Die wichtigsten Fakten:

  • Unternehmensgewinne weiterhin stark – insbesondere in den USA
  • Deutsche Bank hält Jahresendrally für möglich
  • Gesunkene Aktienbewertungen könnten Einstiegsgelegenheiten bieten

An den Börsen weltweit ist der Oktober historisch betrachtet der schwankungsreichste Monat. Für das Jahr 2018 gilt das in besonderem Maße. Denn der saisonale Effekt wurde dieses Mal durch gleich drei Unsicherheitsfaktoren noch verstärkt: den Zinsanstieg in den USA, den globalen Handelsstreit sowie die Brexit- und Italienproblematik in Europa. Im Ergebnis kam es zu größeren Abverkäufen und erheblichen Schwankungen an den Aktienmärkten. Die Deutsche Bank sieht bei anhaltender Volatilität Aufholpotenzial: Eine starke Berichtssaison sowie hohe Aktienrückkäufe in den USA und ein niedriges Bewertungsniveau sowie die Aussicht auf abnehmende, in den Kursen größtenteils bereits eingepreiste politische Unsicherheiten in Europa machen Hoffnung.

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Starke Unternehmensgewinne, gesunkene Bewertungen: Deutsche Bank sieht mögliche Einstiegsgelegenheiten am Aktienmarkt

USA: Unternehmensgewinne sprudeln weiter

Für die US-Unternehmen im S&P 500 rechnet die Analystengemeinde derzeit mit Gewinnsteigerungen von deutlich mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal – das wäre eines der stärksten Quartale in der Historie des US-Leitindex. Bis Ende Oktober hatten 313 der 500 Unternehmen im S&P 500 ihre Bücher geöffnet und durchschnittlich eine Gewinnsteigerung von 24 Prozent erzielt. Dazu trugen auch die hohen Margen bei, die sich mit 12 Prozent auf einem Rekordniveau befinden. Haupttreiber dieser sehr positiven Entwicklung sind die Sektoren Rohstoffe, Finanzen, Kommunikationsdienstleistungen und Technologie. Energieunternehmen profitierten dabei wie bereits im Vorquartal vom gestiegenen Ölpreis. Ihr Gewinnplus ist mit 142 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum am höchsten.

Für den Finanzsektor wird derzeit ein Plus von 31 Prozent ausgewiesen. Ausschlaggebend sind dafür zum einen die steigenden US-Zinsen, die sich positiv auf die Margen der Banken auswirken. Zum anderen die zuletzt zunehmenden Schwankungen an den Aktienmärkten, die zu höheren Handelsumsätzen an den Börsen beitrugen.

Im US-Technologiesektor kletterten die Gewinne im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund 28 Prozent, bei Kommunikationsdienstleistungen sind es sogar 33 Prozent. Auch wenn diese beiden Sektoren im Jahresverlauf zwischenzeitlich unter Druck gerieten, scheint der Techtrend grundsätzlich anzuhalten. Nach wie vor investieren Unternehmen weltweit branchenübergreifend massiv in ihre digitale Infrastruktur, etwa im Bereich Cloud-Computing oder Automatisierung. Durch hohe Datennutzungsraten, Mobile Payment und Big Data sind auch Sicherheitslösungen aus dem Bereich Cyber Security gefragt. Da die Bewertungen im IT-Sektor teilweise bereits recht hoch sind, könnten bei Umsatz- oder Gewinnenttäuschungen die Kursrücksetzer hier jedoch besonders hoch ausfallen.

Aktienrückkäufe könnten Kurse zusätzlich stützen

Neben den positiven Unternehmensergebnissen könnten auch wieder ansteigende Aktienrückkäufe die Börsenkurse in den USA stützen. Unternehmen hatten diesen Weg zuletzt vermehrt genutzt, um ihre im Zuge der US-Steuerreform gestiegenen Gewinne und Bargeldreserven an die Aktionäre „auszuschütten“. Im bisherigen Jahresverlauf wurden in den Vereinigten Staaten so von Unternehmen bereits eigene Aktien im Wert von knapp 700 Milliarden US-Dollar zurückgekauft – ein im historischen Vergleich sehr hoher Wert. Da während der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse eine temporäre Sperrfrist für Aktienrückkäufe besteht, könnte der Erwerb eigener Papiere nun sogar erneut Fahrt aufnehmen, die Nachfrage nach Aktien zusätzlich stimulieren und die Kurse treiben. Nach Einschätzung der Deutschen Bank könnte bis zum Jahresende die 900-Milliarden-US-Dollar-Marke erreicht werden. Das wäre ein Plus von 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und insgesamt ein neues Rekordergebnis.

Europa: nicht so stark wie die USA – aber solide

In Europa spielen Aktienrückkäufe eine geringere Rolle, da Anleger hier die Ausschüttung von Gewinnen und Bargeld über Dividenden bevorzugen. Grund dafür sind Unterschiede in der Besteuerung im Vergleich zu den USA. Hinsichtlich der Gewinnentwicklung können die Unternehmen in der Alten Welt nicht mit ihren US-Pendants mithalten. Dennoch ist der Ausblick solide: Nach einem Nullwachstum im 1. und einem Plus von 5 Prozent im 2. Quartal könnten die Gewinne der Unternehmen im gesamteuropäischen Stoxx Europe 600 nun im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Wie in den USA dürften Energie- und Finanzunternehmen zu den Haupttreibern gehören.

Unternehmensgewinne könnten Aktienkurse treiben

Insgesamt haben die Kursverluste im Oktober die Bewertungen sinken und Aktien in den USA und Europa billiger werden lassen: Auf Grundlage der Gewinnerwartungen für die kommenden 12 Monate liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis beiderseits des Atlantiks derzeit unter dem jeweiligen 5-Jahres-Durchschnitt. Die Lage der Unternehmen ist weiterhin solide bis sehr gut – die politischen Ereignisse haben den positiven Konzernergebnissen in der Breite noch keinen Abbruch getan. Das dürfte im Zuge der aktuellen Berichtssaison wieder stärker ins Bewusstsein der Anleger rücken. Viele entsprechend risikobereite Investoren, die zuletzt abgewartet haben, könnten an die Aktienmärkte zurückkehren und die gesunkenen Kurse für einen Einstieg beziehungsweise Zukäufe nutzen. Insgesamt scheint aus Sicht der Deutschen Bank eine Jahresendrally möglich.



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Redaktionsschluss: 01.11.2018