Die wichtigsten Fakten:

  • Mehr Ausgaben, niedrigere Steuersätze, weniger Regulierung: Das Wirtschaftswachstum in den USA könnte 2017 auf 2,3% steigen
  • China ist nicht bereit, Handelsbeschränkungen durch die USA hinzunehmen
  • Die deutsche Wirtschaft dürfte solide wachsen

Die Überraschung war groß, das befürchtete Chaos aber blieb aus. Im Gegenteil: Die Wahl des Republikaners Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA hat den US-Börsen zu Rekordständen verholfen. Eine Billion Dollar will der „President elect“ in den nächsten zehn Jahren in die zum Teil marode Infrastruktur investieren. Die Unternehmenssteuern sollen gesenkt, Regulierungen im Finanz- und Energiesektor gelockert werden. Die Deutsche Bank hält unter diesen Voraussetzungen für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 2,3% für realistisch.

Doch es gibt erhebliche Risiken – Trumps „America first“ könnte auch Abschottung und weniger internationaler Handel bedeuten: Ausländische Direktinvestitionen könnten ausbleiben, Produktivitätsgewinne verloren gehen, der Mangel an ausgebildeten Arbeitskräften könnte in den USA Innovationen hemmen und eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen. Am stärksten betroffen wären wohl Güter des Basiskonsums oder Textilien.

Macht Trump ernst, drohen Handelskonflikte. China wird keine Handelsbeschränkungen durch die USA akzeptieren. Außerdem könnte das Riesenreich versuchen, sofort jedes Vakuum auszufüllen, das die USA bei einer Deglobalisierungsstrategie hinterlassen. China treibt ohnehin regionale Wirtschaftspartnerschaften voran und führt Gespräche mit den Nachbarstaaten.

Unruhe in Europa

In Europa lauern eine Vielzahl von politischen und wirtschaftlichen Risiken: Nach dem „Nein“ der Italiener zur Verfassungsreform und dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi könnte die schwelende Bankenkrise in Italien zu einem gesamteuropäischen Problem werden. Der „Brexit“ dürfte teurer als von den EUabtrünnigen Briten erwartet und belastet auch die Stimmung und Konjunktur in Kontinentaleuropa. In Frankreich, Deutschland und den Niederlanden wird 2017 gewählt – für Sacharbeit in den Parlamenten bleibt im Vorfeld politischer Großereignisse kaum Platz, Wachstumsimpulse sind daher von dieser Seite nicht mehr zu erwarten.

Solides Wachstum

Noch wirkt die deutsche Wirtschaft wie ein Fels in der Brandung. Im November verharrte der wichtige ifo-Geschäftsklimaindex mit 110,4 Punkten auf hohem Niveau und die Geschäftserwartungen haben sich nur geringfügig von 105,9 Zählern im Oktober auf 105,5 Zähler eingetrübt. Auch das Kfw-ifo-Mittelstandsbarometer verbreitet Optimismus. Der unmittelbare Brexit-„Schock“ scheint verdaut, die Binnennachfrage ist lebhaft, meldet die KfW.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 17.11.2016; Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Die jüngsten „harten“ Konjunkturdaten sind allerdings schwach ausgefallen. Die Einzelhandelsumsätze brachen im September gegenüber dem Vormonat um 1,4% ein. Mit -0,6% ebenfalls rückläufig waren die Auftragseingänge in der Industrie. Und auch die Industrieproduktion rutschte um 1,8% ab. Ein klarer Trend lässt sich aus den stark schwankenden Daten aber nicht ableiten. So erhöhte sich die Industrieproduktion gegenüber der Vorperiode im 3. Quartal um 0,2%.

Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist weiter grundsolide. Die Deutsche Bank erwartet eine Beschleunigung beim Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,2% im 3. auf 0,5% im 4. Quartal 2016. Stimmungsindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima signalisieren zwar eine noch stärkere Dynamik, die Deutsche Bank zweifelt aber an der Belastbarkeit der zuletzt sprunghaften Stimmungsaufhellung. Für das Gesamtjahr wird ein BIP-Plus von 1,9% prognostiziert.

Redaktionsschluss: 09.12.2016