Die wichtigsten Fakten:

  • Steigende Zinsen als Herausforderung für Rentenanleger
  • Anleihen können dennoch wichtigen Depotbestandteil darstellen
  • Flexibles Management scheint ratsam

Aus Anlegersicht ist die aktuell starke Weltkonjunktur ein zweischneidiges Schwert. Denn während sie an den globalen Aktienmärkten die Kurse treibt, sorgt sie am Anleihemarkt für zunehmende Herausforderungen: Angesichts des dynamischeren Wirtschaftswachstums dürften zum einen wichtige Zentralbanken wie die US-Notenbank Fed oder die Europäische Zentralbank die Normalisierung ihrer Geldpolitik weiter vorantreiben, zum anderen die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer zunehmen – und in der Konsequenz die Zinsen steigen. Das gilt sowohl für die Eurozone als auch für die USA: Im Bereich der 10-jährigen Bundesanleihen erwartet die Deutsche Bank zum Jahresende 2018 eine Verzinsung von knapp 1 Prozent (aktuell 0,72 Prozent). US-Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit könnten von derzeit 2,79 Prozent auf rund 3 Prozent klettern. Für Anleger, die über Staatsanleihen dieser Länder verfügen, würde diese Entwicklung Kursverluste bedeuten.

Warum Renteninvestments weiterhin sinnvoll scheinen

Wie können Anleger mit dieser Situation umgehen? Sollten sie aktuell einen großen Bogen um Staatsanleihen aus den Industriestaaten beziehungsweise Unternehmensanleihen machen oder können solche Investments nach wie vor sinnvoll sein? Als Einzelanlage scheinen entsprechende Anleihen im momentanen Marktumfeld tatsächlich wenig ratsam. Anders verhält es sich allerdings, wenn man die Anlageklasse im Portfoliokontext betrachtet: In einem breit aufgestellten Depot können vergleichsweise sichere Staatsanleihen und Unternehmensanleihen trotz der Herausforderungen eine bedeutende Rolle spielen.

Wie wichtig es ist, innerhalb der Geldanlage über verschiedene Anlageklassen zu diversifizieren, zeigte der US-Wirtschaftswissenschaftler Harry Markowitz: Bereits in den 1950er-Jahren entwickelte er die Moderne Portfoliotheorie, für die er 1990 zusammen mit zwei anderen Wissenschaftlern mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet wurde.

Markowitz‘ zentraler Gedanke dabei war, dass Vermögensanlagen nicht separat, sondern immer mit Blick auf das Gesamtportfolio betrachtet werden sollten. Im Fokus stehen dabei die Renditeerwartungen sowie die Schwankungsbreite als Risikoindikator – und besonders wichtig: die Korrelation, also inwiefern die Entwicklung einzelner Anlageklassen miteinander verbunden ist und ob sie sich tendenziell in die gleiche Richtung bewegen oder nicht. Denn ein Depot, in dem die Risiken und Renditemöglichkeiten der einzelnen Anlagen stark positiv miteinander korrelieren, lässt nicht zu, dass Verluste eines Investments durch andere Portfoliobestandteile abgefedert werden können. Auf Basis dieser Überlegungen gilt es, durch die passende Kombination von Wertpapieren das Gesamtportfolio mit Blick auf das jeweilige Risiko-Rendite-Profil abzustimmen.

Tägliche Kapitalmarkteinschätzung per E-Mail. Jetzt informieren

Anleihen mit Stabilisierungsfunktion

An dieser Stelle kommen Anleihen ins Spiel – denn zwischen diesen und zum Beispiel Aktien besteht eine niedrige Korrelation. Das heißt: Wenn die Aktienkurse sinken, ist das Rentensegment davon nicht zwangsläufig negativ betroffen. Im Gegenteil: In diesem Fall besteht sogar die Möglichkeit, dass hier die Kurse steigen, da Anleger Kapital vom Aktien- auf den Anleihemarkt umschichten könnten. Solch eine negative Korrelation, also eine gegenläufige Entwicklung der beiden Assetklassen, war von den 1960er-Jahren bis ins Jahr 2002 zu beobachten.

Vergleichsweise sichere Staatsanleihen können innerhalb des Depots damit eine wichtige Ausgleichsfunktion erfüllen. So verfügen Aktien zwar grundsätzlich über höheres Renditepotenzial als Anleihen, allerdings auch über eine größere Schwankungsbreite, sie sind also volatiler. Wenn ein Anleger bereit ist, diese Schwankungen sowie die damit verbundenen höheren Risiken auszuhalten, dann könnte er ausschließlich auf Unternehmensbeteiligungen setzen.

Um jedoch die Volatilität innerhalb des Gesamtportfolios zu verringern, kann sich grundsätzlich – abhängig von der persönlichen Risikobereitschaft des Anlegers – die Beimischung von stabileren Unternehmensanleihen guter Bonität oder als sicher geltenden Staatsanleihen anbieten.

Warum Anleihen trotz Herausforderungen ein wichtiges Element im Depot darstellen können.

Flexibles Management der Rentenanlagen scheint ratsam

Die Rentenseite innerhalb des Portfolios vielversprechend aufzustellen, könnte auf absehbare Zeit jedoch herausfordernder werden. Eine Kaufen-und-Halten-Strategie dürfte anders als in der Vergangenheit kaum noch ausreichen, um neben Stabilität interessante Erträge generieren zu können. Vielmehr könnte es sich anbieten, hier auf ein flexibles Management und eine aktive Laufzeitengestaltung zu setzen, um die Risiken zu steuern und die verbleibenden Renditemöglichkeiten optimal auszunutzen.



Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Jetzt anmelden

Anlagewissen

Redaktionsschluss: 01.02.2018