Auf ihre Elektrostecker sind viele Industriezweige angewiesen. Doch die Veränderungen in der Automobilbranche zwangen die Binder-Gruppe zum Umdenken – auch beim Thema Finanzierung.

Beim Blick aus seinem Fenster sieht er acht Kräne und eine riesige Baustelle. Siegbert Vollert genießt den Anblick. Seine Firma, die Franz Binder GmbH & Co. Elektrische Bauelemente KG, errichtet hier zurzeit ein neues Produktionswerk. Vollert ist Leiter Finanzen und Administration bei Binder, einem der „Hidden Champions“ in Deutschland. Mit Sitz im baden-württembergischen Neckarsulm, rund 60 Kilometer nördlich von Stuttgart, gehört das Unternehmen zu den weltweiten Marktführern im Bereich Rundsteckverbinder. Diese kleinen, mehrpoligen Elektrostecker verbinden Strom- oder Datenkabel mit Maschinen, zum Beispiel in Autos, medizinischen Geräten, Solaranlagen und in der Sicherheitstechnik.

Maß statt Masse

„Jede Branche hat ihre individuellen Anforderungen“, sagt Vollert, „wir konzentrieren uns auf Speziallösungen und nicht auf Massenware, wie sie zum Beispiel für den Consumer-Markt benötigt wird.“ Binder hat eine hohe Fertigungstiefe und kann schnell auf weltweite Anfragen aller Art reagieren. Das Unternehmen profitiert dabei von seiner internationalen Ausrichtung: Mit mehreren Standorten in Europa sowie in den USA, China und Singapur ist Binder auch in seinen wichtigsten Exportregionen präsent. Die Auftragsbücher sind voll, die Fertigungskapazitäten erschöpft – der Neubau am Stammsitz in Neckarsulm ist nötiger denn je. Doch vor wenigen Jahren war das noch kaum vorstellbar.

Binder war bis 2009 im Bereich der Automobilteile aktiv. Allerdings bewegte der Wandel in der Branche das Unternehmen dazu, sich aus dem Geschäftsfeld zurückzuziehen. Das war ein ziemlicher Kraftakt: Viele Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit, am Schweizer Standort blieben die Türen teilweise geschlossen. Auf diese Weise schaffte es Binder, niemanden entlassen zu müssen und gleichzeitig liquide zu bleiben, um nach der Krise schnell wieder handeln zu können. Neue Branchen wurden erschlossen, die auf Automotive spezialisierten Standorte erhielten neue Aufgaben. „Das Know-how und die Kontakte der Kollegen kommen uns heute zugute, denn es gibt viele ehemalige Einkäufer aus dem Automotive-Bereich, die nun in anderen Industrien arbeiten“, sagt Vollert.

Mehr „Luft nach oben“ dank Konsortialkredit

Das starke Wachstum, das auf die Krise folgte, hat auch den Anstoß gegeben, die Finanzierung des Unternehmens zu überdenken. Während dieser turbulenten Zeit verbrachte Siegbert Vollert unzählige Stunden in Gesprächen mit Vertretern verschiedener Banken – ein Zustand, den der Finanzvorstand ändern wollte, um mehr „Luft nach oben“ bei der Finanzierung, wie er es nennt, zu gewinnen. Schnell kam das Thema Konsortialkredit auf. „Wir haben mit mehreren Banken gesprochen und uns schließlich für die Deutsche Bank entschieden“, sagt Vollert.

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Erfahrungen mit Konsortialkrediten hatte Binder keine. Daher dauerte es von den ersten Beratungen bis zum Vertragsabschluss auch rund ein Jahr. „Der große Aufwand hat sich auf alle Fälle gelohnt“, betont der 59-jährige Manager. Ein Konsortialkredit sei zwar nicht die erste Wahl, wenn man seine Zinsen optimieren oder einen möglichst niedrigen Aufwand beim Abschluss haben will. Aber in der täglichen Arbeit erleichtert er einiges: „Viele administrative Themen, die ich früher mit drei oder vier Bankenpartnern klären musste, übernimmt heute die Deutsche Bank als Konsortialführer für uns“, so Vollert.

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„Global denken, lokal handeln“

Mit einer strukturierten Finanzierung im Rücken kann Binder sich nun auf den Ausbau des Geschäfts konzentrieren. Nach dem Wegfall der Automotive-Branche ruht der Fokus heute auf den Bereichen Energie und Medizintechnik, aber auch auf der Land- und Forstwirtschaft. „In den USA werden riesige Flächen zunehmend mit digitaler Hilfe bewirtschaftet, da kommen auch Steckverbinder zum Einsatz“, sagt Siegbert Vollert. Viele dieser Bauteile werden voraussichtlich ab 2022 in Sichtweite seines Büros, und zwar im 126 Meter langen und 26 Meter hohen neuen Produktionswerk, gefertigt. „Auch wenn wir inzwischen weltweit tätig sind, gilt für uns: ‚Global denken, lokal handeln‘“, betont der Manager. „Wir wollen unsere Produktion auch in Zukunft in Neckarsulm halten. Hier sind unsere Mitarbeiter. Hier sind wir zu Hause.“