Anleihen: trübe Aussichten – von Renditejägern und Kapitalvernichtern

Niedrige  Zinsen, hohe Konjunkturdynamik: Schon für wenig Rendite müssen Rentenanleger 2021 ins Risiko gehen – sonst drohen reale Vermögensverluste. Marktturbulenzen im Jahresverlauf sind nicht ausgeschlossen. Am Devisenmarkt könnte es ein ruhiges Jahr werden.

Die wichtigsten Fakten:

  • Insgesamt mehr Risiken als Chancen an den Rentenmärkten weltweit
  • Reale Vermögensverluste mit Staatsanleihen guter Bonität
  • Renditepotenzial bei ausgewählten Unternehmenspapieren und EM-Anleihen
Anleihen

2020 waren mit Rentenpapieren wie US-Staatsanleihen, Bundesanleihen oder Hochzinspapieren aus den USA positive Renditen zu erzielen. Ausschlaggebend dafür war die starke Nachfrage nach Anleihen, die die Kurse nach oben trieb, insbesondere auf der anderen Seite des Atlantiks. Auch im neuen Jahr ist mit Bewegung an den Rentenmärkten zu rechnen – phasenweise könnte es dabei auch turbulent zugehen. Ein Renditeszenario wie 2020 dürfte sich dabei jedoch kaum wiederholen. Investmentchancen sollten rar werden.


Trübe Aussichten: reale Vermögensverluste bei Staatsanleihen

Bei den extrem niedrigen Zinsen für US- und Euro-Staatsanleihen kürzerer Laufzeiten rechnet die Deutsche Bank in den kommenden Monaten insgesamt mit wenig Veränderungen. Verantwortlich für die trüben Renditeaussichten sind vor allem die anhaltend niedrigen Leitzinsniveaus der Notenbanken. Nach Einschätzung der Deutschen Bank dürfte sich daran auf absehbare Zeit auch nichts ändern: Mit ersten Zinsschritten wird in den USA frühestens Ende 2022 und in der Eurozone nicht vor Ende 2024 gerechnet.

Am längeren Ende der Zinskurve, also im Bereich 10- bis 30-jähriger Anleihen, könnte es dagegen phasenweise auch  sehr kurzfristig zu steigenden Renditen und damit Kursverlusten kommen. Mögliche Auslöser dafür sind eine fortschreitende konjunkturelle Erholung, weitere Fiskalprogramme in Europa und den USA sowie ein damit einhergehender Anstieg der langfristigen Inflationserwartungen. Allerdings dürften die Notenbanken mit dem Ankauf von Anleihen die Nachfrage hoch und damit die Renditen niedrig halten. Zuletzt hatten sowohl die US-amerikanische Fed als auch die Europäische Zentralbank signalisiert, bei Bedarf ihre Geldpolitik noch expansiver gestalten zu wollen, um die volkswirtschaftliche Erholung weiterhin mit niedrigen Zinsen zu stützen.

"Mit ersten Zinsschritten wird in den USA frühestens Ende 2022 und in der Eurozone nicht vor Ende 2024 gerechnet."

Für Anleger bedeutet das: Bei Staatsanleihen bester Bonität sollten 2021 die Renditechancen über alle Laufzeiten hinweg sehr gering ausfallen. In Deutschland beispielsweise rentieren aktuell sämtliche Bundesanleihen nominal im negativen Bereich. Nach Berücksichtigung der Inflation fallen die realen Vermögensverluste für Anleger sogar noch entsprechend höher aus. In den USA ist die Situation kaum besser: Dort liegen die Renditen für 10-jährige „Treasuries“ mittlerweile bei knapp unter einem Prozent – vor Abzug der Inflation. An diesem Bild dürfte sich mittelfristig kaum etwas ändern.


Unternehmensanleihen: Investment Grade gut unterstützt

Etwas freundlicher sind die Aussichten für Anleger bei Unternehmensanleihen. Die erwartete weltweite  Konjunkturerholung und eine ausreichende Liquidität im Markt sollten vor allem Papiere mit guter Bonität, also mit einem Investment-Grade-Rating, stützen. Dafür dürften diese allerdings auch nur ein leicht höheres Renditepotenzial aufweisen als entsprechende Staatsanleihen.

Als renditestärkere Alternative könnten Hochzinsanleihen in Betracht kommen: Die Deutsche Bank rechnet für „High Yields“ im Jahr 2021 immerhin mit durchschnittlichen Renditen von mehr als 3 Prozent in der Eurozone und fast 5 Prozent in den USA. Allerdings erscheint ihr Rendite-Risiko-Profil für Anleger wenig attraktiv – insbesondere im Vergleich zu Aktien.


Kaum Bewegung bei Währungen

Am Devisenmarkt ist mit Blick auf die bedeutenden Währungen in den kommenden Monaten nicht mit größeren Veränderungen zu rechnen. Das betrifft vor allem die Wechselkurse von US-Dollar, Euro, Renminbi und Pfund zueinander. Zum Teil deutliches Aufwertungspotenzial gegenüber dem US-Dollar bieten dagegen Währungen aus Schwellenländern (engl.: Emerging Markets – EM), die von einer anziehenden Weltkonjunktur überproportional profitieren. Dazu zählen die Türkei ebenso wie Russland mit seiner bedeutenden Ölindustrie. 

Anleihen

Schwellenländer bleiben das Renditemaß der Dinge

Hauptrisiken für Rentenpapiere aus den Emerging Markets wären ein langfristig stark anziehendes Zinsniveau in den Vereinigten Staaten sowie eine deutliche Aufwertung des US-Dollar. Mit beidem ist 2021 nicht unbedingt zu rechnen. Hinzu kommt, dass die starke wirtschaftliche Erholung in China sowie das jüngst abgeschlossene asiatisch-pazifische Freihandelsabkommen RCEP – durch das die größte Freihandelszone der Welt geschaffen wurde – die Bonität insbesondere vieler asiatischer Länder stützen dürften.  

Entsprechend risikobereite Anleger könnten in diesem Umfeld auf den Zinsvorteil setzen, den die Rentenmärkte in den Schwellenländern bieten. Die Deutsche Bank erwartet auf Jahressicht durchschnittliche Renditen von rund 4 Prozent – sowohl für auf US-Dollar lautende EM-Staats- und -Unternehmensanleihen als auch für EM-Lokalwährungsanleihen.

"4 % erwartete Rendite an den Anleihemärkten der Schwellenländer"


Portfolio: Absicherungsfunktion von Anleihen ist eingeschränkt

Mit Blick auf das Gesamtjahr 2021 scheinen die Rentenmärkte insgesamt mehr Risiken zu bergen als Chancen. Zumal sich die Nettokapitalflüsse, die in den vergangenen drei Jahren von Aktien in Anleihen verliefen, bald umkehren könnten. Denn nimmt die Risikoneigung der Marktteilnehmer aufgrund der weltweiten Konjunkturerholung zu, dürfte vermehrt Kapital aus Anleihen in höher rentierliche Aktien fließen – kurzfristig stärkere Kursverluste an den Rentenmärkten wären möglich. 

Rentenmarkt 2021

Trotz aller Argumente, die aktuell gegen Anleihen zu sprechen scheinen, sollten Anleger die Anlageklasse nicht ganz außer Acht lassen. Um garantierte reale Vermögensverluste zu vermeiden, dürfte es sich jedoch anbieten, nur ausgewählte Rentenmarktsektoren, etwa Unternehmensanleihen mit Investment Grade oder EM-Staatsanleihen aus sien, ins Auge zu fassen. Zusätzlich empfiehlt es sich, in der aktuellen Zinslandschaft sein Rentenportfolio mit Blick auf Anleihelaufzeiten, Bonitäten und Währungsrisiken aktiv zu managen.

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