Die wichtigsten Fakten:

  • Risiken durch Cyberkriminalität steigen
  • Auf Cybersicherheit spezialisierte Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten
  • Entsprechend risikobereite Anleger können davon profitieren

Viele werden sich noch an die Zeit erinnern, als man sich entscheiden musste: Telefonieren oder online gehen – beides gleichzeitig war meist nicht möglich, da sich beide Funktionen eine Leitung teilten. Das änderte sich im Juli 1999, als die ersten DSL-Anschlüsse für Privatkunden in Deutschland geschaltet wurden. Plötzlich war es kein Problem mehr, beim Telefonieren zu surfen. Gleichzeitig luden die Daten aus dem Internet deutlich schneller auf den heimischen Rechner. Seither sind die Übertragungsraten immer weiter gestiegen und das Internet ist längst allgegenwärtig: Viele Milliarden Smartphones und PCs sind permanent mit dem World Wide Web verbunden, Bankgeschäfte werden online erledigt, Informationen gesucht und Musik oder Videos gestreamt. Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G werden in Zukunft noch deutlich schnellere Datentransfers möglich sein. Die Menge an Daten, die jede Sekunde erzeugt und verarbeitet wird, ist heute bereits enorm und dürfte auf absehbare Zeit weiter steigen. Laut einer Studie des IT-Marktbeobachtungshauses IDC soll das weltweit jährlich produzierte Datenvolumen von 33 Zettabyte im Jahr 2018 bis 2025 auf 175 Zettabyte wachsen. Würde man diese Datenmenge auf DVDs speichern, wäre der Stapel rund 23-mal so groß wie die Entfernung zwischen Mond und Erde. Immer mehr Geräte werden beispielsweise künftig miteinander verbunden sein und online kommunizieren. Dieses sogenannte Internet der Dinge wird sowohl auf privater Ebene als auch aufseiten der Unternehmen wachsen – Stichwort Industrie 4.0. Der Informationsdienstleister IHS Markit schätzt, dass die Anzahl vernetzter Geräte weltweit von heute rund 20 Milliarden bis 2025 auf über 70 Milliarden zunimmt. Dazu kommt eine wachsende Zahl von Smartphonenutzern.

Risiken durch Cyberkriminalität nehmen zu – gute Wachstumsaussichten für Unternehmen aus dem Bereich Cybersicherheit

Immer mehr Einfallstore für Cyberkriminelle

Die steigende Vernetzung und stetig wachsenden Datenmengen können privat für mehr Komfort und wirtschaftlich für mehr Produktivität sorgen. Gleichzeitig bieten sie jedoch auch mehr Einfallstore für Cyberkriminelle. In den USA beispielsweise gab es 2005 „nur“ 157 Millionen Hackerangriffe – zwölf Jahre später waren es bereits mehr als 1,5 Milliarden. Besonders aufsehenerregend: Im Mai 2017 infizierte der Virus „WannaCry“ mehr als 200.000 Rechner weltweit und sperrte die darauf gespeicherten Daten. Alles, was die Nutzer auf dem Bildschirm noch sahen, war eine „Lösegeldforderung“: digitales Geld gegen Freigabe des Systems. Betroffen waren nicht nur Computer von Privatpersonen: Unternehmen mussten ihre Produktion herunterfahren, staatliche Stellen gehörten ebenfalls zu den Opfern. Das Ausspähen von Kundendaten sowie sogenannte Ransomware wie WannaCry sind jedoch bei Weitem nicht die einzigen digitalen Risiken. Für Privatanwender sowie Unternehmen gilt es daher, sich gegen Industriespionage sowie -sabotage zu schützen. Darüber hinaus sind kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke oder die Wasserversorgung potenzielle Ziele von Hackern. Gleiches gilt für staatliche Stellen wie Behörden, Ministerien bis hin zur möglichen Manipulation von Wahlen.

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Schäden durch Cyberkriminalität steigen

In Deutschland gaben in einer aktuellen Befragung des Digitalverbandes Bitkom knapp 70 Prozent der Industrieunternehmen an, in den Jahren 2016 und 2017 Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl gewesen zu sein. Der dadurch entstandene Schaden für die deutsche Industrie laut Bitkom: rund 43,4 Milliarden Euro. Global betrachtet belief sich der durch Cyberkriminalität verursachte Schaden 2017 laut einer Studie des Cybersicherheits-Unternehmens McAfee auf 600 Milliarden US-Dollar, das entsprach 0,8 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts – Tendenz steigend.

Markt für Cybersicherheitslösungen mit Wachstumspotenzial

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung wird es daher immer wichtiger, sich gegen Cyberkriminalität abzusichern. Denn im Falle erfolgreicher Hackerangriffe drohen Unternehmen nicht nur Produktionsausfälle oder der Verlust geistigen Eigentums, sondern auch Reputationsschäden – etwa beim Diebstahl von Kundendaten. Die Unternehmen weltweit investieren daher zunehmend in die Sicherheit ihrer digitalen Infrastrukturen: Die Unternehmensberatung Gartner rechnet damit, dass die weltweiten Ausgaben der Unternehmen für Cybersicherheit 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 Prozent auf 124 Milliarden US-Dollar steigen werden. Das Research-Unternehmen Global Market Insights prognostiziert für 2024 ein Marktvolumen von mehr als 300 Milliarden US-Dollar.

Zahlreiche interessante Investmentziele

Unternehmen, die entsprechende Lösungen für die Cybersicherheit anbieten, dürften daher über interessante Wachstumsaussichten verfügen. Nicht umsonst stößt das Thema bei Investoren auf verstärktes Interesse: Seit Jahresbeginn haben sich Aktien aus diesem Bereich 11 Prozent besser entwickelt als der globale Technologiesektor – ein Trend, der sich aufgrund der weiter steigenden Bedeutung von Cybersicherheitslösungen fortsetzen könnte. Für entsprechend risikobereite Anleger könnte sich daher ein Investment in aussichtsreiche Unternehmen aus der Branche anbieten. Hier steht eine ganze Bandbreite interessanter Investitionsziele zur Verfügung. Denn aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und der steigenden Komplexität der digitalen Systeme wird ihr Schutz immer aufwendiger. Aus dem privaten Bereich bekannte Firewalls und Virenscanner reichen bei Weitem nicht aus, um eine weitgehend automatisierte Produktionshalle vor Cyberkriminellen zu schützen. Daher haben Unternehmen beispielsweise spezielle sogenannte IIOT Shields entwickelt (Industrial Internet of Things Shields, deutsch: Schilde für das industrielle Internet der Dinge). Gleiches gilt für komplexe Cloud-Umgebungen, für die es ebenfalls spezieller Sicherheitslösungen bedarf. Darüber hinaus arbeiten zahlreiche Unternehmen an Prozessen, um dem Privatanwender bessere Kontrolle über seine persönlichen Daten zu bieten, etwa durch optimierte Log-in-Prozesse.

US-Cybersicherheitsunternehmen mit starker Marktstellung

Regional könnten dabei die USA im Anlagefokus stehen: Die US-Sicherheitsspezialisten haben aktuell einen technologischen Vorsprung bei Lösungen für gewachsene IT-Infrastrukturen und bieten ihren Kunden Sicherheitsmanagementprodukte, die sowohl herkömmliche Rechenzentren, Cloud-Anbieter als auch mobile Endgeräte schützen können. Aber auch beispielsweise in Israel lassen sich Investmentziele aus diesem Bereich finden. Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass auf den Megatrend Cybersecurity spezialisierte Unternehmen eine interessante Beimischung im Depot darstellen können. Neben der klassischen Direktinvestition sind in diesem Kontext aktiv gemanagte Investmentfonds oder Zertifikatestrukturen denkbare Möglichkeiten.



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Redaktionsschluss: 08.07.2019