Die wichtigsten Fakten:

  • Deutsche Wirtschaft aktuell in Fahrt
  • Unternehmen blicken positiv in die Zukunft
  • Aktienmarkt könnte weiteres Kurspotenzial bieten

Noch zu Beginn des Jahres war der Ausblick für die deutsche Wirtschaft eher verhalten: Der Schock über die Brexit-Entscheidung der Briten saß tief, in einigen Kernstaaten der Eurozone standen wegweisende Wahlen an und der neue US-Präsident Donald Trump liebäugelte unverhohlen mit mehr Protektionismus. Fast ausnahmslos prophezeiten Ökonomen der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt ein herausforderndes Jahr 2017. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, kurz die fünf „Wirtschaftsweisen“ genannt, rechnete für Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von moderaten 1,3 Prozent.

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Wachstumsprognosen für Deutschland angehoben

Im weiteren Jahresverlauf erwiesen sich die Prognosen jedoch zunehmend als zu pessimistisch. Denn die befürchteten Risiken traten nicht oder nur in geringerem Maße ein und die globale Konjunktur entwickelte sich dynamischer als erwartet. Damit hellten sich in den vergangenen Monaten auch die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich auf: Die Deutsche Bank hob ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2017 auf 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Die fünf „Wirtschaftsweisen“ rechnen für das Jahr 2017 mittlerweile sogar mit einem Plus von 2,0 Prozent. Jüngste Zahlen untermauern diese Prognosen: So ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 3. Quartal um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen und hat damit die Markterwartung von 0,6 Prozent deutlich übertroffen. Im Vorjahresvergleich hat das Wirtschaftswachstum kalenderbereinigt sogar um 2,8 Prozent zugelegt.

Starke Konjunktur treibt Aktienkurse

Zu diesen neuen Einschätzungen trug nicht nur bei, dass die deutsche Wirtschaft aufgrund ihres Exportfokus in hohem Maße von der guten Lage der Weltwirtschaft profitiert. Auch der Binnenmarkt präsentiert sich derzeit solide. Das belegen unter anderem die Einzelhandelsumsätze, welche im September nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes preisbereinigt rund 4,1 Prozent höher lagen als im Vorjahresmonat.

Dieses insgesamt positive konjunkturelle Umfeld schlägt sich auch in der Kursentwicklung am deutschen Aktienmarkt nieder: Der Leitindex Dax knackte im Oktober dieses Jahres erstmals in seiner Geschichte die Marke von 13.500 Punkten. Obwohl er diese Marke nicht nachhaltig verteidigen konnte, dürfte sich der Aufwärtstrend weiter fortsetzen.

Gute Stimmung in Deutschlands Unternehmenszentralen

Wie gut die Stimmung in den deutschen Unternehmen derzeit ist, lässt sich beispielsweise an wichtigen wirtschaftlichen Frühindikatoren ablesen. Der Einkaufsmanagerindex für den deutschen Dienstleistungssektor etwa lag im November bei 54,9 Punkten. Für das Verarbeitende Gewerbe waren es sogar 62,5 Punkte. Beide Werte befinden sich damit deutlich über der Schwelle von 50 Punkten, was auf eine weitere Ausweitung der wirtschaftlichen Aktivität hindeutet. Darüber hinaus hat mit dem ifo Geschäftsklimaindex der wichtigste deutsche Frühindikator im November 2017 mit 117,5 Punkten einen neuen Rekordwert erreicht.

Optimismus in Deutschlands Konzernzentralen – konjunkturelle Dynamik dürfte weiterhin hoch bleiben.

Aufschwung auf einer breiten Basis

Bemerkenswert dabei ist, dass der Wirtschaftsaufschwung auf einer breiten Basis zu fußen scheint – und zwar sowohl mit Blick auf unterschiedliche Unternehmensgrößen als auch Branchen. Laut aktuellem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ist das Geschäftsklima für den deutschen Mittelstand so gut wie nie zuvor, während es bei den Großunternehmen seinen Rekordwert aus dem Jahr 2010 erreicht. Damit kletterte die Stimmung bei Mittelständlern und Großunternehmen nach Dezember 2006 und Dezember 2010 erst zum dritten Mal überhaupt gleichzeitig auf neue Allzeithochs – sie liegt heute im Vergleich zu damals allerdings auf teils deutlich höheren Niveaus. Auffällig dabei ist zudem, dass sich die gute Stimmung quer durch alle Sektoren zieht, sei es Industrie, Baubranche oder Einzelhandel.

Lohndruck könnte zunehmen

Am deutschen Arbeitsmarkt manifestiert sich die überraschend gute konjunkturelle Lage in einer sinkenden Arbeitslosenquote: Im Oktober dieses Jahres wurden erstmals seit der Wiedervereinigung weniger als 2,4 Millionen Arbeitslose vermeldet. In diesem Umfeld könnten die zu Beginn des kommenden Jahres anstehenden Tarifverhandlungen der bislang eher verhaltenen Lohnentwicklung in Deutschland einen zusätzlichen Schub verleihen – was den Konsum sowie die Preisentwicklung treiben und sich zusätzlich stützend auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken könnte. Dies gilt jedoch unter der Voraussetzung, dass die Inflation nicht zu stark anzieht.

Deutscher Aktienmarkt als mögliches Investmentziel

Insgesamt erscheinen die Aussichten für die deutsche Wirtschaft und damit auch den deutschen Aktienmarkt also weiterhin vielversprechend – trotz potenzieller Belastungsfaktoren wie geopolitischen Risiken, einem vergleichsweise starken Euro oder dem Konflikt um die Unabhängigkeit Kataloniens. Die durch den überraschenden Abbruch der Jamaika-Sondierungsgespräche entstandenen Unsicherheiten dürften sich in den Stimmungsindikatoren zwar niederschlagen, die deutsche Konjunktur insgesamt aber kaum belasten. Für entsprechend risikobereite Anleger könnten sich daher breit gestreute Investments in deutsche Aktien anbieten.



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Redaktionsschluss: 24.11.2017