Die wichtigsten Fakten:

  • Kapitalmärkte 2018 von starken Schwankungen geprägt
  • Insbesondere Aktienkurse gerieten zum Teil stark unter Druck
  • 2019 weitere Herausforderungen – aber auch interessante Anlagemöglichkeiten

2018 war ein wechselhaftes und stark politisch geprägtes Kapitalmarktjahr. Beherrschte zum Jahresanfang noch die Angst vor einer drohenden Überhitzung der Wirtschaft die Debatten, machten sich Investoren zum Jahresende vermehrt Sorgen um einen konjunkturellen Abschwung – die Kursabschläge in vielen Marktsegmenten preisen mittlerweile sogar eine bevorstehende Rezession ein. Die hohe Schwankungsintensität an den teilweise verkürzten Weihnachtshandelstagen an den US-Börsen war Ausdruck der gestiegenen Verunsicherung.

Das schwache und schwankungsreiche Schlussquartal zog die globalen Aktienmärkte insgesamt ins Minus und führte regional zu einigen Rekorden. In den USA beispielsweise verzeichneten die bedeutenden Indizes S&P 500, Dow Jones und NASDAQ an Heiligabend mit einem Kursverlust von jeweils mehr als 2 Prozent den stärksten jemals ermittelten Tagesrückgang an Weihnachten. Am darauffolgenden Handelstag, dem 26. Dezember, erzielten sie dann mit bis zu 6 Prozent die historisch größten Weihnachts-Tagesgewinne. Auch einen Tag später nahmen die Schwankungen nicht ab: Der S&P 500 beispielsweise lag am 27. Dezember zwischenzeitlich mit mehr als 2,8 Prozent im Minus und schloss den Handelstag mit knapp 1 Prozent im Plus – die größte Tagesaufholjagd seit 2010. Letztlich war es der schwächste Dezember für US-Aktien seit 1931 und das schlechteste Aktienmarktjahr seit 2008.

Kapitalmarktrückblick 2018: Was die Kurse schwanken und die Märkte teilweise abstürzen ließ.

Hintergrund der erhöhten Volatilität zum Jahresende war unter anderem die heftige Kritik von US-Präsident Donald Trump an der US-Notenbank Federal Reserve, die er am Heiligabend via Twitter als „das einzige Problem“ der US-Wirtschaft bezeichnete. Gleichzeitig zeigte er sich von den US-Unternehmen weiter überzeugt: Mit „Buy the Dip“ – übersetzt in etwa „Kaufe Aktien nach Kursverlusten“ – forderte er aktiv zum Aktienkauf auf. Zuvor scheiterte US-Finanzminister Steven Mnuchin noch damit, verunsicherte Investoren zu beruhigen: Er erklärte, dass die Finanzindustrie über ausreichend Liquidität verfüge, um sämtliche Wirtschaftsbereiche mit Krediten zu versorgen. In Anbetracht solider Konsumdaten nahmen einige Investoren die Kursrückschläge zunehmend als übertrieben wahr, wodurch die US-Indizes nach Weihnachten wieder auf die Beine kamen. Dem Bericht eines Kreditkartenanbieters zufolge kauften US-Kunden für rund 850 Milliarden US-Dollar im Feiertagsgeschäft ein. Auch Versandhändler sprachen von einem Rekordverkauf. Die Liste der Gewinneraktien am zweiten Weihnachtsfeiertag führten folglich Einzelhandelsunternehmen an.

Trotz der Weihnachtsrally konnten die hohen Erwartungen an das Aktienmarktjahr 2018 nicht erfüllt werden. Und das nicht nur in den USA: Rund um den Globus mussten Aktienindizes zum Teil Verluste von mehr als 20 Prozent hinnehmen und befinden sich so per Definition sogar in einem Bärenmarkt. Auch andere Kapitalmärkte gerieten unter Druck – aus zum Teil ganz unterschiedlichen Gründen.

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Globale Aktien (Industrieländer) / MSCI World in Euro

Insgesamt das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise 2008: Globale Aktien litten unter politischen Risiken, die zu Jahresbeginn in diesem Ausmaß nicht erwartet worden waren. Das betrifft insbesondere den Handelskonflikt zwischen den USA und China, den Brexit und den Budgetstreit in Italien. Hinzu kam der zwischenzeitlich starke Abverkauf bei Technologieaktien. Immerhin konnten Euroanleger von der Euroschwäche profitieren. Trotz einer US-Dollar-Aufwertung von knapp 5 Prozent zogen die Turbulenzen im
vierten Quartal den MSCI World aus Eurosicht jedoch ins Minus

Aktien Deutschland / DAX

Die Wertentwicklung des mit 30 Titeln wenig diversifizierten deutschen Leitindex gehörte 2018 zu den schlechtesten weltweit. Die exportstarken und global vernetzten Unternehmen reagierten sensibel auf die zunehmenden Risiken für den Welthandel. Hinzu kamen interne Belastungen wie die Schwäche einzelner DAX-Schwergewichte und die Risiken der Autoindustrie. Die Gewinnerwartungen wurden entsprechend deutlich nach unten revidiert: Nach –5,2 Prozent für das Jahr 2018 erwartet die Analystengemeinde aktuell ein Plus von 10,9 Prozent für das Jahr 2019. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate ist auf 10,9 gesunken.

Aktien Europa / Stoxx 600

Europäische Aktien waren aufgrund „hausgemachter“ Belastungsfaktoren (Brexit, Italien, Unsicherheit bezüglich der Haushaltssituation in Frankreich) und Entwicklungen „in der Ferne“ (Handelskrieg) besonders stark vom Abverkauf betroffen. Nach einer passablen Entwicklung in den ersten neun Monaten des Jahres wogen die Verluste im vierten Quartal schwer. Dabei präsentierten sich die Aussichten für die Unternehmen deutlich stabiler als die Kurse: In den letzten drei Monaten des Jahres senkte die Analystengemeinde ihre Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate nur um rund 2 Prozent. Resultat: Das KGV liegt derzeit bei niedrigen 12,1.

Aktien USA / S&P 500 in Euro

Der schwächste Dezember seit 1931 (–9,2 Prozent in US-Dollar) und das schwächste Jahr seit 2008 (–6,2 Prozent in US-Dollar) – trotz eines Gewinnwachstums von mehr als 20 Prozent. Aus Eurosicht kämpfte der US-Markt immerhin mit der Nulllinie. Im ersten Quartal ging der Zinsanstieg – 10-jährige US-Staatsanleihen kletterten von rund 2,4 auf knapp 3 Prozent – einigen Anlegern zu schnell. Die Schwäche im Technologiesektor belastete die Stimmung im vierten Quartal zusätzlich. Ergebnis des schwachen Börsenjahres: Das KGV auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden zwölf Monate liegt derzeit bei 14,5, was für ertragsstarke US-Unternehmen im historischen Vergleich niedrig ist.

Aktien Japan / Topix in Yen

Japanische Unternehmen gelten als exportstark und sind daher im Allgemeinen Profiteure eines florierenden Welthandels. Entsprechend belastete die Handelspolitik der USA, die den Fortbestand internationaler Wertschöpfungsketten infrage stellt, japanische Aktien überdurchschnittlich stark. Besonders deutlich wurde dies im vierten Quartal. Diskussionen um ein mögliches Ende der ultralockeren Geldpolitik und entsprechend weniger Aktienkäufe durch die Bank of Japan drückten ebenfalls auf die Stimmung.

Aktien Schwellenländer / MSCI Emerging Markets in Euro

Indexgewichtung in Prozent: China 31, Südkorea 14, Taiwan 11, Indien 9. Regionale Hauptherausforderungen im Jahr 2018: Sorgen um das Wirtschaftswachstum und den Handelsstreit mit den USA in China, Verunsicherungen hinsichtlich globaler Wertschöpfungsketten vor allem im Bereich Hardware und Halbleiter in Südkorea und Taiwan sowie die Währungsschwäche der Rupie durch den US-Zinsanstieg und Sorgen um Reformfortschritte in Indien. Die Schwellenländermärkte setzten ihren negativen Trend im Jahr 2018 insgesamt fort und lagen jedes Quartal im Minus. Beim Wirtschafts- und Gewinnwachstum (+5 Prozent beziehungsweise +12 Prozent) waren die Probleme dagegen nicht sichtbar.

Aktien Asien / MSCI Asia ex Japan in Euro

Liegt die Zukunft in Asien? 2018 kamen bei vielen Investoren offensichtlich Zweifel daran auf, zumindest was das Tempo und die Nachhaltigkeit des Wirtschaftswachstums angeht. Die Anlegerstimmung für die Region wurde vor allem durch den Handelsstreit zwischen den USA und China getrübt. Dabei befindet sich China bereits seit einiger Zeit wieder im „Easing-Modus“, stützt seine Wirtschaft also mit fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen. Aber Steuererleichterungen und diverse Zinssatzsenkungen zeigten bisher kaum Wirkung am Aktienmarkt. Das schwache vierte Quartal an Asiens Aktienmärkten hinterließ deutlich negative Spuren in vielen Portfolios.

Renten Euro / Euro-Staatsanleihen

Die Prognose eines Zinsanstiegs bei 10-jährigen deutschen Staatsanleihen Richtung 1 Prozent bewahrheitete sich nicht. Stattdessen lag die Verzinsung zum Jahresende bei 0,24 Prozent. Trotz des Renditeanstiegs in Italien – für 10-jährige Staatspapiere von 2,1 auf 2,8 Prozent – konnten Anleger mit Euro-Staatsanleihen Geld verdienen. Das lag daran, dass im ersten Quartal noch kein „Stress“ in Bezug auf Italien sowie kaum Zinsanstiege bei deutschen Staatsanleihen zu beobachten waren und im vierten Quartal eine Entspannung im italienischen Budgetstreit sowie eine gesteigerte Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen einsetzte.

Renten US-Dollar / US-Staatsanleihen in Euro

Aus Eurosicht lagen US-Staatsanleihen 2018 insgesamt im Plus, was vor allem mit der Währungsentwicklung zu tun hatte. Nachdem im ersten Quartal der Zinsanstieg in den USA und die Entwicklung des Euro/US-Dollar-Wechselkurses den Markt noch belasteten, sorgte ein stärkerer US-Dollar im zweiten Quartal für Rückenwind. Ein zwischenzeitlicher Anstieg der Verzinsung von 10-jährigen US-Staatsanleihen auf mehr als 3 Prozent führte zwar erneut zu einer temporären Belastung. Die sinkenden Zinsen im Zuge der Unsicherheiten um die Weltwirtschaft führten dann jedoch wieder zu positiven Kursentwicklungen am US-Anleihemarkt.

Renten Schwellenländer / Lokalwährungsstaatsanleihen in Euro

2018 war der Markt für Lokalwährungsanleihen aus den Schwellenländern dreigeteilt: bis Anfang April relativ stabil, dann schwach bis Anfang September und seitdem deutlich positiver. Vor allem der Rückgang in der Verzinsung von US-Staatsanleihen nahm im vierten Quartal Druck von den Schwellenländerpapieren. Die EMEA-Region (Europa, Naher Osten, Afrika) entwickelte sich im Jahresverlauf insgesamt schwach, mit deutlichen Einbußen bei der Wertentwicklung türkischer und russischer Anleihen. In Euro schlossen Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer nach der Erholung im vierten Quartal leicht im Plus.

Öl / Brent in US-Dollar

Die Rohölpreise sanken auf Jahressicht zum ersten Mal seit 2015, nachdem Anfang Oktober 2018 noch ein Vierjahreshoch erreicht wurde. Die US-Ölsorte WTI schloss das Jahr bei etwas unter 50 US-Dollar pro Barrel ab, während europäisches Brent-Öl über der 50-US-Dollar-Marke notierte. Insgesamt zeigte sich die Ölnachfrage über das Jahr hinweg stabil. Für Unsicherheiten sorgte jedoch die Produktionsseite, etwa durch die OPEC-Diskussion über mögliche Förderkürzungen oder die Tweets von US-Präsident Donald Trump zur Ölproduktion Saudi-Arabiens und den Iran-Sanktionen.

US-Dollar / EUR/USD-Wechselkurs

Der Euro gab 2018 gegenüber dem US-Dollar insgesamt um 5 Prozent nach. Nachdem der Wechselkurs im ersten Quartal noch von 1,20 auf mehr als 1,25 gestiegen war, belasteten danach vor allem die politischen Entwicklungen um Italien und den Brexit die europäische Gemeinschaftswährung. Aufgrund der höheren US-Zinsen stützten Kapitalflüsse in den US-Dollar die Weltleitwährung zusätzlich. Am Ende des Jahres stand der EUR/USD-Kurs bei 1,15. Die Diskussionen um die Haushalts- und Leistungsbilanzdefizite der USA haben sich somit noch nicht in einer US-Dollar-Schwäche niedergeschlagen.

Blick nach vorne

Das Jahr 2018 war turbulent und auch 2019 warten Herausforderungen auf Anleger und Investoren. Wenngleich sich einzelne Daten und Prognosen jederzeit ändern können, hält die Deutsche Bank grundsätzlich an ihrem Jahresausblick für 2019 fest: Die Kapitalmärkte bieten auch weiterhin interessante Investitionsmöglichkeiten.



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Redaktionsschluss: 03.01.2019