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Größer ist jetzt besser – US-Präsident Joe Biden macht ernst und will mit einem gewaltigen Konjunkturpaket in Höhe von 1,9 Billionen US-Dollar (USD) die Erholung der Wirtschaft in den USA fördern. Mitte März läuft in den USA die erweiterte und erhöhte Arbeitslosenhilfe aus. Bis dahin könnte im Idealfall zumindest ein Teil der geplanten Maßnahmen beide Kammern im US-Kongress passiert haben. Wegen der knappen Mehrheitsverhältnisse bekommen die Demokraten ihr Hilfsprogramm nicht ohne Weiteres durch den Senat. Die Republikaner lehnen die Ausgaben, die sich auf rund 10 Prozent der US-Wirtschaftsleistung belaufen würden, als zu hoch ab. Gut möglich, dass ein Kernelement des Pakets so nicht durch den Kongress gewinkt werden wird: die Anhebung des Mindestlohns von 7,25 auf 15 USD.


Dennoch zeigen die Regierungspläne und Erfolge der Impfkampagne am US-Rentenmarkt bereits deutlich Wirkung. Viele Marktbeobachter gehen inzwischen davon aus, dass die Verbraucherpreise mittelfristig stärker ansteigen werden. Die Inflationserwartungen ziehen schon an und haben zu einem kräftigen Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen geführt. Nachdem die laufende Verzinsung der 10-jährigen Titel Anfang Januar nachhaltig über die 1 Prozentmarke geklettert war, verzeichneten die Staatspapiere noch einmal einen kräftigen Renditesprung auf zuletzt über 1,4 Prozent. Auch die Realverzinsung ist zuletzt deutlich gestiegen.

Renten: Zwischenspurt bei Anleiherenditen

Quelle: Bloomberg L.P.; Stand: 26.02.2021. Wertentwicklungen der Vergangenheit und Prognosen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen

Steigende Preise

Offenbar scheint sich die US-Konjunktur nun kräftig und rasch zu erholen. Nachdem der ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe der USA im Januar auf hohem Niveau gegenüber dem Vormonat leicht auf 58,7 Punkte zurückgefallen war, überraschte er im Februar. Das Stimmungsbarometer kletterte mit 60,8 Punkten auf ein 3-Jahreshoch – und signalisiert robustes Wachstum. Von einer spürbaren Anhebung des Mindestlohns würden Millionen US-Arbeitnehmer effektiv profitieren. 35 Millionen verdienen aktuell weniger als 15 USD je Stunde. Die meisten davon sind in den Sektoren Freizeit, Gastronomie und Hotellerie beschäftigt. Ihre Tätigkeiten lassen sich kaum automatisieren. Kommt es dort zum erwarteten Nach-Corona-Boom, dürften höhere Mindestlöhne dann tatsächlich steigende Verbraucherpreise zur Folge haben.

Gebremster Anstieg

In diesem Zusammenhang ist die Positionierung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) besonders interessant. Noch gut in Erinnerung ist vielen Marktakteuren das „Taper Tantrum“ von 2013. Die überraschende Ankündigung des damaligen Fed-Chefs Ben Bernanke, die Anleihekäufe der Notenbank möglicherweise zu verringern (engl. taper), hatte einen massiven Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen und Tumulte an den globalen Finanzmärkten – insbesondere in vielen Schwellenländern – ausgelöst. Die Deutsche Bank erwartet zwar, dass die Fed im Juni damit beginnen wird, die Märkte auf ein „Tapering“ ab 2022 vorzubereiten. Die Ereignisse von 2013, als die Renditen der 10-jährigen US-Staatstitel in nur zwei Monaten um 80 Basispunkte zulegten, sollten sich aber nicht wiederholen.

Für diese Annahme gibt es einige plausible Gründe. So rechnen, anders als vor acht Jahren, institutionelle Anleger bereits mit steigenden Renditen und sind nach Daten der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) für sinkende Anleihekurse positioniert. Zudem wird der Anstieg aktuell durch erhöhte Wachstumserwartungen und nicht durch die Zentralbanken getrieben. Auch dürfte besonders bei lang laufenden Anleihen ein Renditeanstieg zu einer erhöhten Nachfrage institutioneller Investoren führen. Das sollte die Bewegung bremsen.

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Redaktionsschluss: 04.03.2021; 12 Uhr