Bemerkenswert waren schon die äußeren Rahmenbedingungen: Wegen der Corona-Krise sind die Notenbanker der Welt dieses Jahr nicht wie üblich in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming zusammengekommen. Das hochkarätig besetzte Symposium fand Ende August erstmals virtuell statt. Doch nachhaltig in Erinnerung dürfte das Treffen aus einem anderen Grund bleiben. Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), hat eine geldpolitische Innovation vermeldet: Die Fed akzeptiert höhere Inflationsraten.

Hatten die US-Währungshüter bislang stets einen festen Zielwert nahe 2 Prozent im Blick, liegt ihren geldpolitischen Entscheidungen nun eine Durchschnittsbetrachtung zugrunde. Demnach darf der Preisauftrieb in den USA künftig seinen langfristigen Zielwert von 2 Prozent über längere Zeiträume überschreiten. Laut Powell reflektiere die Entscheidung die Lehren der vergangenen Jahre, als die Inflationsrate nicht so gestiegen sei wie erwartet, obwohl die Arbeitslosenrate stark gefallen war.

Zusätzliche Käufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt ebenfalls expansiv. Auf dem Jackson-Hole-Symposium erläuterte Chefvolkswirt Philip R. Lane, nach einer Phase der Stabilisierung der Märkte rücke nun verstärkt das Inflationsziel von 2 Prozent in den Vordergrund. Da die EZB selbst bis 2022 eine Inflation von 1 Prozent erwartet, ist Lanes Statement als klarer Hinweis auf eine weiterhin sehr lockere Geldpolitik zu verstehen. Es ist daher gut möglich, dass die EZB ihr Anleihe-Kaufprogramm noch ausweitet.

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Redaktionsschluss: 10.09.2020