Die wichtigsten Fakten:

  • Chinesische Aktien im Jahr 2018 bisher mit deutlichen Kursverlusten
  • Günstige Bewertungen könnten interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten
  • Ausblick für Papiere aus dem Reich der Mitte positiv

Es war bislang kein gutes Jahr für chinesische Aktien: Der Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI) verlor von Anfang 2018 bis zum 14.11.2018 aus Sicht eines Euroanlegers rund 1 Prozent. Noch größer als beim HSCEI, in dem Finanztitel hoch gewichtet sind, waren die Verluste im eher technologielastigen MSCI China. Dieser gab im selben Zeitraum sogar rund 12 Prozent nach. Trotz der jüngsten Kursverluste sind die Aussichten für chinesische Aktien nach Einschätzung der Deutschen Bank weiterhin positiv. Die zuletzt gesunkenen Bewertungen könnten für entsprechend risikobereite Anleger sogar interessante Einstiegsmöglichkeiten eröffnen.

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Direkte Belastung durch Handelsstreit vergleichsweise gering

Auch wenn es überraschen mag: Der Handelsstreit zwischen den USA und China spielt nur eine indirekte Rolle bei den jüngsten Kursverlusten im Reich der Mitte. Denn die Unternehmen des MSCI China erwirtschaften 84 Prozent ihrer Umsätze auf dem Heimatmarkt – das US-Geschäft macht lediglich rund 2 Prozent aus. Selbst wenn, wie von den USA angekündigt, sämtliche Importe aus China im Volumen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar ab 2019 mit Zöllen belegt werden sollten, dürfte der direkte Effekt auf die Umsätze eher gering ausfallen.

Sentiment belastet chinesische Aktien

Dass die Kurse in den vergangenen Monaten deutlich unter Druck gerieten, dürfte daher vielmehr auf die schlechte Investorenstimmung zurückzuführen sein: Dem Ausverkauf an den internationalen Aktienmärkten im Oktober konnten sich auch chinesische Papiere nicht entziehen. Hinzu kam, dass im selben Zeitraum der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Industrie mit 50,2 Punkten auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren fiel. Seit Anfang Oktober verloren der MSCI China und der HSCEI aus Sicht eines Euroanlegers 6 beziehungsweise 2 Prozent. Insbesondere Papiere aus den Branchen Konsumgüter, Technologie und Kommunikationsdienstleistungen gerieten unter Druck.

Chinesische Aktien günstig bewertet

Auch die jüngsten Bewertungsabschläge sprechen für einen vorwiegend stimmungsgetriebenen Abverkauf: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im MSCI China liegt auf Basis der Gewinnerwartungen für die nächsten zwölf Monate aktuell bei rund 10 und damit unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die Erwartungen der Analystengemeinde an die Unternehmensgewinne für die kommenden zwölf Monate stimmen mit +15 Prozent hingegen optimistisch.

Nach jüngsten Kursverlusten: Deutsche Bank sieht Kurspotenzial für chinesische Aktien.

Für entsprechend risikobereite Anleger, die eine Verbesserung der Börsenstimmung erwarten, könnten sich dadurch interessante Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Zumal eine – von der Regierung in Peking gewollte und gesteuerte – moderate Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr bereits ebenso in den Kursen eingepreist zu sein scheint wie die Unsicherheit bezüglich des US-amerikanisch-chinesischen Handelsstreits. Eine Annäherung der beiden Parteien im Rahmen des G-20-Gipfels am 29. November könnte demzufolge für eine spürbare Entspannung sorgen.

Geld- und fiskalpolitische Maßnahmen dürften Kurse stützen

Zusätzliches Vertrauen in den chinesischen Aktienmarkt sollten die jüngst von der Regierung beschlossenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen schaffen. Nachdem beispielsweise die Finanzierungskonditionen in der ersten Jahreshälfte 2018 restriktiver gestaltet worden waren, um einer Überhitzung der Wirtschaft entgegenzuwirken, wurden sie seit dem Sommer zugunsten einer Stabilisierung des Wachstums wieder gelockert. Ebenfalls gute Nachrichten für chinesische Konzerne sind die ab dem 1. Januar 2019 geltenden Steuererleichterungen: Durch eine Senkung der Einkommensteuer soll die Bevölkerung im kommenden Jahr um rund 500 bis 600 Milliarden Renminbi entlastet werden – was umgerechnet 64 bis 76 Milliarden Euro entspricht. Das könnte dem Binnenkonsum im Reich der Mitte weitere Impulse geben.

Interessante Investmentmöglichkeiten am chinesischen Aktienmarkt

Trotz der Herausforderungen bleibt die Deutsche Bank bei ihrem positiven Ausblick für 2019 und erwartet ein Wirtschaftswachstum von über 6 Prozent, was sich auch in den Kursentwicklungen widerspiegeln dürfte. Dennoch sollten Anleger bei Investitionen am chinesischen Aktienmarkt die makroökonomischen Entwicklungen im Blick haben. Der Oktober zeigte, dass eine Eintrübung der Stimmung oder Zweifel am Wachstum der chinesischen Wirtschaft zu großen Kursschwankungen führen können. Aus Sicht der Deutschen Bank gibt es aktuell zwei hervorzuhebende Risiken. Zum einen hat sich die Nachfrage nach Grundflächen zuletzt eingetrübt. Durch sinkende Landverkäufe steht den Lokalregierungen weniger Geld für beispielsweise Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung. Gleichzeitig könnten die Immobilieninvestitionen sinken. Zum anderen dürften durch die angekündigten Zölle seitens der USA die Exporte dorthin im Jahr 2019 im Jahresvergleich um bis zu 20 Prozent fallen. Spannend wird daher, ob der Handelsstreit die nächste Eskalationsstufe erreicht oder ob es zu der erwarteten Annäherung kommt.

Vor dem Hintergrund der konjunkturstützenden Maßnahmen der chinesischen Regierung, solider Unternehmensdaten und günstiger Bewertungen bleiben chinesische Aktien aus Sicht der Deutschen Bank ein interessantes Investmentziel. Das gilt insbesondere für Papiere aus konjunkturabhängigen Branchen, etwa aus dem Banken- oder Grundstoffsektor.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 16.11.2018