Volkswirtschaft/Geldpolitik – 09.07.20

Corona: Währungsmarkt nur kurzfristig betroffen

Die wichtigsten Fakten:

  • Coronavirus-Pandemie trifft auch den Währungsmarkt
  • US-Dollar gibt zwischenzeitliche Gewinne wieder ab
  • Euro könnte über Aufwärtspotenzial verfügen

Feverpitched / Getty Images

Die Coronavirus-Pandemie hat auch am globalen Währungsmarkt für deutliche Kursreaktionen und erhöhte Schwankungen gesorgt. Und Währungsentwicklungen können den Gesamtertrag eines Depots entscheidend beeinflussen. Denn was oft vergessen wird: Jedes Investment außerhalb der Eurozone ist automatisch ein Investment in die Währung des jeweiligen Anlageraums – beim Kauf von US-Aktien zum Beispiel in den US-Dollar, bei chinesischen Anleihen in den Renminbi. Steigen in einer Anlageregion die Aktienkurse, aber die dortige Währung verliert im Vergleich zum Euro an Wert, belastet das die Gesamtperformance – und umgekehrt. Daher ist es für Anleger wichtig, die Währungsentwicklungen ständig im Blick zu behalten.

Die wichtigste Währung der Welt ist nach wie vor der US-Dollar, daher gilt ihm ein besonderes Augenmerk. Noch immer macht er rund 60 Prozent der globalen Zentralbankreserven aus und etwa die Hälfte der grenzüberschreitenden Zahlungen internationaler Geschäftsbanken werden in US-Dollar abgewickelt. Seine Rolle als Leitwährung führte auf dem Höhepunkt der Coronavirus-Krise im März 2020 zu einer deutlichen Aufwertung des Greenback. Denn aufgrund der hohen Verunsicherung unter den Marktteilnehmern zog die Nachfrage nach der als sicherer Hafen geltenden US-Währung an. Bereits einige Wochen später kehrte sich dieses Bild allerdings schon wieder um: Im Zuge der vielerorts sinkenden COVID19-Infektionen und der massiven geld- und fiskalpolitischen Hilfsmaßnahmen weltweit kehrte ein gewisser Optimismus an die Kapitalmärkte zurück. Viele Investoren lösten daraufhin ihre US-Investments auf und legten verstärkt wieder in anderen Währungsräumen an. Das trug gemeinsam mit den geldpolitischen Interventionen der Fed entscheidend dazu bei, dass der US-Dollar seine Gewinne wieder abgeben musste.

US-Dollar bestätigt Status als Leitwährung

Damit hat sich in der Coronavirus-Krise die Rolle des US-Dollar als Leitwährung erneut bestätigt. Doch wie entwickelt sich der Greenback in den kommenden Monaten? Mit einem deutlichen Aufwärtstrend ist aktuell zumindest nicht zu rechnen: Mögliche Unsicherheitsfaktoren sind zum Beispiel die Gefahr einer zweiten Coronavirus-Infektionswelle in den Vereinigten Staaten sowie die Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der US-Präsidentschaftswahl im November. Derzeit ist absolut offen, ob Donald Trump oder sein voraussichtlicher demokratischer Herausforderer Joe Biden als Sieger daraus hervorgehen wird – und welche Auswirkungen der Wahlausgang auf die US-Politik beispielsweise hinsichtlich Steuern und Handel haben könnte. Daneben dürfte die hohe Staatsverschuldung der USA eine zunehmende US-Dollar-Stärke begrenzen: Für 2020 erwartet die Deutsche Bank ein Rekordhaushaltsdefizit von 20 Prozent. Dazu kommt die Verschuldung der US-Volkswirtschaft gegenüber dem Ausland insgesamt. Diese lässt sich beispielsweise an der Leistungsbilanz ablesen. Sollte deren Defizit von aktuell 2,6 Prozent weiter steigen, könnte das den Außenwert des US-Dollar belasten. Anziehende US-Inflationsraten zumindest dürften auf absehbare Zeit kein Thema werden.

Euro mit neuer Stärke?

Während der US-Dollar zu Beginn der Coronavirus-Pandemie deutlich an Stärke gewann, gehörte der Euro zunächst zu den Verlierern. Im Verlauf der Krise und positiver Signale aus der Währungsunion wie den umfassenden geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank wertete der Euro jedoch wieder auf. Dazu trug auch bei, dass die Mitgliedsstaaten der Währungsunion bestrebt zu sein scheinen, gemeinsame fiskalpolitische Antworten zu finden – zum Beispiel in Form einer geplanten europäischen Arbeitslosenversicherung oder des von der Europäischen Kommission vorgelegten Wiederaufbauplans. Dieser ist bis dato zwar noch nicht beschlossen, eine Einigung scheint aber möglich und dürfte den Euro stützen – wohingegen eine Ablehnung Enttäuschungspotenzial birgt und sich belastend auswirken dürfte. Darüber hinaus dürfte sich die von der Deutschen Bank erwartete stärkere Konjunkturerholung in Europa im Vergleich zu den USA im zweiten Halbjahr 2020 positiv auf den Wert des Euro gegenüber dem US-Dollar auswirken. Grund für diese Erwartung sind die höheren Arbeitslosen- und anhaltend hohen Infektionszahlen in den Vereinigten Staaten sowie die stärkere internationale Ausrichtung der europäischen Wirtschaft, die von einer globalen Konjunkturerholung entsprechend stärker profitieren dürfte.

Anleger sollten daher sowohl die wirtschaftlichen als auch die politischen Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Gemeinschaftswährung beobachten und bei ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 03.07.2020