Quelle: Siegfried Layda /Getty Images

Die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten hat sich im November wieder deutlich aufgehellt. In den USA hat der marktbreite Index S&P 500 inzwischen mit über 3.700 Punkten sogar ein neues Allzeithoch markiert. Die Erfolgsmeldungen von BioNTech/Pfizer oder Moderna zu den Testreihen für ihre COVID-19-Impfstoffe und die Aussicht auf eine beschleunigte Zulassung haben an den Finanzmärkten Euphorie ausgelöst: Aktien von Energieunternehmen, Fluglinien, Banken, Autobauern und deren Zulieferern sowie aus der Reise- und Freizeitbranche legten unmittelbar nach den positiven Nachrichten deutlich zu. Klassisch defensive Sektoren wie Versorger und Haushaltsgüter gingen an den entsprechenden Tagen ebenso mit Verlusten aus dem Handel wie Branchen, deren Nachfrage durch die Krise gestiegen ist, etwa Software oder Streaming- und Lieferdienste.

Der Sieg Joe Bidens bei den US-Präsidentschaftswahlen, der sich im Monatsverlauf immer mehr verfestigte, hat die Märkte ebenfalls angetrieben. Der Volatilitätsindex VIX, der die erwartete Schwankungsbreite im S&P 500 abbildet und als Angstindex der Anleger interpretiert werden darf, hat als Reaktion auf die guten Nachrichten den schnellsten Rückgang aller Zeiten aufs Parkett gelegt: von über 40 auf unter 25 Punkte innerhalb einer Woche. Inzwischen erreichte der VIX mit knapp 20,5 Punkten auch ein neues Verlaufstief.

Eine finale Einigung auf einen EU-Haushalt und -Rettungsfonds, ein Brexit-Deal zwischen der EU und Großbritannien oder weitere Genehmigungen eines oder mehrerer Impfstoffe im Kampf gegen die Corona-Pandemie könnten den Aktienmärkten in den kommenden Wochen zusätzlichen Schub geben.

Gute Perspektiven

2021 könnten Nebenwerte zu den Gewinnern an den Aktienmärkten rund um den Globus zählen. Da die Rezession infolge des Coronavirus vielen kleinen und mittleren Unternehmen stärker zugesetzt hat als Großkonzernen, notieren ihre Kurse häufig noch deutlich unter ihren Vor-Pandemie-Ständen. Entsprechend besteht Aufholpotenzial, vorausgesetzt, die Anleger fassen Vertrauen in den Konjunkturzyklus.

Tatsächlich haben sich Nebenwerte in der Vergangenheit bei anziehender Wirtschaft meist besser entwickelt als Aktien von Großkonzernen. Auch unter den Nebenwerten sieht die Deutsche Bank 2021 das größte Potenzial bei jenen Sektoren, die 2020 am stärksten unter die Räder gekommen sind: Industrie, Chemie, Baustoffe, Automobile und Konsum. Gleiches gilt für die Anlageregionen. In Europa könnten sich Großbritannien, Portugal und Italien an die Spitze schieben.

Neue Hoffnung

Auch europäische Aktienmärkte entwickelten sich im November positiv. Der STOXX 600 gewann rund 15 Prozent hinzu und somit mehr als im bisherigen Rekordmonat April 2009. Ähnlich wie vor elf Jahren waren auch diesmal zyklische Sektoren wie Banken, Versicherungen und Autos die Hauptverantwortlichen für die Kursrally – zusätzlich stiegen Ölaktien deutlich an. In den vergangenen 20 Jahren hat der europäische Markt nur in vier Monaten mehr als 10 Prozent zugelegt.

Das eindrucksvolle Comeback der europäischen Aktien wird dadurch unterstrichen, dass im November neun der zehn von insgesamt 93 Aktienleitindizes, die weltweit am stärksten aufwärts kletterten, europäische Leitindizes waren. Weit vorne lagen Griechenland, Spanien und Italien mit Kursgewinnen von etwa 24 Prozent. Insgesamt stieg die Marktkapitalisierung des STOXX 600 um rund 1,7 Billionen Euro. Sollten sich die Impfstoff-Hoffnungen erfüllen, dürfte Potenzial für weitere Kurszuwächse gerade europäischer Aktien bestehen.

Gewinnerwartung des MSCI World

Quelle: Refinitiv Datastream, Stand: 04.12.2020 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 10.12.2020