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Die globale Hoffnungs-Rally an den Börsen geriet Ende Januar ins Stocken – noch aber ist nach Einschätzung der Deutschen Bank der Bullenmarkt intakt. Aktuell steht allerdings der schwierige Übergang in die „Wachstumsphase“ an, in der die Unternehmen ihre Gewinne steigern und ihre Bewertungen bestätigen müssen. Diese Phase dauert durchschnittlich 50 Monate und wird anfänglich meist von Rücksetzern und erhöhten Marktschwankungen begleitet. Anleger reagieren in dieser Zeit besonders nervös, wenn Zweifel aufkommen, ob die Konjunktur- und Gewinntiefs tatsächlich überwunden sind. In diesem Börsen-Zyklus wird es vermutlich nicht anders sein.

Kleine Sprünge

In den USA haben zuletzt nicht nur die Aussichten auf kurzfristig weitere Corona-Hilfen und ein zusätzliches Konjunkturpaket mit Infrastruktur- und Gesundheitsinvestitionen bis zu einem Volumen von 1,9 Billionen US-Dollar in der zweiten Jahreshälfte den Konjunkturoptimismus befeuert. Auch die vor den US-Wahlen unter Analysten und Investoren verbreitete Einschätzung, dass eine Mehrheit der Demokraten in beiden Kammern des US-Kongresses die Märkte belasten könnte, bewahrheitet sich aktuell nicht. Angesichts der pandemiebedingten wirtschaftlichen Schieflage der USA spricht wenig dafür, dass die neue US-Regierung unter Präsident Joe Biden ihre Steuerhöhungspläne für Unternehmen und vermögende Bürger in diesem Jahr umsetzt.

Ohnehin lässt die hauchdünne Senatsmehrheit der Demokraten bei großen Reformvorhaben nur kleine Sprünge zu. Abgesehen von den Haushaltsbudgets, für deren Durchsetzung eine einfache Mehrheit (51 Stimmen) ausreicht, sind für die allermeisten Gesetze 60 Stimmen erforderlich, um dem Filibuster zu entgehen – einer Dauerrede, die eine Abstimmung im Senat verschleppt.

Neue Favoriten

An den Aktienmärkten hat indes die Rotation begonnen und im Januar durch die politische Entwicklung in den USA, die Positionierung der führenden Notenbanken sowie die Aussicht auf flächendeckende Coronavirus-Impfungen neue Nahrung erhalten. Zu den Gewinnern eines Konjunkturaufschwungs könnten Autoaktien gehören – insbesondere von europäischen Herstellern, wenngleich die Bewertungen inzwischen nicht mehr ausgesprochen günstig sind. Die Branche sollte maßgeblich von hohen Zuwachsraten bei Elektrofahrzeugen profitieren. Die ambitionierten Vorgaben für den Schadstoffausstoß, hohe Strafzahlungen an die EU, wenn CO2-Ziele nicht erreicht werden, und staatliche Prämien für den Kauf von vollelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden könnten deren Anteil an den Neuzulassungen bis 2025 auf 25 Prozent steigen lassen. Aktuell liegt er bei 6 Prozent.

Aktuelles Kurs-Gewinn-Verhältnis und 15-Jahresdurchschnitt im Vergleich

Quelle: Datastream; Stand: 28.01.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Im Sog einer steigenden Nachfrage im Bereich der E-Mobilität könnten auch Produzenten von Halbleitern auf der Überholspur bleiben. Schon in den vergangenen Monaten hatte der Sektor mächtig vom Bedarf an Homeoffice- und Homeschooling-Geräten wie Computern profitiert. Nun erholt sich nicht nur die Nachfrage aus der Autoindustrie schneller als erwartet. Auch das Geschäft mit Smartphones zieht massiv an. Grund sind hier die neuen 5G-fähigen Modelle.

Engpässe bei Halbleitern haben außerdem zu einem Preisanstieg bei Vorprodukten geführt – zum Beispiel bei Grundplatten, auf denen integrierte Schaltkreise hergestellt werden (Wafer). Halbleiterproduzenten, die ihre Kapazitäten schnell erhöhen, könnten im laufenden Quartal überdurchschnittlich hohe Gewinne einfahren. Entsprechende Geschäftsausblicke während der anstehenden Berichtssaison dürften von Anlegern honoriert werden.

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Redaktionsschluss: 04.02.2021, 16 Uhr