möglicher Überbewertungen jedoch langfristig im Auge behalten.

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