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In den vergangenen Jahrzehnten standen langlaufende Staatsanleihen aus den USA Aktien in puncto Performance kaum nach. So warfen 30-jährige US-Treasuries seit 1990 durchschnittlich einen Gesamtertrag von 7,5 Prozent pro Jahr ab. Das entspricht in etwa der Jahresperformance globaler Aktien im selben Zeitraum. Allerdings sind auf absehbare Zeit vergleichbare Renditen mit Anleihen entsprechender Bonität wohl kaum noch zu erzielen. Der Grund: 1990 rentierten die Anleihen noch mit 8 Prozent – heute müssen sich Anleger mit einem Kupon von 1,6 Prozent begnügen. Rund zwei Drittel des Gesamtertrags resultierte bei den Anleihen aus den laufenden Zinszahlungen – der Rest aus Kursgewinnen.

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 07.01.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Gleichzeitig ist das Risiko groß, dass die Inflation und die Renditen im Zuge einer starken Konjunkturerholung in den USA steigen und bei Anleihen entsprechend Kursverluste eintreten. In einem solchen Umfeld liegen Aktien im Vergleich zu Bonds bei der Performance in der Regel deutlich vorn. Außerdem bietet sich Anlegern auf der Jagd nach Rendite mit der Assetklasse Immobilien eine weitere interessante Alternative. Am US-
Wohnimmobilienmarkt erreichten die Baugenehmigungen im November 2020 den höchsten Stand seit rund 14 Jahren und legten ebenso wie die Baubeginne gegenüber dem Vormonat kräftig zu.

Hohe Liquidität

Der stärkste Konjunktureinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg, sinkende Inflationserwartungen und die massive Lockerung einer ohnehin schon expansiven Geldpolitik: Auch in Europa haben die Anleiherenditen 2020 historische Tiefststände erreicht. Mit der sich abzeichnenden konjunkturellen Erholung durch die inzwischen gestarteten COVID-19-Impfungen dürfte bei der Renditeentwicklung nun allerdings auch diesseits des Atlantiks die Trendwende vollzogen werden.

Die Europäische Zentralbank wird ihre Geldpolitik voraussichtlich nicht weiter lockern. Gleichzeitig dürfte sich das Angebot an europäischen Staatsanleihen im Vergleich zu 2020 erhöhen. Die Länder müssen ihre infolge der Pandemiebekämpfung wachsenden Staatsdefizite decken. Außerdem wird der europäische Wiederaufbaufonds ebenfalls durch die Ausgabe neuer Anleihen finanziert. Da die EZB aktuell keine Ausweitung ihrer monatlichen Anleihekäufe plant, dürfte das größere Angebot an Staatspapieren deren Kurse belasten und zu höheren Renditen führen.

Moderater Anstieg

Etwas anders gelagert ist der Fall bei europäischen Unternehmensanleihen. Vergangenes Jahr haben die Unternehmen die niedrigen Marktzinsen im großen Stil zur Refinanzierung genutzt. Das Emissionsvolumen erreichte ein neues Rekordhoch. Die Ausgabeflut dürfte sich in den kommenden Monaten aber nicht fortsetzen. Außerdem sollte mit der erwarteten Konjunkturerholung das Risiko von Kreditausfällen sinken und die Risikoaufschläge auf Anleihen von Unternehmen, aber auch von Staaten der europäischen Peripherie reduzieren. Da auch die Risikoaufschläge bereits Rekordtiefs markieren, ist der Spielraum für Renditerückgänge kaum vorhanden.

Der absehbare Renditeanstieg bei den als sicher geltenden Bundesanleihen und anderen Staatspapieren aus der Eurozone sollte im Ergebnis das Niveau im Gesamtmarkt anheben – und damit auch zu einer höheren laufenden Verzinsung bei riskanteren Staats- und Unternehmensanleihen führen. Der Anstieg dürfte allerdings aufgrund einer weiterhin hohen Nachfrage nach Festzinsprodukten moderat ausfallen. Vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Pensionsfonds setzen ihre Renditejagd ungebremst fort, wodurch der Kursrückgang und damit der Renditeanstieg begrenzt bleiben sollten.

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Redaktionsschluss: 13.01.2021; 16 Uhr