Die wichtigsten Fakten:

  • Am Ölmarkt gibt es keine Versorgungsengpässe. Die Risikoprämie auf Rohöl ist aktuell gering.
  • Die globale Konjunkturabkühlung dämpft die Nachfrage nach Rohöl.
  • Die US-Leitzinssenkung stützt die Goldnotierungen, ein massiver Preisanstieg blieb bislang aus.

Die größte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des Ölmarktes ist aus wirtschaftlicher Perspektive glimpflich verlaufen. Nach den von den Huthi-Rebellen im Jemen reklamierten und dem Iran angelasteten Drohnen- und Marschflugkörperangriffen auf saudische Ölraffinerien Mitte September sind Engpässe am Ölmarkt und dramatische Preissteigerungen weitgehend ausgeblieben. Ende September kostete 1 Barrel Rohöl (je 159 Liter) der Sorte „Brent“ gut 60 US-Dollar – und lag damit in etwa auf dem Stand von vor den Anschlägen.

Im Visier der Angreifer standen Ölverarbeitungsanlagen im Werk Abqaiq und im Ölfeld Khurais. Mit einer Produktionskapazität von mehr als 7 Millionen Barrel pro Tag ist Abqaiq der weltgrößte Ölverarbeitungskomplex. Khurais ist mit einer Tagesförderkapazität von 1,45 Millionen Barrel Saudi-Arabiens zweitgrößtes Ölfeld. Insgesamt waren von den Angriffen fast 60 Prozent der saudischen und 5 Prozent der globalen Ölproduktion betroffen.

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Hohes Angebot

Die Deutsche Bank war in einer ersten Analyse zum Ergebnis gekommen, dass ein in verschiedenen Marktszenarien befürchteter deutlicher Anstieg der Ölnotierungen in Richtung 75 US-Dollar je Barrel nur bei einer lang andauernden Produktionsstörung von mindestens 6 bis 8 Wochen denkbar sei. Tatsächlich deckt Saudi-Arabiens Lagerbestand von geschätzten knapp 188 Millionen Barrel die Nachfrage für fast 33 Tage. Außerdem verfügten die Scheichs Ende August über eine freie Produktionskapazität von fast 1,7 Millionen Barrel je Tag. Die tägliche Reservekapazität der gesamten Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) lag bei 2,7 Millionen Barrel. Hinzu kommt, dass die Bedeutung der OPEC für die globale Ölversorgung in den vergangenen Jahren abgenommen hat.

Den Hauptgrund für den moderaten Anstieg der Ölnotierungen lieferten die Saudis selbst: Der staatliche Ölkonzern Saudi Aramco konnte die Produktion rasch wieder hochfahren. Nach Angaben des neuen saudi-arabischen Energieministers Prinz Abdulasis bin Salman bleibt die durchschnittliche Tagesproduktion für September und Oktober unverändert bei 9,89 Millionen Barrel – das entspricht dem Niveau vom August.

Dennoch werden die Investoren am Ölmarkt wohl auch künftig eine Risikoprämie fordern. Die Gefahr einer weiteren militärischen Eskalation in der Region bleibt bestehen. Ohne externe Schocks oder Produktionskürzungen der OPEC und ihrer Partner (OPEC+) sollte das Angebot die Ölnachfrage übertreffen, die vor dem Hintergrund einer globalen Konjunkturabkühlung tendenziell schwach bleiben dürfte.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 24.09.2019. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Keine Rally

Nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ist es still geworden ums Edelmetall Gold. Noch im Vorfeld des Fed-Meetings hielten besonders optimistische Analysten einen Kurs von 2.000 US-Dollar in zwei Jahren für möglich. Davon ist nun vorerst nicht mehr die Rede. Zwar senkte die US-Notenbank den Zins, der Ausblick hinsichtlich einer weiteren Zinslockerung war aber nicht energisch genug. Dennoch sollten weitere Zinssenkungen der führenden Notenbanken und eine weltweit nachlassende Konjunkturdynamik den Goldpreis weiter stärken. Hinzu kommt eine erhöhte Goldnachfrage bei einigen Zentralbanken, wie zum Beispiel in Russland. Die Deutsche Bank prognostiziert einen Anstieg der Notierungen bis auf 1.644 US-Dollar.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 04.10.2019