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Fiskal- und geldpolitische Maßnahmen im Rahmen der Corona-Pandemie haben seit März maßgeblich die Rally an den globalen Börsen getragen. Insbesondere private Anleger verlassen sich darauf, dass Regierungen und Notenbanken die Liquidität an den Finanzmärkten sicherstellen und mit Konjunkturprogrammen die Realwirtschaft zurück in die Wachstumsspur bringen. Wichtige Leitindizes konnten die erlittenen Verluste im März inzwischen größtenteils kompensieren oder haben sogar wie die US-Technologiebörse Nasdaq neue Allzeithochs erreicht.

Deutlich skeptischer bleiben die Anlageprofis. In einer monatlichen Befragung bewerten Fondsmanager die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus weiterhin als das größte Marktrisiko und halten ihre Barmittelbestände überdurchschnittlich hoch. Die professionellen Investoren bevorzugen weiterhin Gesundheits- und Technologieaktien und als Anlageregion die USA. Außerdem meiden sie britische Aktien sowie zyklische Sektoren wie Banken, Energie- und Industriekonzerne.

Sollte das Virus in den USA aber ohne erneute Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen eingedämmt oder sogar in absehbarer Zeit ein Impfstoff gefunden werden, erwartet die Deutsche Bank signifikante Zuflüsse in Aktien. In diesem Szenario dürften Investmentprofis auf zyklischere Titel mit Aufholpotenzial umschwenken. Unabhängig von einer bevorstehenden Sektor-Rotation und neuem Schub für den Zyklus am US-Aktienmarkt bleiben die langfristigen Aussichten auf interessante Renditen gut.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 28.07.2020. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Hohe Gewichtung

Eine Fokussierung auf nachhaltiges Wirtschaften und „grüne“ Infrastrukturinvestitionen könnte langfristig insbesondere im Bereich Erneuerbarer Energien und alternativer Antriebstechnologien Value-Aktien stützen. Der EU-Wiederaufbauplan gilt zusammen mit dem „European Green Deal“ als Einstieg in den Umstieg. Bis 2050 soll die EU klimaneutral wirtschaften und ihre Netto-CO2-Emissionen auf null drücken.

Für die Umsetzung des Green Deals sind weltweit erhebliche Investitionen von 1 bis 2 Billionen US-Dollar jährlich in neue Technologien erforderlich. Bis 2030 könnten dann 15 bis 20 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen. Investitionsschwerpunkte dürften zunächst Erneuerbare Energien (Solar- und Windkraft), Biokraftstoffe und Infrastruktur (Stromnetzausbau und Ladestationen) sein. Schritt für Schritt könnten Technologien zum Auffangen, Verwenden und Speichern von Kohlenstoffdioxid folgen. Die Deutsche Bank erwartet, dass die Regierungen entsprechende Investitionsanreize und -förderungen bieten und weitere Vorgaben zur Gestaltung der CO2-Preise setzen.

Langfristiger Trend

Vom andauernden Handelskonflikt über die technologische Vorherrschaft bis zur Corona-Krise, geopolitischen Spannungen und zuletzt Spionagevorwürfen mit diplomatischer Eskalation: Die Liste der Konflikte zwischen China und den USA wird immer länger und belastet erneut die Aktienmärkte – allen voran in Asien. Besonders stark unter Druck ist der Hang Seng Index in Hongkong geraten. Das chinesische Sicherheitsgesetz und das Sanktionsgesetz der USA, das Hongkong den Sonderstatus entzieht, belasten die Beziehungen zwischen Peking und Washington schwer.

Im Juli büßte der Leitindex in der chinesischen Sonderverwaltungszone rund 7 Prozent ein. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Hang Seng Index ist inzwischen auf rund 11 gesunken. Gegenüber dem Weltaktienmarkt handelt die Börse in Hongkong mit einem Abschlag von fast 60 Prozent. Das klingt verlockend. Hongkongs zyklischer Aktienmarkt könnte von der Konjunkturerholung Chinas besonders profitieren. Doch nur entsprechend risikobewusste Anleger sollten die Kursrückschläge zum Einstieg nutzen.

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Redaktionsschluss: 07.08.2020