Die wichtigsten Fakten:

  • Gute Fundamentaldaten für die US-Konjunktur
  • Trumps Steuer- und Ausgabenpolitik könnten Wirtschaft stützen
  • US-Dollar und Importsteuern als Belastung für US-Einzelhandel

Der größten Volkswirtschaft der Welt geht es derzeit gut: Die Arbeitslosenzahlen sinken seit Jahren kontinuierlich, die Erwerbsquote dagegen steigt und mit ihr auch die Löhne. Insgesamt also eine gute Ausgangslage für die US-Wirtschaft. Zumal der neue US-Präsident Donald Trump seinem Slogan „America first“ nach der Wahl tatsächlich Taten folgen lassen will: Neben einer Senkung der Unternehmenssteuer steht eine Ausweitung der Staatsausgaben nach wie vor ganz oben auf seiner Agenda. Beide Maßnahmen könnten die Konjunktur sowie das Lohnwachstum weiter antreiben.

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US-Einzelhandel bereits unter Druck

Also alles eitel Sonnenschein in „Corporate America“? Mitnichten! Denn nicht jedes US-Unternehmen wird gleich stark von der Wirtschaftspolitik Trumps, den sogenannten Trumponomics (von Trump und Economics, engl. für Wirtschaft), profitieren können. Deutlich wird dies beispielhaft am US-Einzelhandelssektor. Dieser hatte in den vergangenen drei Jahren zwar an einem vergleichsweise starken Anstieg der US-Konsumausgaben partizipiert, allerdings nicht in dem Maße, wie man es hätte erwarten können. Ausschlaggebend dafür war der fortschreitende Strukturwandel im US-Konsumsektor: So stieg der Anteil der Ausgaben für Dienstleistungen im Verhältnis zu den Ausgaben für Güter stetig an – bis heute auf 70 zu 30 Prozent. Gleichzeitig sind von den verbleibenden 30 Prozent ein immer größerer Anteil Internetkäufe, was in erster Linie Unternehmen aus dem IT-Sektor zugutekam.

US-Dollar drückt auf das Geschäft

Darüber hinaus zehrt die zunehmende Stärke des US-Dollar an den Umsätzen und Gewinnen, die mit ausländischen Touristen erzielt werden. Gerade für Besucher aus Mexiko, Kanada, Großbritannien oder Japan verteuerten sich US-Güter zum Teil erheblich, weil ihre eigenen Währungen zum US-Dollar abgewertet haben. Da sie das Gros der Touristen in den USA stellen, wirkt sich ihre Kaufzurückhaltung spürbar negativ auf die US-Einzelhandelsunternehmen aus.

US-Einzelhandel abgehängt? Warum Trumps Wirtschaftspläne nicht allen US-Unternehmen gefallen dürften.

Trumponomics verschärfen die Situation

In dieser ohnehin bereits angespannten Situation für den US-Einzelhandel kämen einige Maßnahmen der neuen US-Regierung daher zur Unzeit. Insbesondere die geplante „Border Adjustment Tax“ – also die steuerliche Benachteiligung von Importgütern im Vergleich zu in den USA produzierten Waren – träfe die Branche empfindlich. Schließlich weist der Einzelhandelssektor eines der größten Handelsbilanzdefizite aller US-Sektoren aus. Sprich: Es wird deutlich mehr importiert als exportiert. Eine zusätzliche Steuerbelastung des Importanteils könnte daher zu höheren Einkaufspreisen und letztlich erhöhtem Margendruck führen. Dies hätte spürbar negative Auswirkungen auf die Gewinnsituation der davon betroffenen Unternehmen.

Auch in den USA bleibt Anlagekompetenz gefragt

Trotz der positiven Impulse, die Trumps Wirtschaftspolitik den US-Unternehmen insgesamt verleihen könnte, gibt es in den Vereinigten Staaten also auch Unternehmen und Sektoren, für die „America first“ nicht nur ein Segen sein dürfte. Umso wichtiger ist es für Anleger, sich beim Blick über den Großen Teich nicht von der allgemein guten Stimmung blenden zu lassen, sondern jedes Investment erst nach entsprechend sorgfältiger Analyse zu tätigen und dabei auf eine möglichst breite Streuung auf verschiedene Sektoren zu achten.



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Anlagewissen

Redaktionsschluss: 14.02.2017