Die wichtigsten Fakten:

  • Technologiewerte maßgeblich für die Aktienmarktentwicklung
  • Hohe Bandbreite innerhalb der Branche
  • Ausblick bleibt positiv, genaue Auswahl der Investmentziele ratsam

„Technologie first“: Seit Jahren stehen Aktien von Unternehmen aus der digitalen Welt bei den Investoren hoch im Kurs und tragen maßgeblich zur Wertentwicklung an den globalen Aktienmärkten bei. Während der weltweite Aktienindex MSCI All Country World in den vergangenen fünf Jahren aus Sicht eines Euroanlegers inklusive Dividenden um rund 64 Prozent stieg, legte der Technologiesektor innerhalb des Index um rund 139 Prozent zu. Mit einem Plus von etwa 175 Prozent noch stärker entwickelte sich seit seiner Auflegung im September 2014 beispielsweise der Index FANG+, der bedeutende US-amerikanische sowie asiatische Wachstumsunternehmen aus dem Bereich Digitalisierung beinhaltet. Nach einer über Jahre sehr guten Entwicklung schwankten jedoch insbesondere Technologieaktien im laufenden Jahr stark – verbunden mit teils hohen Kursrückgängen.

Neuklassifizierung im Technologiesektor

Durch das hohe Wachstum und das Investoreninteresse der letzten Jahre stieg auch die Bedeutung des Sektors für die Aktienmärkte. Nach bisheriger Klassifizierung machten Technologieunternehmen in den Vereinigten Staaten rund ein Viertel der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 aus; im asiatischen Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets Asia waren es sogar rund 35 Prozent. Im vergangenen September nahmen die führenden Indexanbieter Standard & Poor’s sowie MSCI eine Neuklassifizierung der Sektoren vor: Unternehmen aus den Bereichen Soft- und Hardware sowie Halbleiter werden nun dem IT-Sektor zugeordnet, sämtliche Online-Händler sind im Sektor Einzelhandel und damit zyklischer Konsum zu finden und Medien- und Unterhaltungsunternehmen sind im Kommunikationsdienstleistungssektor enthalten.

Die Neuausrichtung ist sinnvoll, da Technologieunternehmen über ganz verschiedene Geschäftsmodelle, Produkte und Kunden verfügen. Damit spiegelt die Neuausrichtung der Indexanbieter nicht nur die gewachsene Bedeutung, sondern auch die hohe Bandbreite innerhalb der Technologiebranche besser wider.

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Deutliche Bewertungsunterschiede im Technologiebereich

Dass Tech nicht gleich Tech ist und Investoren zwischen den Geschäftsmodellen differenzieren müssen, zeigt auch ein Blick auf die Bewertungen innerhalb der „neuen Sektoren“ – beispielsweise in den USA, dem weltweit bedeutendsten Technologiemarkt. Der US-amerikanische Einzelhandelssektor inklusive hoch bewerteter Online-Händler ist dort mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 25 basierend auf den Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate vergleichsweise teuer. Unternehmen aus den Bereichen Medien und Unterhaltung oder Software und Dienstleistungen werden mit einem KGV von rund 20 beziehungsweise etwa 21 gehandelt. Halbleiter- sowie Hardwarehersteller sind mit einem KGV von rund 11 sowie etwa 13 vergleichsweise niedrig bewertet.

Dass die Bewertungen der dienstleistungsorientierten „New Tech“-Unternehmen höher ausfallen als die der produzierenden „Old Tech“-Unternehmen, liegt zum einen daran, dass die Marktteilnehmer für die „neuen“ Geschäftsfelder in den kommenden Jahren ein stärkeres Wachstum erwarten. Zum anderen können Social-Media-Anbieter und Co. in höherem Maße von Skaleneffekten profitieren – das heißt: Sie können ihr Geschäft mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz ausweiten. Wenn zum Beispiel ein Social-Media-Unternehmen seine Nutzerzahlen steigert, benötigt es im Grunde lediglich etwas mehr Serverkapazität. Wenn aber ein Hardwarehersteller die Produktion ausweitet, steigen damit auch die Produktionskosten. Möchten die Hersteller physischer Produkte mehr produzieren, als die Kapazitäten ermöglichen, können dafür sogar Investitionen in Maschinen, Arbeitskräfte oder ganze Produktionsstätten notwendig sein.

Investmentziele genau überprüfen

Für entsprechend risikobereite Anleger gilt es im Vorfeld eines Investments, die Geschäftsmodelle und Wachstumsmöglichkeiten der Unternehmen genau unter die Lupe zu nehmen. Denn auch nach der Neuklassifizierung des Technologiesektors fällt die exakte Zuordnung eines Unternehmens oft schwer – insbesondere, wenn es in unterschiedlichen Bereichen gleichzeitig tätig ist. Darüber hinaus sollten die potenziellen Risiken eines Techinvestments nicht außer Acht gelassen werden. Auf Firmen aus dem Halbleiter- und Hardwarebereich, die über internationale Wertschöpfungsketten vernetzt sind, kann sich insbesondere der globale Handelsstreit negativ auswirken. Für die Investoren von „New Tech“-Unternehmen gilt es hingegen, die Diskussionen um eine EU-weite Steuer auf digitale Dienstleistungen, mögliche Restriktionen aufgrund strengerer Datenschutzbestimmungen und weitere regulatorische Maßnahmen zu beachten. Aufgrund dieser Unsicherheiten ist auch im Jahr 2019 mit Kursschwankungen zu rechnen – nachdem insbesondere im zweiten Halbjahr 2018 einige Aktien von Unternehmen aus dem Bereich Digitalisierung unter Druck gerieten.

Ausblick für Technologieaktien weiterhin positiv – hohe Bandbreite lässt genaue Titelauswahl ratsam erscheinen.

Digitalisierung dürfte sich in allen Wirtschaftsbereichen fortsetzen

Langfristig scheint ein Investment in Unternehmen aus dem Technologiebereich aus Sicht der Deutschen Bank nach wie vor eine interessante Anlagemöglichkeit darzustellen. Nicht zuletzt, weil sich die Digitalisierung in der gesamten Wirtschaft weiter fortsetzen dürfte: In der Industrie, dem Finanzsektor sowie der Pharmabranche beispielsweise spielen Themen wie das Internet der Dinge, Automatisierung, Mobile Payment, Cybersecurity und Biotech bereits eine große Rolle und dürften in Zukunft immer wichtiger werden. Die Investitionen in die Digitalisierung werden über die nächsten Jahre wahrscheinlich weiter ansteigen, mit entsprechendem Gewinnpotenzial für Technologieunternehmen – und ihre Anleger.

Für die nächsten zwölf Monate erwartet die Analystengemeinde im US-Leitindex S&P 500 Steigerungen der Unternehmensgewinne von 12,1 Prozent im Sektor Software und Dienstleistungen, 10,0 Prozent in der Hardware- und 1,4 Prozent in der Halbleiterbranche, 14,1 Prozent für den Sektor Einzelhandel inklusive Online-Händler und 9,2 Prozent für den Bereich Medien und Unterhaltung. Aktuell erscheinen vor allem die Sektoren IT (Software, Hardware und Halbleiter) und zyklischer Konsum (u. a. Einzelhandel) nach den Kursrückgängen im Jahr 2018 interessant bewertet, während die Wachstumsmöglichkeiten im Kommunikationsdienstleistungssektor (u. a. Medien und Unterhaltung) weitgehend eingepreist sein dürften.



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Redaktionsschluss: 12.12.2018