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Der dramatische Einbruch der globalen Konjunktur infolge der Corona-Pandemie und die massiven geld- und fiskalpolitischen Rettungspakete haben der Krisenwährung Gold zu neuem Glanz verholfen. Die Nachfrage nach Gold-ETFs ist konstant hoch, und auch die Notenbanken treten aktuell wieder als Käufer am Goldmarkt auf. Nach einem kleinen Rücksetzer unter die Marke von 1.700 US-Dollar (USD) je Feinunze (31,1 Gramm) Anfang Juni hat die Notierung zwischenzeitlich mit über 1.800 USD ein neues zyklisches Verlaufshoch markiert.

Auch bei einer konjunkturellen Erholung und weltweit steigenden Aktienkursen könnte Gold mittelfristig seine Bewertung behaupten. Ein Grund ist das Zinsniveau in den führenden Industrienationen (G10), das absehbar niedrig bleiben wird. Insbesondere die US-Notenbank wird geldpolitisch voraussichtlich weiter stark expansiv unterwegs sein und sich gleichzeitig bemühen, die Zinsen in den USA niedrig zu halten. Dies könnte zu einer Abwertung des USD führen und Gold für Investoren außerhalb des US-Währungsraums billiger werden lassen.

Auf Sicht von zwölf Monaten erwarten die Analysten einen Goldpreis von 1.830 USD je Feinunze. Sollten allerdings im Zuge einer raschen Konjunkturerholung bei gleichzeitig ultralockerer US-Geldpolitik die Inflationserwartungen massiv ansteigen, könnten die Notierungen auch die 2.000-USD-Marke in Angriff nehmen. Die Zentralbanken würden wohl zumindest vorübergehend höhere Inflationsraten als die Zielraten tolerieren.

Geringeres Angebot

Nicht nur Gold glänzt – auch die Notierungen anderer Metalle entwickeln sich positiv und könnten auch langfristig gute Perspektiven bieten. Kupfer profitiert aktuell von Ausfällen auf der Angebotsseite bei gleichzeitig steigender Nachfrage. Die wachsende Zahl von Covid-19-Fällen auf der Südhalbkugel erschwert den Betrieb in den Minen. Zuletzt deuteten Berichte aus dem chilenischen Bergwerk El Teniente auf eine pandemiebedingte Produktionsumstellung hin: auf 14 Tage Arbeit folgen 14 Tage Pause. Der Effekt auf das Gesamtangebot dürfte spürbar sein. El Teniente ist mit einer Produktion von 440.000 Tonnen Kupfer (2019) die weltweit größte Untertagemine. Darüber hinaus verhängte die Regierung in Santiago de Chile inzwischen einen Lockdown für die Bergbauregion Antofagasta.

Grüne Wirtschaft

Auch nach der beeindruckenden Erholungsrally seit Mitte April wird Rohöl weiter mit deutlichen Abschlägen gegenüber den Vorjahren gehandelt. Aus diesem Grund passen Marktteilnehmer aktuell ihre Erwartungen nach unten an – sowohl für die Ölpreise selbst als auch für Aktien der Ölindustrie. Dahinter steckt die Sorge, dass sich, anders als in früheren Abschwungphasen, die Dekarbonisierung beschleunigen könnte. 

Dafür sprechen zwei Gründe: Erstens sind Technologien wie Solar- und Windkraft inzwischen marktreif und skalierbar. Investoren können also Größenvorteile realisieren. Zweitens begreift die Politik grüne Investitionen zunehmend nicht mehr nur als notwendiges Übel, um das Pariser Klimaabkommen zu erfüllen. Vielmehr können sie Teil der Aufbauhilfen für stark von Corona gebeutelte Volkswirtschaften zum Beispiel im Rahmen des Green Deals der EU werden.

Nach Meinung der Deutschen Bank befinden sich die großen Ölfirmen in Europa bereits im Übergangsprozess hin zu breiter aufgestellten Energieunternehmen. Niedrigere Ölpreise müssen demnach nicht zwangsläufig stark ertragsmindernd sein. Außerdem haben die Notierungen mittelfristig Erholungspotenzial, sobald die aktuell hohen Lagerbestände abgebaut werden.

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Redaktionsschluss: 09.07.2020