medNachrichten Q4 Seite 4

Hinweis: Dies ist eine maschinenlesbare No-Flash Ansicht.
Klicken Sie hier um zur Online-Version zu gelangen.

Inhalt

Seite 4 Deutsche Bank medNachrichten Ausgabe 4 2017 Die Hoffnungen der fran zösischen Ärzte auf ei ne gesundheitspolitische Kehrtwende nach den Prä sidentschaftswahlen haben vorerst ei nen Dämpfer erhalten Sie hatten erwar tet dass die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron auf das von der Vor gängerregierung geplante Sachleistungs modell verzichtet Grund waren Ankündigungen Macrons während seiner Wahlkampagne eine Überarbeitung der Sachleistungsreform in Erwägung zu ziehen In den Mona ten nach der Wahl gab es zu diesem The ma dann keine einheitlichen Signale mehr Zunächst hatte die neue Regierung noch erklärt erneut mit den Ärzten über das Sachleistungssystem verhandeln zu wol len Die neue Gesundheitsministerin die Ärztin Professor Agnès Buzyn hatte sich noch im Sommer gegen eine Zwangs einführung des unter ihren Berufskolle gen unbeliebten Modells ausgesprochen Dann aber hatte der Regierungssprecher der Ministerin öffentlich widersprochen Hoffnung auf Kehrtwende Folge war neben Verunsicherung über die künftige Ausrichtung des Gesund heitssystems die Ankündigung eines Ärz testreiks Ob der tatsächlich im Dezem ber startet stand bis Redaktionsschluss nicht fest Mit Streiks waren die Ärzte vor drei Jahren zunächst erfolgreich als die damalige Regierung die geltende Kosten erstattung zugunsten der Sachleistung abschaffen wollte Bei einer Gesund heitsreform im vergangenen Jahr war das Sachleistungssystem dann aber doch in Teilen eingeführt worden Die Bevölke rung begrüßt den Systemwechsel zwar mehrheitlich Ärzte jedoch verweisen auf die für sie damit verbundenen Nachtei le Statt wie zuvor ihr Honorar direkt vom Patienten zu bekommen müssen sie jetzt Rechnungen an die Krankenkassen stel len Bei gefälschten Versichertenkarten werden die Rechnungen nicht beglichen Der Einstieg in das Sachleistungssystem das in Deutschland ja seit Langem gilt fällt den französischen Ärzten auch des halb schwer weil sie keine Körperschaf ten wie die Kassenärztlichen Vereinigun gen kennen Die Türkei investiert in Gesundheit Die stationäre Versorgung in der Türkei soll in den kommenden Jahren deut lich modernisiert werden Landesweit entstehen 31 neue Stadtkran kenhäuser als zentrale Anlaufstellen für die Gesundheitsversorgung Bislang sind die Verträge für 21 Kliniken unterzeichnet zehn weitere Ausschreibungen folgen Vier Stadtkrankenhäuser sind fertigge stellt Mehrere Krankenhäuser sollen in Istanbul gebaut werden das größte von ihnen wird rund 4 200 Betten haben Die Kliniken werden im Rahmen öffentlich pri vater Partnerschaften errichtet Für die Hightech Ausstattung dieser Klini ken sind fast ausschließlich ausländische Firmen erforderlich weil der lokale Markt hauptsächlich einfache Verbrauchsmate rialien liefern kann Für dieses Segment wird die inländische Produktion deshalb staatlich gefördert Grund für die Inves titionsoffensive in Sachen stationäre Ge sundheitsversorgung ist der steigende Be darf Nach jüngsten Zahlen ist jeder fünfte Ärztemangel auf dem Land Einführung der Telemedizin die Themenlage der französischen Gesundheits politik ähnelt an einigen Stellen derjenigen in Deutschland Die Ärzte bewegt aber besonders die Abkehr vom Sachleistungsprinzip Die in ihn gesetzten Hoffnungen hat Präsident Macron vorerst nicht erfüllt Die neue Gesundheitsministerin Buzyn ist eine parteilose Hämatologin die zuvor die nationale Gesundheitsagentur und das na tionale Krebsinstitut geleitet hatte Im am bulanten Sektor kennt sie sich allerdings weniger aus Auch im französischen Par lament ist viel ärztlicher Sachverstand vertreten Unter den 577 Abgeordne ten befinden sich 26 Ärzte 19 von ihnen gehören der Macron Partei La Répub lique en Marche an Neun Ärzte der kon servativen und alle Ärzte die für die so zialistische Partei zuvor im Parlament saßen schafften dagegen nicht erneut den Sprung ins Parlament Längere Wartelisten im NHS Die Anzahl der Patien ten die in Großbritannien auf eine Operation war ten ist in diesem Jahr erstmals über vier Millionen gestiegen Deutlich nach oben ging besonders die Anzahl derjenigen die länger als 18 Wo chen warten müssen Sie stieg innerhalb eines Jahres um 21 Prozent auf 375 000 Damit hat die Regierung ihr Ziel deutlich verfehlt Sie hatte angekündigt dass 92 Prozent aller Patienten in Großbritannien innerhalb von 18 Wochen nach Diagnose operiert oder anderweitig fachärztlich be handelt werden Ärzte und Patientenver bände nahmen dies zum Anlass massive Kritik an der Gesundheitspolitik zu üben Die Opposition forderte mehr Geld für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS Ex perten sehen einen Zusammenhang mit dem Brexit Seit die Briten für den EU Aus stieg gestimmt haben berichten Kliniken zunehmend über Probleme bei der Perso nalsuche Tausende Pflegekräfte aus EU Ländern haben das Land bereits verlassen und konnten bislang nicht ersetzt werden türkische Bürger adipös 27 Prozent der über 15 Jährigen leiden unter Bandschei benproblemen Auch Hypertonie 18 Pro zent Allergien elf Prozent und Diabetes neun Prozent häufen sich Die Gesund heitsausgaben der staatlichen Sozialversi cherungsanstalt haben sich in den vergan genen sechs Jahren auf 68 Milliarden Lira ca 16 Milliarden Euro in 2016 mehr als verdoppelt Über die Hälfte der Ausgaben entfallen auf Klinikleistungen Frankreich Abgeordnete Ärzte unter den Abgeordneten Deutschland 577 26 11 Abgeordnete Ärzte unter den Abgeordneten 709 Französische Ärzte politisch aktiver Ärzte in nationalen Parlamenten Quelle Nationale Parlamente Gesundheitsausgaben pro Kopf in US Dollar Lebenserwartung bei Geburt in Jahren Anteil Gesundheitsausgaben am BIP in Prozent Türkei Deutschland Türkei Deutschland Türkei Deutschland 81 75 5 5 411 568 11 Türkei mit Nachholbedarf Gesundheitsdaten im Vergleich 2014 Quelle Weltbank AUS ALLER WELT


Vorschau medNachrichten Q4 Seite 4