In den USA sind die Inflationserwartungen spürbar gestiegen. Die Dynamik der Konjunkturerholung hat sich zuletzt zwar abgeschwächt. Doch die Unterbrechung der globalen Lieferketten im Zusammenhang mit der Corona-Krise hat Vorprodukte verteuert. Gleichzeitig konnten sich infolge der Normalisierung der Wirtschaftsaktivitäten viele Notierungen an den Rohstoffmärkten erholen. Hinzu kommen ein massives Geldmengenwachstum und der Strategiewechsel der US-Notenbank. Die Fed akzeptiert künftig über einen längeren Zeitraum Inflationsraten von mehr als 2 Prozent. Ein stark beachteter Maßstab für die Inflationserwartungen in den USA ist die sogenannte Breakeven-Rate. Sie errechnet sich aus der Differenz der Nominalrendite von US-Staatsanleihen und der von inflationsindexierten US-Staatstiteln („Treasury-Inflation-Protected-Securities“, kurz TIPS). Seit März haben sich die 10-jährigen Breakevens von 0,5 Prozent auf zuletzt 1,6 Prozent mehr als verdreifacht.

Steigende Renditen

Seit Beginn der Pandemie hat sich die laufende Verzinsung von 10-jährigen US-Staatsanleihen bei 0,7 Prozent eingependelt. Grund hierfür sind die massiven Anleihekäufe der Fed, ohne die eine höhere Rendite wahrscheinlich wäre. Ein Indiz dafür ist die gestiegene Differenz zu Papieren mit 30 Jahren Laufzeit, die nicht im Kaufprogramm der Fed berücksichtigt werden. Sie beläuft sich inzwischen auf 75 Basispunkte, im langjährigen Durchschnitt sind es nur rund 30 Basispunkte. Eine Einigung auf ein neues, umfassendes US-Fiskalpaket, das die Konjunkturaussichten in den USA stärkt, könnte allerdings einen Renditeanstieg auch bei 10-jährigen Staatsanleihen auslösen. Damit würde sich vermutlich nicht nur die Differenz der Nominalrendite zu den 30-Jährigen auf Normalmaß verringern – auch die für die Zukunft erwartete Realrendite könnte in diesem Laufzeitenbereich wieder zulegen.

Höhere Risikoprämien

Die Corona-Krise hat von Anfang an Staatsanleihen aus Schwellenländern überdurchschnittlich stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Investoren an den Finanzmärkten befürchten, dass die Konjunkturprogramme und direkten Hilfspakete zur Abfederung der Pandemiefolgen die betroffenen Staaten finanziell überlasten könnten. Deshalb sind die Risikoprämien insbesondere für Staatspapiere, die in Landeswährung gehandelt werden, deutlich gestiegen. Selbst in Ländern wie Polen mit stabiler Wirtschaftsentwicklung und solidem Haushalt vergrößerte sich die Renditedifferenz der Lokalwährungsanleihen zu US-Benchmarkanleihen erheblich. So kletterten die Spreads für polnische Papiere mit 10 Jahren Laufzeit im 1. Quartal von 18 auf 150 Basispunkte.

Rendite ausgewählter Schwellenländer-Staatsanleihen in lokaler Währung

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 30.09.2020 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Die Beruhigung an der Corona-Front während der Sommermonate und die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der globalen Wirtschaft hat die Bonität der Schwellenländeranleihen wieder verbessert. Allerdings liegen die Spreads weiter über dem Niveau von vor Ausbruch der Pandemie. Hauptgrund sind die nach wie vor hohen Infektionszahlen und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Belastungen. Russland, Südafrika, Mexiko und Brasilien gehören zu den zehn Ländern mit der höchsten Inzidenz. Hinzu kommt bei diesen vier Ländern, dass ihre Exportwirtschaft besonders stark vom Nachfrageeinbruch bei Rohstoffen betroffen ist. In Russland stehen fossile Brennstoffe für mehr als zwei Drittel der Exporte, in Mexiko sind es knapp 10 Prozent. In Brasilien machen Rohstoffe ein Fünftel der Ausfuhren aus und in Südafrika stehen Gold, Platin und Diamanten für 30 Prozent der Exporte, fossile Brennstoffe für weitere 20 Prozent.

Aktuelle Marktkommentare erhalten Sie im täglichen Newsletter „PERSPEKTIVEN am Morgen“.

Redaktionsschluss: 08.10.2020