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In der Eurozone profitieren Staatsanleihen krisengeschüttelter Mitgliedsstaaten besonders stark von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und der vorläufigen Einigung der Staats- und Regierungschefs auf das milliardenschwere Corona-Hilfsprogramm. Der beschlossene Wiederaufbaufonds mit einem Gesamtvolumen von 750 Milliarden Euro könnte zwar noch auf parlamentarischer Ebene scheitern – doch am Ende dürfte er mit Nachbesserungen alle Hürden nehmen.

Unmittelbar vor dem historischen EU-Gipfel hatte EZB-Chefin Christine Lagarde nicht nur klargestellt, dass sie das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) voll ausnutzen werde. Die EZB hält auch an den derzeitigen Abweichungen der PEPP-Käufe vom EZB-Kapitalschlüssel fest. Das stützt insbesondere italienische Staatsanleihen. Die EZB kauft aktuell mehr Italo-Bonds als es der Beteiligung der Länder an der EZB eigentlich entspricht. Die Renditen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen sind vorübergehend bis auf 1,04 Prozent gesunken und notierten Ende Juli nur geringfügig höher.

Quelle: Bloomberg L.P., Stand: 29.07.2020. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.

Hohe Kapitalzuflüsse

Der Kurseinbruch war massiv – doch auch Unternehmensanleihen konnten sich größtenteils von den coronabedingten Abverkäufen im März erholen. Papiere auf US-Dollar-Basis mit guter und sehr guter Bonität (Investment Grade, IG) haben nach gut vier Monaten rund 85 Prozent der Kursverluste wettgemacht. Hochzinsanleihen (High Yield, HY), die in US-Währung begeben wurden, konnten bislang immerhin 70 Prozent der erlittenen Verluste kompensieren. Das gilt auch für das gesamte Bonitätsspektrum europäischer Unternehmensbonds.

Außerdem haben sich die Kapitalflüsse bei Unternehmensanleihefonds auf beiden Seiten des Atlantiks wieder ins Positive gekehrt. Mit Ausnahme der europäischen HY-Fonds wurden inzwischen alle während des ersten Krisenmonats erlittenen Abflüsse wieder mehr als wettgemacht. Gleichzeitig deutet die hohe Emissionstätigkeit der Unternehmen auf eine starke Nachfrage nach Unternehmensanleihen hin.

Erfreulich und beruhigend für Investoren ist auch die Ratingentwicklung. Im März, dem Höhepunkt der Krise, haben reihenweise Unternehmen ihr Investment-Grade-Rating eingebüßt und wurden in das HY-Segment herabgestuft. Das Anleihevolumen der sogenannten „Fallen Angels“ betrug 110 Milliarden US-Dollar (USD). Im Juni lag der Wert neuer „gefallenen Engel“ bei nur noch 10 Milliarden USD und beläuft sich nun auf insgesamt 150 Milliarden USD. Im deutlich kleineren Euro-Markt summiert sich das Gesamtvolumen auf gut 60 Milliarden Euro.

Erhebliche Risiken

Unter dem Strich hat sich die Lage an den Anleihemärkten in Europa und den USA weitgehend beruhigt. Allerdings ist das Hochzinssegment in der Eurozone weiterhin unter Druck – es profitiert nicht von direkten Anleihekäufen der EZB. Für Investoren bietet sich hier das größte Kurspotenzial, doch auch das Risiko für Kursrücksetzer ist besonders hoch. Wer sich dem aussetzt, sollte die Fundamentaldaten im Blick behalten. Sie dürften zum Jahresende immer stärker in den Fokus geraten.
Der Euro-IG-Markt hingegen erscheint aufgrund der Kombination aus Wachstum sowie geld- und fiskalpolitischer Unterstützung in Europa gegenüber seinem USD-Pendant gut aufgestellt. US-Papiere könnten in den kommenden Monaten nicht nur unter Rückschlägen bei der Pandemiebekämpfung in den USA leiden. Auch die vermutlich wachsende Unsicherheit rund um die US-Präsidentschaftswahl dürfte Unternehmensanleihen belasten.

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Redaktionsschluss: 07.08.2020