Die wichtigsten Fakten:

  • Kursgewinne in Europa zuletzt hauptsächlich stimmungsgetrieben
  • Aktuelle Fundamentaldaten bestätigen positiven Trend
  • Aussichten insgesamt positiv – jedoch Schwankungen erwartet

Wirtschaftswachstum, Industrieproduktion, Unternehmensgewinne – in welche Richtung sich die Kurse an den Börsen entwickeln, hängt neben konkreten wirtschaftlichen Daten maßgeblich von den Erwartungen der Marktteilnehmer ab. Sind die Aussichten für die Konjunktur und die Unternehmen freundlich, steigen die Kurse, scheinen dagegen dunklere Wolken aufzuziehen, schlägt sich das negativ auf die Aktiennachfrage nieder.

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Gute Stimmung treibt Europas Aktienmärkte

In den vergangenen Monaten war die Stimmung an den europäischen Börsen weitestgehend gut – manch einer bezeichnete sie sogar als euphorisch. Entsprechend positiv entwickelten sich Aktienindizes wie der Euro Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone umfasst. Grund für diese gute Stimmung waren unter anderem die Einkaufsmanagerindizes, welche die Erwartungen der Unternehmenslenker für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden sechs Monate abbilden: Seit Jahresbeginn 2017 lag der Gesamtindex für die Eurozone um die beziehungsweise über der 55-Prozentmarke und damit in einem Bereich, der für eine spürbare Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität in der Region spricht. Ähnlich stark entwickelten sich auch länderspezifische konjunkturelle Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex oder die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland.

Stimmung und Lage drifteten auseinander

Bei aller Bedeutung dieser ökonomischen Indikatoren – sie bleiben Erwartungen. Ob sie in die richtige Richtung weisen, lässt sich daher erst feststellen, wenn konkrete wirtschaftliche Daten vorliegen, etwa zur Industrieproduktion, zu den Einzelhandelsumsätzen oder zum Bruttoinlandsprodukt. Und genau hier herrschte in Europa bislang eine deutliche Divergenz: Denn mit der zunehmenden Verbesserung der Stimmung konnten die fundamentalen Wirtschaftsdaten bislang nicht Schritt halten. Einige Marktteilnehmer fragten sich daher schon, ob die „Euphorie“ an den europäischen Aktienmärkten nicht übertrieben sei.

Gute fundamentale Daten stützen Kursanstiege

Danach sieht es aus Sicht der Deutschen Bank derzeit nicht aus. Im Gegenteil: Aktuelle Wirtschaftsdaten für die Eurozone zeigen, dass tatsächlich eine substanzielle Erholung in der Eurozone einzutreten scheint und damit die hohen Erwartungen der Marktteilnehmer bestätigt werden. Das bezieht sich unter anderem auf die anziehenden Exporte, die fortschreitende Erholung an den Arbeitsmärkten sowie das langsam steigende Preisniveau.

Die momentanen Aktienkurse in Europa scheinen also fundamental gestützt zu sein. Kursübertreibungen in Europa sieht die Deutsche Bank daher insgesamt nicht.

Europa: Fundamentale Wirtschaftsdaten bestätigen stimmungsgetriebene Aktienmarktgewinne der vergangenen Monate.

Neue Unternehmenszahlen kommen in den Anlegerfokus

Wie sich die europäischen Aktienmärkte in absehbarer Zeit weiter entwickeln werden, hängt unter anderem davon ab, welche Signale von den Unternehmen in der bevorstehenden Berichtssaison ausgehen. Erste Tendenzen aus den Konzernzentralen lassen vermuten, dass sich die positive Gewinnsituation aus dem 1. Quartal 2017 im 2. Quartal verfestigt oder sogar noch verbessert haben könnte. Aktuell gehen die Analysten für das Gesamtjahr 2017 von einem Gewinnwachstum in Europa von mehr als 10 Prozent aus. Konkretere Zahlen wird es aber erst in einigen Wochen geben.

Schwankungen für Einstieg nutzen?

Für entsprechend risikobereite Anleger scheinen Europas Aktienmärkte jedoch bereits jetzt interessante Anlagemöglichkeiten zu bieten – zumal die Schwankungsintensität in den bevorstehenden Sommermonaten aufgrund geringerer Umsätze temporär anziehen dürfte und entsprechende Kursrücksetzer als Einstiegszeitpunkt gewählt werden könnten.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 12.07.2017