Rohstoffe: China treibt die Nachfrage

Eine zügige Konjunkturerholung, allen voran in China, dürfte 2021 die Nachfrage nach Rohstoffen treiben.
Im Fokus stehen dabei Industriemetalle, während der Goldpreis zeitweise unter Druck geraten könnte. Am Ölmarkt bleibt die Schwankungsanfälligkeit hoch.

Die wichtigsten Fakten:

  • Industriemetalle als mögliche Profiteure der Konjunkturerholung
  • Goldpreis zum Jahresende 2021 mit Preispotenzial
  • Preisschwankungen am Ölmarkt dürften anhalten
Rohstoffe

Meldungen über die Verfügbarkeit hochwirksamer COVID-19-Impfstoffe und die Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Normalisierung brachten im November 2020 den konjunktursensiblen Rohstoffnotierungen einen erneuten Schub. Insbesondere frühzyklische Basismetalle wie Nickel, Zink und allen voran Kupfer stiegen binnen kurzer Zeit deutlich im Wert. Der Kupferpreis erreichte mit mehr als 7.750 US-Dollar pro Tonne Anfang Dezember sogar ein neues Siebeneinhalb-Jahres-Hoch.

"Kupferpreis erreicht Anfang Dezember neues Siebeneinhalb-Jahres-Hoch."


China als Treiber für Nachfrage von Industriemetallen

Maßgeblicher Treiber der Nachfrage nach Industriemetallen ist China, wo die wirtschaftliche Erholung bereits im zweiten Quartal 2020 eingesetzt hat. Der dortige Bausektor etwa gilt als einer der bedeutendsten Abnehmer von Kupfer weltweit. 2021 dürfte unter anderem die Möglichkeit flächendeckender Impfungen in den Nachbarländern für weitere konjunkturelle Impulse im Reich der Mitte sorgen.

Befeuert wird die weltweite Nachfrage nach Kupfer und Co zudem durch das starke Wachstum zukunftsweisender Industrien. Sowohl die Ankündigung Chinas, bis spätestens 2060 klimaneutral werden zu wollen, als auch der Green Deal der Europäischen Union und die klimaschutzbewusstere neue US-Administration dürften etwa den Ausbau alternativer Energien und der Elektromobilität vorantreiben.

Unverzichtbar dabei sind altbewährte Industriemetalle: In einem E-Auto beispielsweise wird fast dreimal so viel Kupfer verbaut wie in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Ebenfalls steigen dürfte in diesem Zusammenhang die Nachfrage nach dem Batteriemetall Lithium, wenn auch dank hoher Verfügbarkeit nicht mit besonders hohem Preispotenzial.

"In einem E-Auto ist fast dreimal so viel Kupfer verbaut wie in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. "


Goldpreis unter Druck

Während die guten Impfstoffnachrichten bei Industriemetallen für steigende Notierungen sorgten, geriet der Goldpreis unter Druck – dies könnte zumindest kurzfristig anhalten. Der Grund: Die erwartete Konjunkturerholung im Jahr 2021 sollte zu leicht anziehenden Kapitalmarktzinsen führen, wodurch sich die Opportunitätskosten einer zinslosen Anlage in Gold erhöhen. Zudem wird das Edelmetall in einem Umfeld abnehmender politischer Risiken als Absicherungsinstrument im Portfolio verzichtbarer. Im späteren Jahresverlauf könnte die Nachfrage nach physischem Gold insbesondere in den Schwellenländern wieder steigen und den Preis des Edelmetalls stützen.


Ölmarkt legt im November um 30 Prozent zu

Am Ölmarkt legten die Notierungen im November binnen drei Wochen um bis zu 30 Prozent zu. Gestützt von den weltweiten Wachstumsprognosen für die Industrie und der Hoffnung auf eine Normalisierung insbesondere in den Bereichen Verkehr und Tourismus dürften sie 2021 weiteres moderates Aufwärtspotenzial aufweisen. Insgesamt bleibt die Schwankungsanfälligkeit aber hoch. Preisdämpfend könnten sich im Jahresverlauf zum Beispiel ein mögliches Ende der selbst auferlegten Förderbeschränkungen durch die Organisation erdölexportierender Länder und Russland (OPEC+), Fortschritte beim libyschen Friedensprozess und ein möglicher neuer Deal zwischen den USA und dem Iran auswirken. Mittelfristig könnte hingegen der historische Tiefstand bei den Investitionen der größten börsennotierten Öl- und Gasunternehmen für Preispotenzial sorgen: Das Rohölangebot könnte sich dadurch bis 2025 um rund acht Millionen Barrel pro Tag verringern – das entspricht etwa 8 Prozent der aktuellen globalen Fördermenge.

"Rohölangebot könnte sich bis 2025 um 8 Prozent der globalen Fördermenge verringern."

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