Die wichtigsten Fakten:

  • Eine Ruhepause im Handelskonflikt zwischen den USA und China würde die Aktienmärkte stützen.
  • Anleger hoffen auf geld- und fiskalpolitische Maßnahmen in den USA, China und Europa.
  • Der deutsche Leitindex DAX hat im europäischen Vergleich einen hohen Anteil an Tech-Aktien.

Von der drohenden Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China, über die Brexit-Saga bis zur Regierungskrise in Italien: Es gab gute Gründe, getreu der Börsenweisheit „Sell in May and go away...“ die Aktienquote im Portfolio zu senken und sich als Anleger über die Sommermonate defensiver aufzustellen. Ob sich auch der zweite Teil der Börsenweisheit – „...but remember to come back in September“ – als richtig erweist, muss sich erst zeigen. Noch ist nichts entschieden, die Gemengelage bleibt komplex. So waren die jüngsten Konjunkturdaten aus den USA, China und Europa durchwachsen. Und trotz einiger Lichtblicke und Entspannungssignale können sich die kursrelevanten politischen Risiken (Brexit, Handelskonflikte, Unruhen in Hongkong) rasch wieder verstärken.

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Mehr Optimismus

USA vs. China – dieser konjunkturgefährdende Konflikt könnte sich etwas beruhigen. Denn im Wahljahr 2020 wird US-Präsident Donald Trump um fast jeden Preis eine Rezession der größten Volkswirtschaft der Welt verhindern wollen. Wissenschaftliche Studien belegen einen engen Zusammenhang zwischen der Wählersicht auf die Konjunktur und dem Abstimmungsverhalten. Trotz bisweilen deutlicher Anzeichen, dass sich auch das US-Wachstum verlangsamt, zeigt sich die amerikanische Wirtschaft weiter robust. Davon profitieren die weltweiten Aktienmärkte ebenso wie von der Lockerung der Geldpolitik durch führende Notenbanken.

Unterstützung für Konjunktur und Aktienmärkte könnte zudem auch von stärkeren fiskalpolitischen Impulsen in China und der EU kommen. Alles in allem fühlt sich die Kapitalmarktwelt aus Sicht der Deutschen Bank wieder etwas besser an als zu Beginn des Sommers – auch wenn der Kampf gegen den konjunkturellen Abschwung noch nicht gewonnen ist.

Doch etwas mehr Optimismus scheint durchaus gerechtfertigt. 2020 könnten die US-Unternehmen auch in einem schwierigen Marktumfeld ein einstelliges Gewinnwachstum erreichen – mit entsprechendem Kurspotenzial an der Börse. Zu den Favoriten dürften dann weiterhin Technologieaktien gehören, die sich im Vergleich zum US-Gesamtmarkt (S&P 500) zuletzt besser entwickelt haben. Das gilt auch für den Subsektor Hardware. Anleger aus dem Euroraum, die in den Referenzindex PHLX Semiconductor Sector (SOX), investiert haben, verbuchten seit Jahresbeginn ein deutliches Plus.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 24.09.2019. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Tech-Potenzial

Ihr Augenmerk sollten entsprechend risikobereite Anleger nach Einschätzung der Deutschen Bank auch auf deutsche Aktien legen. Nach der Underperformance 2018 schlagen sich DAX und MDAX dieses Jahr bislang besser. Das mag angesichts der Konjunkturabkühlung überraschen. Eine Erklärung ist die veränderte Zusammensetzung des DAX zugunsten defensiverer Wachstumswerte. Im Vergleich zu 2010 ist die Gewichtung von Versorgern und Chemiewerten um jeweils 7 Prozent gesunken. Technologie- und Gesundheitstitel haben indes 5 Prozent und 7 Prozent gewonnen. In keinem europäischen Leitindex ist der Tech-Anteil höher. Wegen der weiterhin hohen Abhängigkeit deutscher Unternehmen von China und der derzeit fairen Bewertung besteht die Chance, dass der DAX bei einer Lösung des Handelsstreits seine Underperformance nachhaltig beenden kann.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 04.10.2019