Die wichtigsten Fakten:

  • Finanzkonditionen in den USA haben sich verschlechtert
  • Für das Jahr 2019 werden weitere Zinsschritte der Fed erwartet
  • Ökonomische Fakten deuten nicht auf baldige Rezession hin

Es kam wie erwartet, und dennoch rebellierten die Kapitalmärkte: Bereits zum vierten Mal hat die US-Notenbank Fed mit ihrem jüngsten Zinsschritt im Jahr 2018 an der Zinsschraube gedreht. Obwohl sich Notenbankchef Jerome Powell in Sachen weiterer Zinsanhebungen vorsichtiger gab, ist der US-Aktienmarkt dennoch kurz nach der Pressekonferenz eingebrochen – mit rund 1,5 Prozent der größte Tagesverlust nach einem Zinsentscheid seit rund 25 Jahren. Der Aktienmonat Dezember hat bereits jetzt das Potenzial, der schwächste seit 1931 zu werden.

Restriktive Geldpolitik und die Erwartung eines niedrigeren BIP-Wachstums in den USA lassen viele Investoren an der nachhaltigen Konjunkturentwicklung zweifeln – sie stoßen Aktien ab und setzen verstärkt auf beispielsweise langlaufende amerikanische Staatsanleihen. Die gesteigerte Nachfrage ließ die Kurse steigen und gleichzeitig die Rendite fallen. Die sich nach der Zinsanhebung weiter abflachende Zinsstrukturkurve verunsichert Börsianer und Volkswirte zusätzlich. Dass die Rendite 5-jähriger US-Treasuries bereits unter die von 2- und 3-jährigen gefallen ist, macht die aktuelle Situation nicht einfacher. Lagen die Renditen von kurzlaufenden 2-jährigen Anleihen in der Vergangenheit über denen von langlaufenden 10-jährigen, führte dies seit dem 2. Weltkrieg in acht von acht Fällen jeweils zu einer Rezession. Die Sorge der Marktteilnehmer vor einer inversen Zinsstrukturkurve liegt darin, dass die USA in eine Phase geraten, in welcher die Fed die Leitzinsen aufgrund der Arbeitsmarktstärke und leicht steigender Inflation weiter anhebt, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden, und sich gleichzeitig der mittel- bis langfristige konjunkturelle Ausblick eintrübt. Denn dann würden die kurzlaufenden Zinsen aufgrund der Geldpolitik steigen, die langfristigen Zinsen – welche sich weniger an der Geldpolitik, sondern stärker an den wirtschaftlichen Erwartungen orientieren – jedoch niedrig bleiben beziehungsweise fallen.

Tägliche Kapitalmarkteinschätzung per E-Mail. Jetzt informieren

Sinkende Zinsen nicht von Dauer

Eine Entwicklung, die die Deutsche Bank insgesamt ernst nimmt – eine drohende Rezession in den USA im Jahr 2019 jedoch weiter für unwahrscheinlich hält. Vielmehr geht sie davon aus, dass die Wirtschaftsdaten wieder in den Fokus rücken und dafür sorgen, dass die Verzinsung insbesondere von langlaufenden US-Papieren wieder ansteigt.

Keine Rezession in den USA: Ökonomische Fakten sprechen laut Deutscher Bank für Wachstum über 2019 hinaus.

Konjunkturelle Lage in den USA weiterhin gut

Denn die ökonomische Datenlage in den Vereinigten Staaten ist nach wie vor gut: Stimmungsindikatoren und die Gewinnerwartungen der Unternehmen sprechen für ein über das Jahr 2019 hinaus anhaltendes Wachstum, wenngleich die Höhe des Wachstums etwas nachlassen dürfte. Für das laufende Jahr wird beispielsweise mit einem Wachstum von 2,7 Prozent gerechnet – selbst 2020 dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt in den USA noch mit rund 2 Prozent zulegen.

In diesem Licht betrachtet sind Überlegungen der US-Notenbank hinsichtlich einer etwas weniger straffen Zinsanhebungspolitik verständlich. Die Deutsche Bank geht angesichts der robusten Konjunktur davon aus, dass die Fed den Leitzins bis Ende 2019 noch dreimal erhöhen und den Zyklus dann bei einem Zinsniveau von 3,00 bis 3,25 Prozent beendet. Jerome Powell bestätigte zudem, dass die Notenbank weitere Schritte in zunehmendem Maße von der Entwicklung der ökonomischen Fundamentaldaten – insbesondere von der Beschäftigung, der Inflation und den Inflationserwartungen – abhängig machen wird. Die Fed wird also sorgfältig darauf achten, dass sie keinen zu restriktiven geldpolitischen Kurs einschlägt.

Keine inverse Zinsstrukturkurve erwartet

Auch die zuletzt zu beobachtende teilweise Inversion der Zinsstrukturkurve bei 2-, 3- und 5-jährigen Anleihen verliert bei näherer Betrachtung ihren Schrecken. Viel entscheidender ist der Vergleich zwischen der Verzinsung von 2- und 10-jährigen US-Staatsanleihen. Während sich die Verzinsung von 10-jährigen Staatsanleihen mit derzeit 2,67 Prozent seit Ende November wieder unter der 3-Prozent-Marke bewegt, sind die Renditen von Staatspapieren mit kürzeren Laufzeiten weniger dramatisch gefallen. Der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Anleihen ist zwar auf 16 Basis-punkte gesunken, das niedrigste Niveau seit Ausbruch der Finanzkrise. Aktuell verzinsen die langlaufenden Papiere allerdings nach wie vor höher als die Kurzläufer. Auch wenn der Renditeabstand geringer geworden ist – eine Inversion in diesem Bereich erwartet die Deutsche Bank auch in naher Zukunft nicht.

Konjunkturerwartungen als Zinstreiber

Dagegen spricht zum einen, dass der Nachfragedruck bei langlaufenden US-Anleihen im Zuge abnehmender Rezessionsängste sinken dürfte – ergo deren Zinsen wieder steigen. Das hängt damit zusammen, dass die Verzinsung von Staatsanleihen mit langen Laufzeiten deutlich stärker von den wirtschaftlichen Aussichten beeinflusst wird als die von kurzlaufenden Anleihen, welche eher von der Geldpolitik abhängen: Positive Konjunkturerwartungen führen zu erhöhten langfristigen Inflationserwartungen und entsprechend steigenden Zinsniveaus am „langen Ende“ der Zinsstrukturkurve.

Zum anderen könnten sich japanische Investoren, die einen erheblichen Teil der ausgegebenen US-Staatsanleihen längerer Laufzeiten halten, mehr und mehr zurückziehen. Der Grund: der wachsende Unterschied der Verzinsung amerikanischer und japanischer Staatsanleihen. Das verteuert die Absicherungskosten für japanische Investoren, die sich vor Währungsschwankungen schützen wollen. Dies zieht bereits Kapitalzuflüsse ausländischer Anleger in US-Staatsanleihen nach sich.

Normalisierung in Sicht

Insgesamt dürften die Verzerrungen an den Kapitalmärkten in den kommenden Monaten abnehmen und das Zinsniveau in den USA moderat steigen – ein herausforderndes Umfeld für Rentenanleger. Dagegen könnte im Umfeld guter Wirtschaftsdaten der Risikoappetit der Investoren wieder zunehmen und nicht nur am US-Aktienmarkt für neue Impulse sorgen.



Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Jetzt anmelden

Anlagewissen

Redaktionsschluss: 02.01.2019