Die wichtigsten Fakten:

  • Schwellenländeraktien zuletzt mit guter Wertentwicklung
  • Der aktuelle Trend könnte sich fortsetzen
  • Breit gestreutes Aktieninvestment weiterhin interessant

Wenn die Unsicherheiten an den Kapitalmärkten zunehmen und die Risikobereitschaft der Anleger sinkt, geraten die Schwellenländer mitunter am stärksten unter Druck. Ende des vergangenen Jahres zeigten sich die aufstrebenden Volkswirtschaften jedoch vergleichsweise robust: Als die Anlegerstimmung im Dezember weiter ins Negative kippte, gab der weltweite Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets (MSCI EM) vom Monatsbeginn bis zum Tag nach Heiligabend in Euro gerechnet lediglich um rund 5 Prozent nach, während der globale Industrieländerindex MSCI World mehr als 12 Prozent verlor. Auch über einen etwas längeren Zeitraum betrachtet zeigten Schwellenländeraktien eine bessere Performance. Seit Mitte Oktober 2018 bis Mitte Februar 2019 legte der MSCI EM mehr als 11 Prozent zu, während der MSCI World unter Schwankungen um rund 4 Prozent stieg.

Das aktuelle Momentum der Schwellenländer könnte nach Einschätzung der Deutschen Bank anhalten. Beispielsweise sollten fiskalpolitische Maßnahmen der chinesischen Regierung die Märkte der asiatischen Schwellenländer stützen: Mit Erleichterungen bei der Kreditvergabe von Banken und Steuerentlastungen könnten wirtschaftlich negative Auswirkungen des Handelsstreits kompensiert werden. Aufwärtspotenzial ist insbesondere dann gegeben, falls eine mögliche Entspannung im globalen Handelsstreit einkehrt. Weniger Gegenwind dürfte auch von der Zinsseite kommen. Wegen der flexibleren Leitzinspolitik der US-Notenbank senkten Marktteilnehmer zuletzt ihre Prognosen für den US-Leitzins – und erwarten 2019 keine weitere Erhöhung.

Gebremster Zinserhöhungskurs in den USA

Anfang Oktober 2018 noch verunsicherte US-Notenbankchef Jerome Powell mit scheinbar sehr konkreten Zinserhöhungsplänen die Anleger. Von diesen Plänen ist er mittlerweile auch rhetorisch deutlich abgerückt und deutete jüngst an, den geldpolitischen Kurs flexibel an die realwirtschaftlichen Rahmendaten anpassen zu wollen. Im Umfeld einer leicht abgeschwächten Konjunkturdynamik in den USA rechnet die Deutsche Bank auch bei den Kapitalmarktzinsen mit weniger Zinsdruck. Für zehnjährige US-Staatsanleihen wird nur noch ein Anstieg der Verzinsung auf 2,9 Prozent erwartet. Von dem flexibleren Kurs der US-Notenbank und der Pause des Zinsanstiegs können die Kapitalmärkte der Schwellenländer profitieren. Denn ein höheres beziehungsweise steigendes Zinsniveau in den USA erhöht die Attraktivität für dortige Kapitalanlagen im Vergleich zu Anlagen in den Schwellenländern. Eine dadurch höhere Nachfrage nach USD-Investitionen stärkt gewöhnlich die US-Währung und schwächt im Umkehrschluss die Währungen der Schwellenländer. Aktuell scheint das Gegenteil der Fall zu sein: Der US-Zinsanstieg ist gebremst und die Schwellenländerwährungen zeigen sich seit Mitte Oktober 2018 stabil gegenüber dem US-Dollar. Für Schwellenländerinvestments ist das ein positives Umfeld.

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Chinesische Konjunktur im Mittelpunkt

Eine besonders wichtige Rolle für die weitere Entwicklung von Schwellenländeraktien spielt die chinesische Konjunktur. Zum einen stehen chinesische Aktien für rund 30 Prozent der Marktkapitalisierung im MSCI Emerging Markets. Zum anderen sind vor allem die asiatischen Schwellenländer wirtschaftlich eng mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verflochten. Vor dem Hintergrund des Umbaus der chinesischen Volkswirtschaft von einer stark exportorientierten hin zu einer eher binnenmarktorientierten Ökonomie sind die Zweifel an der Nachhaltigkeit der hohen Wachstumsraten der Vergangenheit nicht verwunderlich. Der Wirtschaftsumbau belastet beispielsweise das Investitionsniveau, das zuletzt weniger als 6 Prozent im Jahresvergleich zulegte. Kurzfristig könnte auch der Handelsstreit mit den USA Spuren hinterlassen. Um die negativen Effekte abzufedern, hat die chinesische Regierung bereits mit umfassenden konjunkturstimulierenden Maßnahmen, darunter eine Senkung des Mindestreservesatzes für Banken, Steuererleichterungen für Unternehmen und Konsumenten sowie zusätzliche Infrastrukturausgaben, gegengesteuert. Die Deutsche Bank geht daher davon aus, dass sich das chinesische Wirtschaftswachstum im Jahresverlauf stabilisieren sollte. Für 2019 wird dennoch mit einem Rückgang auf 6,1 Prozent gerechnet.

Vorsichtiger Optimismus im Handelsstreit

Eine Entspannung oder gar Lösung des Handelsstreits würde die Konjunktur in China und den Schwellenländern insgesamt stützen. US-Präsident Donald Trump zeigte sich nach einem Treffen mit Chinas Vizepremier Liu He Ende Januar optimistisch. „Wir werden jetzt ein großartiges Handelsabkommen bekommen, wenn alles funktioniert“, sagte Trump. Er erklärte, man arbeite hart an einer Einigung vor dem 1. März – dem Tag, für den ansonsten die Erhöhung der US-Zölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von 10 auf 25 Prozent geplant ist. Was von Trumps euphorischen Bekundungen bleibt, gilt es abzuwarten. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürften beide Seiten jedoch Interesse an einem „Deal“ haben, um keine größeren Wachstumsrisiken einzugehen.

Gewinnaussichten für die Unternehmen

Abseits von Geld-, Fiskal- und Handelspolitik sind die Aussichten für die Unternehmen und Aktienmärkte in den Schwellenländern derzeit vergleichsweise positiv. Zwar haben die Analysten ihre Gewinnprognosen für Unternehmen aus den Schwellenländern zuletzt stärker gesenkt als für ihre Pendants in den Industrienationen. Dennoch liegen die Erwartungen für die Gewinne in den kommenden 12 Monaten für die Unternehmen im MSCI Emerging Markets mit einem Plus von 7,0 Prozent noch höher als für jene im MSCI World (+5,9 Prozent). Zudem liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Schwellenländeraktien auf Basis der 12-Monats-Prognosen mit etwas über 11 noch immer unter dem langjährigen Durchschnitt der letzten 25 Jahre von 12,1.

Gute Unternehmensaussichten, günstige Bewertungen, zurückhaltende Fed: Schwellenländeraktien mit Potenzial.

Schwellenländeraktien: interessante Beimischung im Depot

Insgesamt dürfte ein breites Investment in günstig bewertete Aktien der Schwellenländer ein interessanter Bestandteil eines diversifizierten Portfolios bleiben. Gemäß Prognosen des Internationalen Währungsfonds dürften die Volkswirtschaften der Schwellenländer im Jahr 2020 70 Prozent zum globalen Wachstum beitragen. Anleger sollten jedoch insbesondere die weiteren Entwicklungen im Handelsstreit und die US-Geldpolitik im Auge behalten sowie eine entsprechende Risikobereitschaft und einen langfristigen Anlagehorizont mitbringen, da kurzfristige Schwankungen jederzeit möglich sind.



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Redaktionsschluss: 21.02.2019