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An den globalen Aktienmärkten hat sich die Kursrally auch in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Eine Reihe führender Leitindizes in Europa und den USA hat im Verlauf des Februars neue Rekordmarken gesetzt. Trotz aller Euphorie: Bei Anlegern wächst die Sorge vor Rückschlägen. Die Bewertungen sind hoch und die Anleiherenditen in den USA seit Jahresbeginn deutlich gestiegen. Nach Meinung der Deutschen Bank ist das Risiko für eine nachhaltige Wende am Aktienmarkt aber begrenzt. Denn es hat sich oft gezeigt, dass Aktien und Anleiherenditen in einem Umfeld mit zunehmendem Konjunkturoptimismus, höheren Gewinnerwartungen und verbessertem Investorensentiment gleichzeitig steigen können. Das ist aktuell der Fall.

Kleine Sprünge

Tatsächlich weist die Entwicklung des marktbreiten US-Leitindex S&P 500 seit 2012 eine positive Korrelation mit den US-Inflationserwartungen auf. Sie werden als Breakeven-Inflationsrate berechnet, die die Gewinnschwelle einer inflationsindexierten Staatsanleihe gegenüber einer traditionellen Schuldverschreibung beschreibt – die reale Rendite ist also bei beiden Papieren identisch. 


So hat der S&P 500 in den vergangenen drei Jahren in Phasen steigender Breakeven-Inflationsraten und fallender Realrenditen im Wochenschnitt um 1,6 Prozent zugelegt. In Wochen, in denen Inflationserwartungen und Realrenditen gestiegen sind, lag der US-Leitindex mit durchschnittlich 0,7 Prozent aber ebenfalls im Plus. Die Performance wurde also stärker durch den Verlauf der Breakeven-Inflation als von den realen Zinssätzen bestimmt. 


Die Wechselbeziehung zwischen S&P 500 und Realrenditen ist weniger eindeutig. Schwankungen der Renditen können durch Faktoren wie Wachstumserwartungen oder die Politik der Notenbank ausgelöst werden. Rückblickend sind die Aktienkurse immer dann unter Druck geraten, wenn die Fed einen Renditeanstieg ausgelöst hat – wie 2013 mit der überraschenden Ankündigung, die geldpolitischen Zügel anzuziehen (Taper Tantrum). 


Der Anstieg der US-Realrenditen 2017 durch die Steuerreform in den USA war hingegen Folge einer boomenden Wirtschaft – und hatte keine negativen Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Die Ausgangslage heute ist tendenziell mit der von 2017 vergleichbar. Solange die Renditen nur graduell steigen, sollte die Börsenampel weiter auf Grün stehen. 

Neue Favoriten

Seit Beginn der Weltfinanzkrise 2008 haben sich Wachstumstitel (Growth) mit ihrem überdurchschnittlichen Gewinnwachstum deutlich besser entwickelt als Value-Aktien, die meist über ein niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis verfügen. Außerdem hat der Verfall der Kapitalmarktzinsen die Kurse der Growth-Titel gestützt – Wachstumsunternehmen weisen häufig höhere Schuldenquoten auf. Gleichzeitig belasten niedrige Zinsen das Geschäftsmodell von Finanzinstituten, die in Value-Indizes hoch gewichtet sind.


Konjunkturoptimismus und steigende Kapitalmarktrenditen sollten ein guter Nährboden für eine Outperformance von Value sein. Auch das Gewinn-Momentum war zuletzt aufseiten der Substanzwerte. So haben in Europa Value-Unternehmen im vierten Quartal die Analystenprognosen um rund 17 Prozent, Growth-Konzerne jedoch nur um 6 Prozent übertroffen. Besonders wacker haben sich Banken geschlagen. Viele Institute meldeten höhere Vorsteuergewinne als erwartet und haben ihre Kosten gegenüber 2019 gesenkt. Erfreulich für Aktionäre: Im Sektorschnitt liegt die erwartete Ausschüttungsrendite in diesem Jahr bei 5 Prozent, in der Spitze sogar bei 14 Prozent.

Aktien: Intakte Rahmenbedingungen

Quelle: Datastream; Stand 26.02.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

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Redaktionsschluss: 04.03.2021; 12 Uhr