Die wichtigsten Fakten:

  • Nationaler Volkskongress legt Wachstumsziel fest
  • Umbau der Wirtschaft dürfte voranschreiten
  • Risiken lauern am Immobilienmarkt 

Rund um Peking mussten Anfang März zahlreiche Kraftwerke und Fabriken zeitweise die Produktion einstellen – denn der sonst so präsente Smog durfte in der chinesischen Hauptstadt einige Tage lang kein Thema sein. Der Grund: Die rund 3.000 Abgeordneten des Nationalen Volkskongresses trafen sich in Peking zu ihrer jährlichen Vollversammlung. Auch für Anleger lohnt sich ein Blick auf die Veranstaltung – wurde hier doch neben anderen wirtschaftspolitischen Entscheidungen auch das chinesische Wachstumsziel für das Jahr 2017 verkündet.

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China setzt seinen Umbau fort

Im vergangenen Jahr lag das angepeilte Wirtschaftswachstum zwischen 6,5 und 7 Prozent – und wurde mit einem Wachstum von 6,7 Prozent auch erreicht. In diesem Jahr soll die chinesische Wirtschaft mindestens um 6,5 Prozent zulegen – dem niedrigsten Wert seit 26 Jahren. Der angestrebte Wert spricht dafür, dass China seinen Umbau von der einstigen Werkbank der Welt hin zu mehr Binnenkonsum und nachhaltigerem Wachstum weiter vorantreiben dürfte. In diesem Zusammenhang sind auch die weiterhin angestrebte Schließung ineffizienter und hoch verschuldeter Staatsbetriebe sowie die Reduktion der Kapazitäten in der Schwerindustrie zu sehen. Gleichzeitig soll das Land vermehrt für ausländische Investitionen geöffnet werden.

Dynamik am Immobilienmarkt dürfte hoch bleiben

Eine entscheidende Rolle für das Erreichen des Wachstumsziels dürfte auch in diesem Jahr der Immobiliensektor spielen. Obwohl auf dem chinesischen Immobilienmarkt erste Anzeichen einer Blasenbildung erkennbar sind, fand dieser auf der Versammlung des Nationalen Volkskongresses keine Erwähnung. Damit sollte die Dynamik in diesem Bereich weiterhin hoch bleiben. Das dürfte zum einen zu einer anhaltend hohen Nachfrage nach Baumaterialien wie Stahl und Beton führen und zum anderen die Einnahmen der Lokalregierungen durch Landverkäufe sichern. Diese Einnahmen dürften wiederum in die Infrastruktur investiert werden und könnten somit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung des angestrebten Wachstumsziels leisten. So sollen beispielsweise rund 110 Mrd. Euro in den Ausbau des Schienennetzes investiert werden.

Der Umbau der chinesischen Wirtschaft geht weiter – Risiken lauern am Immobilienmarkt.

Regierung beschränkt Kreditvergabe

Ein wenig auf die Bremse tritt die chinesische Regierung hingegen bei der Kreditvergabe. So soll das Total Social Financing (TSF), das neben der Kreditvergabe durch Banken und andere Finanzinstitute auch Anleiheemissionen und die Aktienfinanzierung beinhaltet, im Jahr 2017 um 12 Prozent wachsen – und damit um einen Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Die Verlangsamung ist aber in erster Linie durch eine Eindämmung von Finanzrisiken im Bereich der Schattenbanken motiviert. Damit signalisiert die Regierung, dass sie die von vielen Marktteilnehmern diskutierten Risiken der hohen Kreditvergabe erkannt hat und bereit ist gegenzusteuern.

Chinas Regierung im Spannungsfeld

Kein Eingreifen in den Immobilienmarkt, leichtes Zurückfahren der Kreditvergabe: Dies zeigt, dass sich Chinas Regierung nach wie vor im Spannungsfeld zwischen Stabilität und Wachstum bewegt. Hinzu kommt, dass im Herbst 2017 der alle fünf Jahre stattfindende große Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas abgehalten wird. Dabei werden von Staatschef Xi Jinping fünf der sieben Posten im Politbüro der Kommunistischen Partei – dem zentralen Machtorgan – neu besetzt. Ein stotternder Wachstumsmotor käme im Vorfeld alles andere als gelegen.

Insgesamt scheint die wirtschaftliche Lage Chinas aktuell stabil und der Wandel weiter voranzuschreiten. Für entsprechend risikobereite Anleger könnte ein Investment in China als Depotbeimischung daher sinnvoll sein.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 14.03.2017