Die wichtigsten Fakten:

  • Trump favorisiert protektionistische Wirtschaftspolitik
  • US-Techsektor erzielt Großteil seiner Wertschöpfung im Ausland
  • Protektionismus könnte US-Techsektor belasten

„America first!“ – so lautet bekanntermaßen die Devise von US-Präsident Donald Trump. Dementsprechend fordert Trump unter anderem die Verlagerung von ausländischen Produktionsstätten US-amerikanischer Unternehmen in die USA und lehnt den Freihandel ab. Als eine seiner ersten Amtshandlungen unterzeichnete Trump beispielsweise schon wenige Tage nach seiner Amtseinführung ein Dekret, das den Rückzug der USA aus dem geplanten transpazifischen Freihandelsabkommen TPP erklärte. Sollte die US-Regierung ihre protektionistischen Pläne mit der gleichen Intensität weiterverfolgen, könnte das insbesondere den US-Techsektor empfindlich treffen.

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Technologiesektor fest in globaler Wertschöpfungskette integriert

Die Tatsache, dass Technologieunternehmen im Jahre 2016 mit einem Anteil von rund 18 Prozent die größten Exporteure der USA waren und gleichzeitig der Anteil an den Importen bei 16 Prozent lag, zeigt die Abhängigkeit von globalen Handelsbeziehungen bzw. Handelsströmen. Die Umsätze dieser Unternehmen werden zu mehr als 50 Prozent im Ausland erzielt. Dies ist ein weiteres Indiz für die beschriebene Abhängigkeit. Damit ist klar, dass mögliche Handelsbeschränkungen die Branche besonders hart treffen würden.

Hinzu kommt: Wären die Unternehmen zu einer Verlagerung ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten gezwungen, müssten sie zu deutlich höheren Kosten produzieren. Laut dem japanischen „Nikkei Asian Review“ von November 2016 lägen die Kosten für die Produktion bspw. eines Smartphones in den USA mehr als doppelt so hoch wie derzeit in Asien. Das aber würde die Margen der Unternehmen erheblich unter Druck setzen beziehungsweise zu stark steigenden Preisen für Smartphones und andere IT-Hardware führen – die viele Konsumenten möglicherweise nicht bereit wären zu bezahlen. Sinkende Umsätze und Gewinne wären die Folge für US-Techunternehmen. Dies dürfte die Kurse der Unternehmen signifikant belasten.

Bilaterale Abkommen statt grundsätzlicher Handelsbarrieren

Vor diesem Hintergrund erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die neue US-Regierung ihre protektionistischen Pläne tatsächlich in vollem Maße umsetzen oder gar einen Handelskrieg mit Asien entfachen wird. Wahrscheinlicher dürften bilaterale Handelsabkommen sein, welche die Interessen des für die wirtschaftliche Entwicklung der Vereinigten Staaten wichtigen Techsektors nicht über die Maßen belasten.

Trumps Protektionismuspläne könnten US-Techsektor empfindlich treffen.

Die Märkte bleiben vorerst gelassen

Diese Einschätzung teilen wohl auch die Marktteilnehmer: Seit Jahresbeginn ist der Techsektor mit Kursgewinnen von 10,8 Prozent bislang der Top-Performer des Jahres 2017 im Leitindex S&P 500. Trotz kurzfristig möglicher Unsicherheiten beurteilt die Deutsche Bank den US-Techsektor langfristig weiterhin positiv – insbesondere vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen. Privatanleger sollten die politischen Entwicklungen in diesem Kontext genau verfolgen und ihr Engagement in US-Technologiewerten möglicherweise entsprechend anpassen.



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Redaktionsschluss: 10.03.2017