Die wichtigsten Fakten:

  • China will seine Anleihemärkte schrittweise öffnen
  • Vorgehen folgt dem Beispiel der Aktienmarktliberalisierung
  • Deutliches Zeichen für den fortschreitenden Wandel im Reich der Mitte

China ist ein Land der Superlative: Mit mehr als 1,3 Milliarden Menschen ist das Reich der Mitte der bevölkerungsreichste Staat der Erde, die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft, die größte Exportnation hinter Deutschland – und hat global betrachtet den drittgrößten nationalen Anleihemarkt nach den USA und Japan. Letzteres dürfte den meisten Anlegern bislang eher unbekannt gewesen sein. Und das ist kein Wunder: Denn der umgerechnet rund 9 Billionen Euro große Rentenmarkt galt bislang als kaum investierbar – weniger als 2 Prozent der chinesischen Anleihen werden derzeit von ausländischen Investoren gehalten. Zum Vergleich: In den USA sind es aktuell rund 40 Prozent.

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Wandel in China – auch an den Kapitalmärkten

Die Abschottung des chinesischen Anleihemarktes könnte jedoch bald der Vergangenheit angehören. Denn das asiatische Riesenreich befindet sich bereits seit Jahren in einem wirtschaftlichen Transformationsprozess – weg von der einstigen „Werkbank der Welt“ hin zu einer stärker serviceorientierten Konsumgesellschaft. Eingebunden in diesen Wandel sind zwangsläufig auch die Kapitalmärkte Chinas.

Im Zuge dessen wurde bereits im Jahr 2014 der für ausländische Investoren bis dato teilweise unzugängliche chinesische Aktienmarkt weiter geöffnet. Die als „Stock Connect“ bezeichnete Handelsbrücke zwischen der für ausländische Investoren zugänglichen Börse in Hongkong und den Festlandbörsen in Shanghai und Shenzhen (seit 2016) trug nach und nach Früchte: Seit Juni 2017 ist klar, dass im kommenden Jahr erstmals sogenannte A-Aktien, also Wertpapiere von Unternehmen, die in der chinesischen Währung Renminbi gehandelt werden, an den chinesischen Festlandbörsen Shanghai und Shenzhen im Schwellenländer-Leitindex MSCI Emerging Markets vertreten sein werden – verbunden mit entsprechenden potenziellen Kapitalflüssen ins Reich der Mitte.

Wandel im Reich der Mitte schreitet voran – schrittweise Liberalisierung des chinesischen Anleihemarktes beginnt.

Liberalisierung am Anleihemarkt

Nach dem Erfolg des „Stock Connect“ folgt nun fast drei Jahre später der erste Schritt zum „Bond Connect“ – also zur Anbindung der Anleihemärkte auf dem Festland an den Hongkonger Markt. Für den Handel wurden Anfang Juli 2017 zunächst 20 Finanzinstitute zugelassen – davon sechs ausländische. Diesen ist es nun gestattet, von Hongkong aus mit chinesischen Anleihen zu handeln, ohne eine Präsenz auf dem Festland aufbauen zu müssen. Auch wenn dies einer deutlichen Vereinfachung entspricht, dürfte eine umfassendere Liberalisierung der chinesischen Anleihemärkte aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Deutsche Bank rechnet aufgrund des nach wie vor vergleichsweise hohen administrativen Aufwands damit, dass die Kapitalzuflüsse in den chinesischen Anleihemarkt nur zögerlich zunehmen dürften.

Deutliches Signal für intakten Transformationsprozess

Ob die aktuell von der Deutschen Bank prognostizierten Zuflüsse von rund 700 Milliarden US-Dollar bis 2022 tatsächlich erreicht werden können, wird davon abhängen, ob der „Bond Connect“ in den kommenden Jahren einen ähnlich erfolgreichen Verlauf nimmt wie der „Stock Connect“. Entscheidend dürfte dabei sein, wann und in welchem Maße die wichtigen globalen Rentenindizes chinesische Anleihen in ihr Portfolio aufnehmen.

Ungeachtet dessen sendet jedoch bereits die bloße Einführung des „Bond Connect“ ein deutliches Signal an Investoren: Der Transformationsprozess Chinas scheint intakt und die Regierung treibt ihn entschieden voran. Die Deutsche Bank sieht sich dadurch in ihrer insgesamt positiven Einschätzung zur chinesischen Wirtschaftsentwicklung bestätigt und rechnet in absehbarer Zeit weiter mit einem global betrachtet weit überdurchschnittlichen Wachstum im Reich der Mitte.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 10.07.2017