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Eine Reihe führender Leitindizes hat zuletzt neue Allzeithochs markiert. Die Zulassung wirksamer Vakzine gegen das Coronavirus, die Abwahl von US-Präsident Donald Trump mit der Aussicht auf eine verlässlichere US-Handelspolitik, die Einigung auf das lang erwartete dritte US-Fiskalpaket oder auch der Brexit-Deal zwischen der EU und Großbritannien haben die positive Kursentwicklung an den internationalen Börsen befeuert.

Trotz teils hoher Aktienbewertungen könnte sich der Aufwärtstrend 2021 fortsetzen. Die milliardenschweren Corona-Hilfspakete werden ihre volle konjunkturelle Wirkung erst in den kommenden Monaten entfalten. Der mögliche Aufschwung dürfte insbesondere bei zyklischen Unternehmen zu steigenden Umsätzen und Gewinnen führen. Gleichzeitig stellen die Notenbanken mit ihrer expansiven Geldpolitik die Liquidität an den Finanzmärkten sicher. Moderat steigende Kapitalmarktzinsen könnten die Aktienkurse zusätzlich stützen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 07.01.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Die Erwartungen an Corona-Impfstoffe sind groß – und haben in den USA zuletzt kleinen und mittleren Unternehmen zu einer kräftigen Hausse verholfen. Die Firmen profitieren stärker von einem Konjunkturaufschwung als Großkonzerne. Der einschlägige US-Nebenwerteindex Russell 2000 stieg von Anfang November bis Jahresultimo um mehr als 28 Prozent. Damit machte das Kursbarometer auf Jahressicht einen Performancerückstand von zwischenzeitlich über 12 Prozentpunkten zum marktbreiten Leitindex S&P 500 wett.

Geringe Schwankungen

Zu den künftigen Gewinnern an den Aktienmärkten dürften mehr und mehr Unternehmen gehören, die auf Nachhaltigkeit setzen. Global haben Anleger mittlerweile rund 7,2 Billionen US-Dollar in sogenannte ESG-Finanzprodukte angelegt, die Umweltaspekte (Environment), soziale Kriterien (Social) und die Qualität der Unternehmensführung (Governance) berücksichtigen – mehr als doppelt so viel wie noch 2019. In der Corona-Krise haben sich ESG-Anlagen bereits bewährt: Bei vergleichbarer Performance wiesen sie geringere Kursschwankungen als klassische Investments auf.

Mit 80 Prozent entfällt der Löwenanteil der ESG-Anlagen bislang auf Europa. Das Thema dürfte aber auch in den USA an Relevanz gewinnen. Auf der Agenda des neuen US-Präsidenten Joe Biden steht der entschlossene Kampf gegen den Klimawandel, soziale Ungleichheit und Diskriminierung. Im Ländervergleich belegen US-Unternehmen beim ESG-Rating bislang allerdings nur Platz 26. Das könnte sich mit der Implementierung strengerer Normen und Vorschriften mittelfristig ändern. Kurzfristig dürfte das Gros des US-Kapitals jedoch weiterhin in Regionen mit vergleichsweise hohen Ratings wie Europa fließen und dort die Kurse stützen.

Klare Schwächen

Auch China tastet sich an das Thema Nachhaltigkeit heran. Das wird auch erforderlich sein, andernfalls drohen chinesische Unternehmen von Index- und ETF-Anbietern künftig weniger berücksichtigt zu werden. Bei Investmentgesellschaften, die 2020 damit begonnen haben, ihre Produkte nach ESG-Kriterien zu filtern, stellte sich heraus, dass der Anteil von Firmen aus China in den entsprechenden Finanzprodukten abnahm. Insbesondere im Governance-Bereich offenbaren sich erhebliche Schwächen. Das sah zuletzt auch die Regierung in Peking ähnlich und versucht gegenzusteuern. Für den Finanz- und Bankensektor stehen im neuen Jahr die Stärkung von Anti-Kartell-Maßnahmen und die Regulierung des ungezügelten Wachstums auf der Agenda. Bereits im vergangenen November wurde der Entwurf einer Anti-Kartell-Richtlinie für die Plattform-Ökonomie publik.

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Redaktionsschluss: 13.01.2021; 16 Uhr