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Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Bremsspuren in den Bilanzen der Unternehmen. Von den 345 US-Firmen, die aktuell an der Wall Street gelistet sind und eine Marktkapitalisierung von mehr als 25 Milliarden US-Dollar haben, weisen 12,5 Prozent für die vergangenen 12 Monate einen Verlust aus. Zum Vergleich: Während der Großen Wirtschaftskrise 2009 betrug der Anteil der defizitären Firmen nur 5,5 Prozent. Obwohl das Coronavirus in Europa und den USA weiter wütet, blicken Analysten zuversichtlich in die Zukunft. Demnach dürften in einem Jahr nur noch knapp 3 Prozent der US-Firmen in der Verlustzone stecken.

Schärfere Gesetze

Kurschancen resultieren auch aus dem global dynamisch wachsenden Datenvolumen. Neue Telekommunikationstechnologien wie 5G beschleunigen diese Entwicklung zusätzlich. Gleichzeitig lagern immer mehr Firmen ihre Datenbestände in externe Rechenzentren oder Clouds aus. Die Betreiber dieses Geschäfts überzeugen bereits heute mit stabilem Umsatz- und Gewinnwachstum, das nachfragebedingt weiter zulegen könnte. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwischen 20 und 30 erscheinen die Titel zwar teuer, aber nicht überbewertet.

Nicht nur gut im Geschäft als Cloudanbieter sind die fünf größten US-Tech-Unternehmen. Sie haben ihren Marktwert seit 2015 von 2 auf 7 Billionen US-Dollar ausgebaut und stehen für gut ein Viertel der Marktkapitalisierung des US-Leitindex S&P 500. Nun gerät „Big Tech“ mit Ausnahme von Microsoft aber ins Visier der US-Politik. Das Justizministerium strengt Kartellklagen gegen Techs mit großer Marktmacht an, die den Wettbewerb in Europa und den USA behindern.

Außerdem arbeitet das US-Repräsentantenhaus an schärferen Wettbewerbsgesetzen, die auf die großen Technologiekonzerne abzielen. Basis ist ein Kartellausschussbericht, der einen ganzen Strauß von Maßnahmen empfiehlt: Stärkung der Aufsichtsbehörden, strengere Vorschriften für Übernahmen, Trennung von Geschäftsbereichen oder sogar deren Abspaltung. Wie hart die betroffenen Unternehmen in den USA politisch angegangen werden, dürfte auch vom technologischen Wettrennen mit China abhängen.

Ebenfalls Gegenwind kommt von außerhalb der Heimat: In China und Indien untersuchen staatliche Stellen die marktbeherrschende Stellung von US-Anbietern mobiler Dienste. Die EU erstellt aktuell eine Liste von etwa 20 großen Internetunternehmen, die mit einer verschärften Regulierung rechnen müssen. Außerdem droht „Big Tech“ global eine einheitliche Digitalsteuer.

Neue Favoriten

Ohnehin mehren sich die Anzeichen für eine nachhaltige Rotation der Investoren von „Growth“ zu „Value“ – vorausgesetzt, die Corona-Pandemie wird unter Kontrolle gebracht und die US-Wirtschaft erholt sich spürbar. Value-Investoren setzen auf günstig bewertete Aktien – hatten aber seit 2008 mit Ausnahmen weniger kurzer Phasen immer das Nachsehen gegenüber Growth-Investoren. Deren bevorzugte Titel zeichnen sich durch ein überdurchschnittlich hohes Wachstum aus und sind häufig aufgrund innovativer Geschäftsmodelle weniger von Konjunkturschwankungen betroffen als andere Konzerne.

Gesamtertrag des MSCI World Growth und des MSCI World Value im Zeitverlauf

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 09.11.2020 Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Die Underperformance von Value-Aktien hat mehrere Ursachen – dazu gehören sinkende Inflationserwartungen und Anleiherenditen, vergleichsweise niedriges Wirtschaftswachstum nach der Finanzkrise und signifikante Gewinneinbrüche ganzer Sektoren wie Finanzen oder Rohstoffe. Growth-Aktien, allen voran aus den Bereichen Technologie, Internet und Kommunikation, gewannen dagegen an Bedeutung und konnten ihre Profite stark steigern.

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Redaktionsschluss: 12.11.2020