Die wichtigsten Fakten:

  • Lange verfolgten die Notenbanken weltweit eine klar expansive Geldpolitik
  • Mittlerweile hat sich der Wind gedreht – restriktivere Signale nehmen zu
  • Anleger sollten mit erhöhten Marktschwankungen rechnen

Über die Politik der weltweit bedeutenden Notenbanken konnte man sich in den vergangenen Jahren trefflich streiten: Die einen sahen sie außer Kontrolle geraten, die anderen erachteten sie als Voraussetzung für eine wirtschaftliche Erholung nach der Finanzkrise. So unterschiedlich diese Positionen waren, so klar war für lange Zeit der geldpolitische Kurs von Fed, EZB und Co.: stramm expansiv, gekennzeichnet durch sinkende Leitzinsen und unorthodoxe Maßnahmen wie dem massenweisen Ankauf von Staatsanleihen – mit dem Ergebnis, dass die Zinsen an den Kapitalmärkten lange Zeit auf sehr niedrigem Niveau verharrten.

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Umfeld für Notenbanken hat sich geändert

Aus Sicht der Notenbanken war diese Entwicklung zwangsläufig, denn sowohl das Wirtschaftswachstum als auch die Inflation – also die beiden Haupttreiber für ihre Politik – lagen darnieder und bedurften neuer Impulse. Mittlerweile hat sich das globale Umfeld jedoch verändert: Die Konjunktur zieht bereits seit einiger Zeit wieder deutlicher an und auch die Teuerungsraten bewegen sich langsam in die gewünschte Richtung. Folgerichtig passten die Notenbanken ihre Politik in den vergangenen Monaten an die neuen Verhältnisse an: Mit den Leitzinserhöhungen der US-Notenbank und den Ankündigungen der EZB hinsichtlich eines möglichen Ausklingens ihrer Anleihekäufe stehen die Zeichen derzeit wieder auf eine Einengung der Geldpolitik. Ist das der Beginn einer geldpolitischen Kehrtwende – inklusive steigender Kapitalmarktzinsen?

Zusätzliche Einflussfaktoren drängen in den Fokus

Statt einer abrupten Wende um 180 Grad sieht die Deutsche Bank derzeit eher Signale für eine allmähliche Kursänderung der Notenbanken. Und wie bei allen maßgeblichen Richtungsentscheidungen wird es dabei nicht immer mit konstanter Geschwindigkeit geradeaus gehen können. Zumal neben dem Wirtschaftswachstum und der Inflation weitere Faktoren in den Vordergrund drängen, die zunehmend den geldpolitischen Spielraum der Notenbanken einengen beziehungsweise erweitern könnten. Das betrifft zum Beispiel die Verschuldung der Unternehmen oder die Lage an den Immobilienmärkten. So hob beispielsweise die Bank of Canada am 12. Juli dieses Jahres ihren Leitzins von 0,5 auf 0,75 Prozent an, obwohl im Mai die Teuerungsrate in Kanada gerade einmal 1,3 Prozent betragen hatte. Grund für diese erste Zinserhöhung seit sieben Jahren dürften neben der Orientierung an der Geldpolitik der USA auch die überhitzten Immobilienmärkte in Vancouver oder Toronto gewesen sein. Denn steigende Zinsen sollten die Kreditnachfrage und damit die Preise für Wohnungen und Häuser dämpfen.

Allmählicher Kurswechsel der Notenbanken stellt Anleger vor neue Herausforderungen.

Notenbanken mit angepasstem Tempo

An den Kapitalmärkten muss in den kommenden Monaten aufgrund der neuen Vielzahl von externen Einflussfaktoren mit wechselnden geldpolitischen Geschwindigkeiten gerechnet werden. Die Notenbanken dürften je nach Bedarf ihr Tempo drosseln oder aufs Gaspedal treten – ihren eingeschlagenen restriktiveren Kurs nach Einschätzung der Deutschen Bank jedoch nicht verlassen. Das sollte mittelfristig weiter zu moderat steigenden Kapitalmarktzinsen führen.

Flexibilität im Portfolio

Für Anleger erscheint es insgesamt ratsam, sich auf stärkere Marktschwankungen einzustellen. Dafür könnte es sich anbieten, das eigene Portfolio möglichst flexibel aufzustellen, um auf kurzfristige Entwicklungen schnell reagieren zu können. Erst wenn die externen Einflussfaktoren eine einheitlichere Sprache sprechen, dürften auch die Notenbanken wieder mit konstanterer Geschwindigkeit unterwegs sein.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 14.07.2017