Insolvent trotz funktionierendem Geschäftsmodell? Vielleicht war der Liquiditätsplan schuld. Wo Startups nachjustieren können, damit es mit der Zahlungsfähigkeit läuft.

Was viele nicht auf dem Schirm haben? Dass es letztendlich zwei Gründe für Insolvenzen gibt: Überschuldung und Illiquidität. Ein detaillierter Liquiditätsplan ist deswegen bereits in der Frühphase eines Unternehmens wichtig – Gründer sollten auf keinen Fall darauf warten, dass sich der Cashflow „schon irgendwie alleine regelt“.

Strategisches Cashflow-Management für bessere Zahlungsfähigkeit

Welche Zahlungsströme kommen eigentlich zukünftig ins Unternehmen? Welche gehen raus? Und wie lassen sich diese Ein- und Auszahlungen steuern?

Die Beantwortung dieser Fragen muss sich jeder Gründer einmal vornehmen – und zwar so früh es geht. Warum? Jeder Investor legt ein Augenmerk darauf, wie geschickt Gründer die ihnen zur Verfügung gestellten Geldmittel einsetzen. Zu wissen, wie viel Cash in einem bestimmten Prognosezeitraum ausgegeben werden kann, stellt die Basis für einen Großteil an geschäftlichen Entscheidungen. Zahlungsfähigkeit bedeutet Handlungsfähigkeit, Liquidität ist daher eine Kernressource in jedem Unternehmen.

Und dennoch: Die langfristige Planung der Geldmittel wird oft stiefmütterlich behandelt, da so manch ein Gründer meint, vermeintlich wichtigere Dingen zu tun zu haben. Oder aber die Materie ist ihm schlichtweg fremd. Wo können sich Startups Unterstützung holen?

Wer strategischen Weitblick fürs Cashflow-Management bietet

Eine gute Anlaufstelle für Fragen finanzieller Natur sind Finanzinstitute. Einige Banken stellen sich aktuell mit Gründerinitiativen neu auf. So auch die Deutsche Bank mit ihren Startup-Teams. Das Betreuungsmodell zielt darauf ab, Gründer möglichst früh für wichtige Themen zu sensibilisieren und sie dadurch in ihren Wachstumsvorhaben zu unterstützen. „Wir verstehen uns als Sparringspartner und lassen unsere langjährige Erfahrung sowie unsere Kenntnisse und Netzwerke in den Austausch miteinfließen“, sagt Michael Voigt, der das Kölner Team koordiniert.

Er kennt die Herausforderungen, vor denen skalierende Unternehmen stehen. „Je schneller ein Unternehmen wächst, desto umfangreicher werden natürlich auch seine finanziellen Aktivitäten und Bedürfnisse. Hier begleiten wir die Startups mit unserem Know-how, unserer globalen Aufstellung und Best-Practice-Ansätzen.“ Auch im Cashflow-Management kommt das Modell zum Einsatz. „Bei der Liquiditätsplanung sind wir quasi externer Risiko-Manager. Wir versuchen, Gründer auf potenzielle Engpässe hinzuweisen“, so Voigt.


Was können Startups laut dem Banking-Experten tun, um ihre Liquidität besser zu steuern und so den Worst Case Insolvenz zu vermeiden?

10 nützliche Cashflow-Treiber für Startups

1. Kreditorenziele verlängern

Startups können versuchen, von Lieferanten gestellte Zahlungsfristen nach hinten zu schieben. So haben sie mehr Zeit, die erhaltenen Waren zu verarbeiten. Dadurch fließt früher Geld ins Unternehmen, was die Burn Rate schont und die Liquidität sichert. „Gründer können ihre Partner auch nach Ratenzahlungen fragen, damit sie nicht durch hohe Einmalzahlungen ihrer Liquidität beraubt werden“, so Voigt.

2. Debitorenziele verkürzen

Natürlich geht das Ganze auch andersrum. Falls das Startup der Warenlieferant ist, heißt es: Schnell Rechnungen schreiben und die Zahlungsziele für Kunden so kurz wie möglich halten. „Hier geht es dann darum, schnellstmöglich wieder Liquidität ins Unternehmen reinzuholen.“ Kleine Rabatte für Kunden, die upfront zahlen (siehe Skonto), wären ein möglicher Hebel.

3. Skontofristen ausnutzen

Ein Klassiker unter den Cashflow-Treibern. Falls ein Lieferant Skonto anbietet, sollten Startups diesen Preisnachlass unbedingt nutzen. „Auch wenn man dafür Kreditlinien in Anspruch nehmen muss: Man spart hier meist nicht nur Bares, sondern wird zudem von den Unternehmen als zuverlässiger Partner betrachtet.“ Viele Banken bieten Online-Rechner, die zeigen, wann sich Skonto lohnt und wann gegebenenfalls nicht.

4. Bonitätsprüfungen vornehmen

Ab einer bestimmten Auftragshöhe bieten sich Bonitätsprüfungen durch Bank- oder Wirtschaftsauskünfte an. So weiß ein Startup vor einem anstehenden Vertragsabschluss, ob der Neukunde überhaupt kreditwürdig ist – und vermeidet damit potenzielle Liquiditätsengpässe.

5. Ordentliches Mahnwesen einführen

Geht das Geld vom Kunden nicht zum vereinbarten Zeitpunkt ein, kommen Startups schnell in die finanzielle Bredouille. Ein aktives Forderungs-Management ist daher unerlässlich. „Gründer müssen sich hier gut überlegen, wie sie bei Zahlungsverzug reagieren. Am besten aber zunächst persönlich mit dem Kunden sprechen, bevor die Mahngebühren oder Zinsen folgen“, so Voigt.

6. Kapitalstruktur logisch aufbauen

Wer langfristig viel Kapital im Unternehmen gebunden hat und größtenteils fast nur hohe finanzielle Forderungen an seinen Kunden stellt, wird seinen Cashflow nicht wirklich in die Höhe treiben können. „Startups brauchen finanziellen Spielraum, der ihnen auch kurzfristig weiterhilft. Da bringt es nichts, wenn man auf der aktiven Bilanzseite eine hohe Vermögensposition hat, aber seine Rechnungen nicht zahlen kann“, erklärt Voigt. Es gilt also, eine durchdachte Balance in der Bilanzstruktur zu finden.

7. Lagerhaltung minimalistisch halten

Produzierende Startups müssen schauen, dass sie ihre Lagerkapazität und -bindung gering halten. Das klingt zwar leichter gesagt als getan, doch ein Lager bindet extrem viel Kapital – und falls hohe Lagerbestände aufgebaut werden, natürlich auch viel Liquidität.

8. Verkaufen!

Man könnte meinen, dieser Punkt läge auf der Hand. Doch manche junge Unternehmen befinden sich leider noch in dem Glauben, ihr Produkt verkaufe sich von selbst. Fehlanzeige. „Ein großer Fokus sollte also bei jedem Startup auf dem Aufbau einer enormen Reichweite sowie der Kundengenerierung liegen. Starke Sales- und Marketing-Units sind wichtige Ertragstreiber“, so Voigt. Hier sollte darauf geachtet werden, echte Vertriebstalente einzustellen.

9. Sparen bzw. Ausgaben optimieren

Darunter fallen klassische Maßnahmen wie Investitionen zu verschieben, den Personalaufwand geringer zu halten oder die Sachkosten zu reduzieren, sowie Produktionskosten zu optimieren oder betriebliche Funktionen outzusourcen.

10. Zahlungsentwicklungen im Auge behalten

Letztendlich müssen Gründer auch alle Zahlungsziele und -ströme regelmäßig kontrollieren. Das gilt für operative Tätigkeiten, Finanzierungstätigkeiten und Investitionen. „Sie müssen gegebenenfalls nachschrauben, falls es zu Abweichungen gekommen ist und prüfen, warum es wo gehakt hat. Nur so erhält man volle Transparenz über die Geschäfte.“ Und nur so kann man sein Unternehmen erfolgreich zu Wachstum führen.