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Nach der politischen Zeitenwende in den USA zog die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen kräftig an. Erstmals seit Beginn der Coronavirus-Pandemie kletterte sie wieder über die Marke von 1 Prozent. Auf diesem Niveau legte die laufende Verzinsung im Januar aber eine Pause ein.

Der Wirkmechanismus für den Renditeanstieg ist offensichtlich: Die Investoren erwarten kurzfristig eine kräftige Aufstockung der Corona-Schecks für US-Bürger und in den kommenden Monaten ein umfassendes Konjunkturprogramm. Im Raum stehen weitere Fiskalhilfen in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar. Das könnte nicht nur die Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt beschleunigen, sondern dort auch die Inflation anfachen. Die entsprechenden Erwartungen sind bereits gestiegen. Deshalb stagniert die inflationsbereinigte Rendite – also die Rendite abzüglich der Inflationserwartung – bisher weitestgehend unverändert bei rund -1 Prozent.

Moderater Anstieg

In den kommenden Monaten könnte allerdings auch die reale Rendite im Zuge einer fortschreitenden Konjunkturnormalisierung wieder zulegen. Das würde den Aufwärtsdruck auf die laufende Verzinsung von US-Staatspapieren verstärken. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) könnte vor dem Hintergrund einer wiedererstarkten Konjunkturdynamik in der zweiten Jahreshälfte eine Straffung ihrer Geldpolitik in Erwägung ziehen. Sie dürfte bei stabilen Finanzmärkten aber einen moderaten Renditeanstieg dulden.

Die Währungshüter haben aber sicherlich noch das Ausstiegsszenario aus den Anleihekäufen von 2013 vor Augen („Taper Tantrum“). Damals hatte das Gedankenspiel der Fed ausgereicht, um die Finanzmärkte in Aufruhr zu versetzen. So wies die Präsidentin der Kansas Fed jetzt darauf hin, dass es noch zu früh sei, über eine Straffung der Geldpolitik zu spekulieren.

Für eine restriktivere US-Geldpolitik müssten sich deshalb zunächst die Inflationsentwicklung und der Arbeitsmarkt erholen. Boston-Fed-Präsident Eric Rosengren merkte in diesem Zusammenhang an, dass er vor 2024 keinen nachhaltigen Anstieg der US-Inflationsrate auf 2 Prozent erwarte. Darüber hinaus spricht das neue durchschnittliche Inflationsziel der US-Notenbank selbst dann für eine anhaltend expansive Geldpolitik, wenn die Inflationsrate den Zielwert von 2 Prozent überschreitet. Entsprechend preist der Markt eine Leitzinserhöhung in den USA erst für Anfang 2024 vollständig ein. Eine Verringerung der Anleihekäufe wäre allerdings schon früher möglich.

Wachsende Nachfrage

Auf der Jagd nach Rendite könnten Anleger in China fündig werden. Dort boomt der Markt für Staatsanleihen. Vergangenes Jahr ist das Volumen aller ausstehenden in Lokalwährung notierten Papiere auf Nennwertbasis um knapp 18 Prozent auf umgerechnet rund 14,5 Billionen Euro gestiegen. Der Trend dürfte sich 2021 in ähnlichem Umfang fortsetzen.

Renditen 10-jährige Staatsanleihen im Vergleich

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 28.01.2021 Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Bislang werden nur knapp 3 Prozent der in China emittierten Anleihen von ausländischen Investoren gehalten – und die erzielten einen beachtlichen Gesamtertrag: So strichen US-Anleger wegen der Aufwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar durchschnittlich fast 10 Prozent mit chinesischen Staatsanleihen ein. Die laufende Verzinsung für 10-Jährige Papiere liegt aktuell bei 3,15 Prozent – also gut 2 Prozentpunkte über der von US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit. Die für Oktober 2021 erwartete Aufnahme chinesischer Anleihen in den einschlägigen FTSE World Government Bond Index dürfte die ausländische Nachfrage nach chinesischen Papieren noch stärken.

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Redaktionsschluss: 04.02.2021, 16 Uhr