Die wichtigsten Fakten:

  • US-Aktien entwickelten sich in den vergangenen Jahren besser als europäische Papiere
  • Deutsche Bank sieht weiterhin höhere Stabilität in Übersee
  • Anleger sollten europäische Aktien dennoch nicht außer Acht lassen

Beim Blick auf die Wertentwicklung in den vergangenen fünf Jahren dürfte den meisten Euroanlegern mit US-Aktieninvestments warm ums Herz werden. Zwar ging es auch mit den Kursen in den Vereinigten Staaten in dieser Zeit teilweise ordentlich auf und ab. Am Ende steht jedoch ein deutliches Plus: In Euro gerechnet legte der US-Leitindex S&P 500 seit dem 5. März 2014 um 101 Prozent zu. Das ist nicht nur absolut gesehen ein guter Wert. Auch im Vergleich zu anderen Aktienregionen zeigt sich die Stärke des US-Marktes. Beispiel Europa: Unter Einbeziehung der Dividendenzahlungen entwickelte sich der S&P 500 auf 5-Jahres-Sicht um 70 Prozentpunkte besser als sein gesamteuropäisches Pendant, der Stoxx 600.

US-Aktien könnten sich stabiler entwickeln

Neben der soliden Wertentwicklung der vergangenen Jahre überzeugten US-Aktien durch eine vergleichsweise geringe Schwankungsbreite: Die 260-Tage-Volatilität, welche die Schwankungsintensität der Aktienindizes in den zurückliegenden 260 Handelstagen in Prozent angibt, lag in den vergangenen fünf Jahren im S&P 500 durchschnittlich niedriger als im Stoxx 600. Dieser Trend könnte aus Sicht der Deutschen Bank auf absehbare Zeit anhalten. Denn die Verunsicherung am europäischen Aktienmarkt dürfte im Umfeld hausgemachter politischer Risiken nicht abnehmen. Dazu zählen die noch immer ungelöste Brexit-Frage, die bevorstehenden Europawahlen und die Entwicklung des italienischen Staatshaushalts. Diese problematische Gemengelage äußert sich auch in den Analystenschätzungen für die Gewinne pro Aktie. Zwar liegt das erwartete Gewinnwachstum für die kommenden zwölf Monate im Stoxx 600 mit durchschnittlich 6,9 Prozent etwas höher als im S&P 500. Allerdings gehen die einzelnen Analystenschätzungen in Europa weiter auseinander als in Übersee – was ebenfalls für niedrigere Schwankungen bei US-Aktien sprechen könnte. Und schließlich dürften Aktienpapiere aus den USA auch von den höheren Gewinnmargen der US-Unternehmen profitieren: Mit rund 12 Prozent der Umsätze liegen diese aktuell deutlich höher als in Europa (9 Prozent).

Tägliche Kapitalmarkteinschätzung per E-Mail. Jetzt informieren

Vieles spricht für US-Unternehmen

Die Deutsche Bank sieht noch weitere Gründe, die für US-Unternehmen sprechen. Zum einen dürften die für den US-Markt so wichtigen Aktienrückkäufe der Unternehmen auf hohem Niveau bleiben. Da die zurückgekauften Aktien nach dem Erwerb gewöhnlich vom Markt genommen werden, verteilt sich der zukünftig erzielte Unternehmensgewinn auf eine geringere Anzahl von Papieren – was 2019 rund 2 Prozentpunkte zum Wachstum bei den Gewinnen pro Aktie im S&P 500 beitragen könnte. Zum anderen sollte der seit dem Jahreswechsel wiedererstarkte Ölpreis den US-Aktienmarkt stützen. Aus Sicht der Deutschen Bank dürfte der positive Umsatzeffekt für Energieunternehmen den negativen Kosteneffekt für Industrieunternehmen überwiegen. Hinzu kommen die insgesamt besseren konjunkturellen Aussichten in den USA. Die Deutsche Bank rechnet jenseits des Atlantiks für das Gesamtjahr 2019 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent gegenüber einem Plus von nur 0,9 Prozent in der Eurozone.

Deutsche Bank: Aktien 2019 mit Potenzial – in den USA etwas mehr Stabilität erwartet als in Europa.

USA stabil, Europa mit niedriger Bewertung

Im laufenden Jahr könnten US-Aktien gegenüber europäischen Papieren in Sachen Stabilität und Wertentwicklung also wieder einmal die Nase vorn haben. Das bedeutet jedoch nicht, dass Europas Aktienmärkte keinen näheren Blick wert sind. Im Gegenteil: Noch immer sind Aktien im Stoxx 600 vergleichsweise günstig bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis basierend auf den Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate liegt derzeit unter 14. Auch sollte man die im Vergleich zu den USA deutlich höheren europäischen Dividendenzahlungen berücksichtigen. Im Durchschnitt erwarten die Analysten für 2019 im Stoxx 600 eine Dividendenrendite von 3,9 Prozent. Und schließlich macht selbst das erwartete Gewinnwachstum, trotz der weit auseinanderliegenden Einzelprognosen, Hoffnung: Zwar ging es zuletzt zurück, ist aber nach wie vor positiv – was insgesamt die Basis für steigende Aktienkurse bildet.

Breit streuen – beiderseits des Atlantiks

Die Deutsche Bank zählt folgerichtig die USA und Europa zu interessanten Zielen für Aktieninvestoren. Im Portfoliokontext könnte sich entsprechend risikobereiten Anlegern daher eine breite Streuung unter anderem über diese beiden Anlageregionen anbieten. Für offensive Anleger mit Vertrauen in die konjunkturelle Entwicklung könnten neben den Global Playern auch Wachstumswerte aus der zweiten Reihe aussichtsreiche Investments darstellen.



Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Jetzt anmelden

Anlagewissen

Redaktionsschluss: 07.03.2019